
Hätte der Pressetext behauptet, man könne ein Dutzend unterschiedlicher Stimmen hören und nicht nur die von Otto Horváth (mit Ausnahme der Gastsängerin Teresa Riemann), dann hätte es eine Mehrheit wohl geglaubt. Der beigefügte Text verzichtet auf jegliche Übertreibung, wenn er Horváth als „Stimm- und Noiseakrobat“ ausweist. Instrumentale Unterstützung erfahren er und Daniel Schatz an den Electronics nur vereinzelt von einem Pianisten und einem Kontrabassisten. Es ist unerheblich, wie viele verschiedene Sprachen auf „II“ verwendet werden, denn die Stimme fungiert hier als Werkzeug. Sie ist nicht dazu da, Informationen zu übermitteln, denn dafür ist alles zu undeutlich intoniert, sondern sie zielt tiefer, mehr ins Emotionale oder ins Primitive. Das österreichische Duo PULVERIN jagt in bestechender Rhythmik und bebender Soundtextur Horváths Stimme hinterher. Es hat den Anschein, als ob das Getriebensein ein Hauptmotiv der musikalischen Ausgestaltung ist. Die stilistische Einordnung ist ebenfalls nicht einfach, aber die widerständigen Beats verstecken sich unter einer unförmigen und schweren Schicht aus Noise, Punk und Jazz sowie einer ausdrucksstarken Stimme, die den inhaltlichen Gehalt variantenreich verbirgt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Henrik Beeke