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MITTEKILL

Phantom Club

Wie schon beim Review der letzten Platte gilt: Nur einen überschaubaren Teil der Ox-Leser wird das hier interessieren, der aber wird seine helle Freude daran haben. Wir haben 100 Jahre nach den Goldenen Zwanzigern, und irgendwie passen MITTEKILL mit ihrer Musik genau dorthin. Keine Genremusik, sondern eine Bandbreite, die sich andere Bands kaum zutrauen würden. Chanson, Elektropunk, Pogo, Ambient, Instrumentals, vorwiegend elektronisch, aber eben auch in klassischer Bandbesetzung ist alles dabei, und wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, macht das verdammt noch mal Spaß. Wortwitz, kleine Spielereien und glasklare Struktur ergeben ein Ganzes, das mehr als die Summe von sagen wir zehn Bands ist, die scheinbar willkürlich, aber mit einem Gesamtkonzept im Hinterkopf auf einen Sampler gepackt wurden. Wer „Abfuckprämie“ nicht nach dem zweiten Mal mitsingen kann, dem ist nicht zu helfen. Bei „Superpatt“ höre ich RUMMELSNUFF, „Words“ könnte aus Stuttgart stammen, aber alles zusammen kann nur im Berlin der Zwanziger so existieren. Ein Zitatenschatz, musikalisch und textlich, abseits der ausgetretenen und hundertmal bedienten Pfade. Minimale, präzise gesetzte Elektrobeats, Klaviernachspiele, Streicherarrangements, Barmusik neben chilligen Songs, alles auf nur einer Platte, das nehme ich authentisch nur ganz wenigen Bands ab, MITTEKILL sind eine davon. Wahrlich, großes Kino.