Foto

MODERN LIFE IS WAR

Life On The Moon

MODERN LIFE IS WAR gründeten sich 2002 in der Kleinstadt Marshalltown, Iowa, galten seinerzeit als Pioniere eines „modernen“ Hardcore-Sounds – und hatten sich 2008 aufgelöst, bevor irgendwer was von einem Genre namens „Modern Hardcore“ fabulierte. Ich beschrieb sie als „Hardcore in Moll, NEUROSIS meets HOT WATER MUSIC, kein gefaketer Schmerz, sondern echte Gefühle, maximale Intensität“ und „Musik mit geballten Fäusten, Musik für die Guten.“ Ihre Alben „My Love. My Way.“ (2003), „Witness“ (2005) und „Midnight In America“ (2007) elektrisierten, waren herausragend und szeneprägend – und dann verkündeten sie 2008 unvermittelt die Auflösung. 2013 die Rückkehr mit „Fever Hunting“, wieder auf der Homebase Deathwish, und in den Folgejahren eher sporadische Aktivitäten, hier und da mal ein Auftritt auf einem Festival in den USA. Neue Musik gab es dann ab 2018 in Form der „Tribulation Worksongs“-7“-Serie, die sich über drei Siebenzöller erstreckte, die wiederum anschließend auf einer 12“ zusammengefasst wurden. Und nun also im Herbst 2025 Shows in Europa und mit „Life On The Moon“ ein neues Album von Jeffrey Eaton (voc), John Eich (gt, voc), Bo Becker (gt, key, voc), Chris Honeck (bs, voc), und Luke Rauch (dr, voc) sowie mit einer ganzen Latte Kleinbeiträgen von Freunden, etwa Ryan Patterson, der wiederum in seinem Studio den Gesang aufnahm. Sowieso haben wohl alle Beitragenden verteilt über die USA in einem anderen Studio aufgenommen, kein Fall von „live in the studio“ also, was für eine Patchwork-artige Entstehungsgeschichte spricht – und vielleicht erklärt, warum „Life On The Moon“ kein wirklich stringentes Album ist, sondern musikalisch einmal mehr divers, was das dubbig-atmosphärische „Empty shoes“ unterstreicht, dem mit „Jackie oh no“ eine ähnlich intensiv-schleichende Nummer folgt, um mit „Johnny gone“ an alte Hardcore-Grandesse anzuknüpfen – und bei „Kid hard dub“ wieder bei Dub zu landen. Sowieso, Dub, dieser frühe Wegbegleiter des Punk im London der späten 1970er, hatte auch schon bei „Tribulation Worksongs“ seine Spuren hinterlassen, und so präsentieren sich MODERN LIFE IS WAR hier als eine etwas andere Band – wer nur eine 1:1-Fortsetzung der Alben von vor 20 Jahren erwartet, könnte überfordert sein. Für alle anderen: interessantes Terrain.

Anzeige