
Aus unserer eurozentristischen Weltsicht hat man oft nicht im Blick, was sich anderswo auf der Welt in Sachen Punk tat und tut. 1982, als sich MERCENÁRIAS (auch AS MERCENÁRIAS geschrieben) in São Paulo gründeten, war Brasilien noch eine Militärdiktatur, Punkbands gab es dennoch, und man kann man sich schon vorstellen, dass es mutig war, derart das Maul aufzureißen. Die primär aus Rosalia (voc), Ana Maria (gt) und Sandra (bs) bestehenden MERCENARIAS gelten als brasilianische Post-Punk-Pioniere. 1983 nahmen sie ein erstes Demo auf (2015 und aktuell als 7“ neu aufgelegt) und es entstanden die beiden Alben „Cadê As Armas?“ (1986) und „Trashland“ (1988, EMI), von denen ersteres 2021 via Beat Generation/Munster wiederveröffentlicht wurde. 2005 gab es mit „The Beginning Of The End Of The World“ auf Soul Jazz Records eine Zusammenstellung von Album-Tracks. 2018 erschien auf Nada Nada Discos erstmals die Compilation „Baú 83 87“ mit 14 unveröffentlichten und „lost“ Studioaufnahmen, ergänzt um Live-Songs, und Munster Records hat nun diese LP neu aufgelegt. Die Band war in ihrer ersten Inkarnation bis 1988 aktiv, 2006 gab es ausgehend von Bassistin Sandra Coutinho eine (anhaltende) Neuauflage der für Brasilien wegweisenden All-female-Band. Die war auf ihrem ersten Demo noch durchwegs punkrockig unterwegs, mit teilweise wütendem Growlgesang von Rosalia, und auch bei den Live-Aufnahmen spürt man diese Energie deutlich, wohingegen die Studiosongs elaborierter sind und man nachvollziehen kann, woher die Vergleiche mit SLITS und GANG OF FOUR kamen und kommen. Ob man nun eher zu dieser Zusammenstellung greift oder zunächst zum Rerelease des Debütalbums ist Abwägungssache – hier bekommt man auf jeden Fall einen umfassenden Eindruck in guter bis akzeptabler Soundqualität.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Joachim Hiller
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