MERMAID LEGEND

Mit nur 59 Jahren ertrank der japanische Filmregisseur und Drehbuchautor Toshiharu Ikeda 2010 im Meer nahe des Küstenorts Shima unter nicht genau geklärten Umständen (vermutlich Suizid). Auch in seinem künstlerisch anspruchsvollsten und in Japan mit einigen Preise bedachten Film „Mermaid Legend“ spielt das Meer eine entscheidende Rolle, der jetzt das erste Mal hierzulande veröffentlicht wurde, nur untertitelt, aber in sehr guter Qualität, und versehen mit Audiokommentar und einem Interview mit dem Drehbuchautor. Wie so viele japanische Regisseure und Drehbuchautoren begann Ikedas Karriere im Filmgeschäft im Bereich Pinku eiga – Erotikfilme mit künstlerischem Anspruch, die in den 1970er Jahren fast die Hälfte der japanischen Kinofilmproduktionen ausmachten. Danach schloss sich Ikeda der Produktionsfirma Director’s Company an, die jungen Filmemachern abseits der großen Studios die Möglichkeit zur künstlerischen Entfaltung geben wollte. Dort entstand auch „Mermaid Legend“, ebenso wie 1988 Ikedas exzessiver Horrorfilm „Evil Dead Trap“, der sich bei Genrefans weltweit ziemlicher Beliebtheit erfreut, eine seiner zahlreichen Kooperationen mit Regisseur, Drehbuchautor und Mangaka Takashi Ishii („Gonin“). Auch „Mermaid Legend“ basiert auf einem Manga, allerdings von Kazuhiko Miyaya, der darin 1976 erstaunlich politische Themen wie Atomkraft und Umweltprobleme verarbeitete. Als ein Fischer einem Industrieprojekt im Weg steht, lassen die Projektentwickler ihn ermorden. Seine Frau, die als Perlentaucherin arbeitet, schwört daraufhin Rache für seinen Tod. Ikedas Adaption wird Fans von „Evil Dead Trap“ eher enttäuschen, denn bei seiner Mischung aus Arthouse-Kino und Exploitation liegt der Fokus trotz Splatter und Sexszenen vor allem auf einer möglichst poetischen visuellen Umsetzung der ungewöhnlichen und faszinierenden Geschichte.

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