Viele abendfüllende Filme hat Douglas Trumbull in seiner Karriere nicht gedreht, nur 1972 „Lautlos im Weltraum“ („Silent Running“) und elf Jahre später „Projekt Brainstorm“ („Brainstorm“), die beide an der Kinokasse ein Flop waren. „Lautlos im Weltraum“ wurde erst später zum Kultfilm, dessen Ökobotschaft heutzutage möglicherweise etwas naiv erscheint, aber die bedeutsamen moralischen Fragen dabei beschäftigen uns heute umso mehr. Gleichzeitig zeigte „Lautlos im Weltraum“ mit seinen mit Kuppeln besetzten Raumschiffen, die majestätisch durch den Weltraum gleiten, die eigentliche Kernkompetenz Trumbulls, eines Spezialisten für Spezialeffekte, der 1968 für Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ gearbeitet hatte, danach dann für „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ oder „Blade Runner“. Trumbulls Science-Fiction-Thriller „Projekt Brainstorm“, der jetzt das erste Mal auf Blu-ray erschien (im Mediabook), zeichnete sich aber nicht durch aufwändige futuristische Spezialeffekte aus, sondern eher durch seine grundsätzlichen Ideen (die sich später bei Kathryn Bigelows „Strange Days“ wiederfinden lassen) und visuelle Besonderheiten, die immer noch etwas verwirrend wirken. Denn die Virtual-Reality-Sequenzen erscheinen auf dem Bildschirm im speziellen Breitwandformat Super Panavision 70, während die Realszenen im Windowbox-Format zu sehen sind, umgeben mit schwarzen Balken. Christopher Walken und Louise Fletcher spielen darin die Köpfe eines Forschungsteams, die Sinneserfahrungen (bis hin zum Tod) und emotionale Empfindungen einer Person aufzeichnen und erneut wiedergeben wollen, was natürlich auch für militärische Zwecke von Interesse ist. Trumbulls Film ist dabei sicher mehr „thought-provoking“ als im herkömmlichen Sinne spannend, gehört aber zu den originelleren Verarbeitungen von virtueller Realität.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Thomas Kerpen