
MC50 liefern mit „10 More“ ein Live-Dokument ab, das weit über die Funktion einer Ergänzung hinausgeht. Zwar handelt es sich formal um die zweite Auskopplung der 2018er-Jubiläumstour, doch musikalisch steht diese Platte für sich. Im Mittelpunkt ist der 2024 verstorbene Wayne Kramer, Gründungsmitglied von MC5, dessen Gitarrenspiel nach wie vor auf Konfrontation ausgelegt ist: kurze, scharf geschnittene Riffs, rhythmisch gedacht, nie ornamental. Kim Thayil von SOUNDGARDEN ergänzt das mit schweren, tief gestimmten Akkorden, die dem Sound eine dunklere Textur verleihen und die Songs stellenweise in Richtung Noise und Psychedelia öffnen. Billy Gould, sonst bei FAITH NO MORE aktiv, fungiert als bewegliches Zentrum: sein Bassspiel ist melodisch, federnd und hält die oft explosiven Strukturen zusammen. Am Schlagzeug teilen sich Brendan Canty von FUGAZI und Matt Cameron von PEARL JAM die Arbeit. Canty bringt eine nervöse, fast stoische Spannung ein, während Cameron für Durchsetzungskraft und Präzision sorgt. Marcus Durant von ZEN GUERRILLA am Mikro intoniert kraftvoll, roh und direkt. „Call me animal“ eröffnet aggressiv und kompakt, „Skunk“ lebt vom kontrollierten Chaos, „The American ruse“ behält seine politische Schärfe, und „Starship“ wächst zum ausladenden Höhepunkt. Die Mitschnitte aus Seattle, Cincinnati und Hamburg klingen geschlossen und druckvoll. „10 More Live“ zeigt MC50 nicht als Denkmal, sondern als lebendige Idee.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Gereon Helmer