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NEUNTAGE

Soldier (GDR Underground Tapes)

NEUNTAGE wurden 1986 in der DDR gegründet und waren Teil der Ost-Berliner Punk-Szene. Die Mitglieder waren in Projekten wie MEDUSA BRAHMA aktiv, konnten sich dann aber mit einer Art von „German Wut Wave“, Dark und Coldwave in der Prägung von Bands wie CABARET VOLTAIRE, GIRLS UNDER GLASS, ALSO und ULTRAVOX (in der John Foxx-Ära) anfreunden. Sänger, elektronischer Amplitudenapostel und Großmodulator Taymur Streng, der leider 2022 verstarb, war in Songs wie „Alone“ nahe bei der Stimmlage von Rodney Orpheus (CASSANDRA COMPLEX) oder Sal Solo (CLASSIX NOUVEAUX). NEUNTAGE hatten zu Recht den Ruf als der kälteste Stern am tiefhängenden Synthie-Himmel über Ost-Berlin. Man kennt in dieser Hinsicht wenige Bands aus der DDR. Punk war der Ursprung, dunkle Synthies der Weg und das Ziel. Der Song „Soldier“ hätte die B-Seite von „Moscow Idaho“ (1985) von CASSANDRA COMPLEX sein können. „Golden hair“ ist eine dystopische Leichenschau im Gewand von FRONTLINE ASSEMBLY, FRONT 242 und dem frühen Gary Numan. Konzeptionell war die Band in der DDR ihrer Zeit weit voraus. Sie bedienten sich der Texte von James Joyce oder Dylan Thomas und schauten in der Auslage von Robert Smith vorbei, bei Coversongs wie „Hanging garden“ (THE CURE, 1982) und „Secrets“. Man muss fast davon ausgehen, dass die Band ein Jahr vor der Produktion dieser Songs beim einzigen DDR-Konzert von DEPECHE MODE in der Werner-Seelenbinder-Halle in Ost-Berlin dabei war. Ein Teil ihres Equipments basierte auf Schaltplänen aus der Zeitschrift Funkamateur des Militärverlags der DDR. Das Heimstudio von Taymur Streng war sein Lebensraum: ein Schaltkreis, ein Maschinenpark aus gelöteten Geräten und – so die Überlieferung – eine wahre Keyboard-Orgie. „Soldier“ kursierte in einer Auflage von weniger als 50 Exemplaren auf Kassetten, die die Band bei Vietnamesen gekauft hatte. NEUNTAGE spielten mit DIE VISION und AG GEIGE. Ein absolut außergewöhnliches Album.

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