Foto

OPERATION „KLEINER BRUDER“

Es mag ein böses Klischee sein, aber es heißt nicht grundlos, dass sich die italienische Filmindustrie vor allem gut darauf versteht, erfolgreiche ausländische Filme zu kopieren. Und so entstanden in Italien, allerdings auch in Spanien und Frankreich, viele sogenannte Eurospy-Filme. Denn der Erfolg des ersten Bond-Films „Dr. No“ von 1962 rief viele Nachahmer auf den Plan, die die Bond-Reihe entweder billig imitierten oder gleich parodierten. Ein besonders skurriles Beispiel ist „Operation ‚Kleiner Bruder‘“, der nach seinem deutschen Kinostart 1968 jetzt das erste Mal auf DVD und Blu-ray erschien. Der deutsche Titel ist an den amerikanischen, „Operation Kid Brother“, angelehnt, beim Originaltitel „O.K. Connery“ wird deutlicher, worin der besondere Clou von Alberto De Martinos Film liegt. Denn die Hauptrolle übernahm Sean Connerys jüngerer, ebenfalls 2021 verstorbener Bruder Neil, der allerdings nur in zwei Filmen mitspielte, ansonsten bestritt er seinen Lebensunterhalt als Stuckateur (im Film ist er Schönheitschirurg und wird eher widerwillig zum Bond-Ersatz). Mit dem echten Bond konnte man hier also nicht aufwarten, dafür aber mit Adolfo Celi, der 1965 in „Feuerball“ den Bösewicht spielte, und Anthony Dawson, dem Blofeld aus „Liebesgrüße aus Moskau“ und auch schon in „Dr. No“ in einer anderen Rolle dabei. Neben Daniela Bianchi, Bonds „Love Interest“ in „Liebesgrüße aus Moskau“ und sogar noch Bernard Lee (M) und Lois Maxwell (Moneypenny) – und alle nicht nur in unbedeutenden Nebenrollen. Bei so viel Bond-Power verwundert es, dass „Operation ‚Kleiner Bruder‘“ trotz einer durchaus aufwendigen Produktion und rasanten Actionszenen ein eher formelhaftes und wirres Vergnügen bleibt. De Martinos Film funktioniert auch nicht so richtig als Parodie, besitzt aber dennoch reichlich vergnügliche Schauwerte.

Anzeige