
Ähnlich wie Ovidio G. Assonitis’ „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“ muss ich „Octaman – Die Bestie aus der Tiefe“ von Harry Essex Anfang der 1980er in der Sonntagsmatinee eines Essener Programmkinos gesehen haben. Während „Der Polyp“ natürlich ein Rip-Off von Spielbergs „Der weiße Hai“ ist, erinnert „Octaman“ stark an Jack Arnolds „Der Schrecken vom Amazonas“, dessen Story wiederum bei „King Kong und die weiße Frau“ abgekupfert war. Wenn man so will, verbindet „Der Polyp“ und „Octaman“, dass Kraken als Grundlage für zwei spekulative Monsterfilme dienten, an denen die Kritiker damals kein gutes Haar ließen. Und es verwundert kaum, dass sich schon Oliver Kalkofe und Peter Rütten bei SchleFaZ am Octaman abgearbeitet haben. Dennoch habe ich eine Schwäche für beide Werke, wobei „Octaman“ ganz nüchtern betrachtet ein wirklich dilettantischer Vertreter des Monster-Films ist. Die gesamte Filmografie von Essex hat wenig zu bieten, sieht man mal von seiner Mickey Spillane-Adaption „Der Richter bin ich“ aus dem Jahr 1953 ab. Allerdings war Essex der Drehbuchautor der beiden Arnold-Filme „Gefahr aus dem Weltall“ und „Der Schrecken vom Amazonas“, was auch die Ähnlichkeit von „Octaman“ zu Arnolds Kiemenmenschen erklärt. Verantwortlich für den Octaman, der nur in einem albernen Ganzkörperkostüm aus Gummi steckte, war die spätere Maskenbildner-Legende Rick Baker, der bereits hier ohne großes Budget seinen Fantasiereichtum unter Beweis stellte. Nach der letztjährigen Mediabook-Veröffentlichung erschien jetzt auch eine Blu-ray-Amaray-Edition des Films, die ein unterhaltsames 25-minütiges Featurette mit Baker enthält. Ich hatte nach wie vor viel Spaß mit „Octaman“, der auch durch die handwerklich sehr gute deutsche Kinosynchro aufgewertet wird – aber sagt mir nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Thomas Kerpen