
So übertrieben großmäulig wie ihr Statement „Stockholm City’s first and only rock’n’roll band!“ gibt sich die MARTIN SAVAGE GANG auf ihrem zweiten Album zum Glück nicht ernsthaft. „Such A Drag“ zeigt die Schweden mit einem nüchternen, sehr bewusst inszenierten Rock’n’Roll-Album. Nach mehreren Besetzungswechseln wirkt diese Version der Band eingespielt und fokussiert. Die neue Rhythmussektion verleiht den Songs eine Erdung, die auf früheren Veröffentlichungen noch nicht selbstverständlich war. Der Opener „Made up my mind“ ist programmatisch, eher breit angelegt als hektisch, mit Raum für Dynamik und ein Arrangement, das Geduld beweist. „Stay in L.A.“ dagegen ist kurz, schnörkellos und direkt, ein Song, der messerscharf fokussiert arbeitet. Coverversionen von Elton Motello, King Louie und Eddie Cochran sind respektvoll, aber nicht museal, sie fügen sich logisch ins Album ein und verweisen auf die Tradition, aus der diese Band kommt. „Victim of time“ und der Titelsong bringen Haltung und Selbstverständnis auf den Punkt: kein Übermaß, kein Pathos, sondern sauberes Songwriting und solides Handwerk. Im aktuellen Garage- und Punk-Kontext wirkt das Album fast altmodisch, allerdings im besten Sinne: als Platte, die Songs über Attitüde stellt und genau dadurch überzeugt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #152 Oktober/November 2020 und Gereon Helmer
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