
Ist das das Ende einer Ära? Das in Frankfurt und Oakland ansässige Label schreibt über das neue Album der Anfang der 1980er in Leeds, UK gegründeten Post-Punk-Legende: „... what is expected to be the last ever RED LORRY YELLOW LORRY album“. 1981 hatten sie sich gegründet, waren Zeitgenossen von THE SISTERS OF MERCY und THE MARCH VIOLETS, 1991 lösten sie sich auf und sind nun seit 2003 wieder aktiv, unter Führung von Gitarrist und Songwriter (und nun auch Sänger) Chris Reed. 2024 gab es als Vorbote des Albums die erste neue Musik seit 20 Jahren in Form von „Driving black“, auch hier enthalten. Davor war das 1992er Abschiedsalbum „Blasting Off“ der letzte Release gewesen, Reed hatte in den 2000ern dann Solo-Releases. Es ist immer schwer, mit einem solchen Erbe unter dem alten Namen wieder auf den Plan zu treten, die Erwartungen sind immens ... und werden von „Strange Kind Of Paradise“ nicht eingelöst, wenn man die Klassikeralben „Talk About The Weather“ (1985) und „Paint Your Wagon“ (1986) im Hinterkopf hat. So düster und drängend ist hier ansatzweise nur „Driving black“, wer darauf hofft, Reed und Band würden sich in einem Anfall von Nostalgie selbst covern, hofft umsonst. „Strange Kind Of Paradise“ ist ein „typisches“ Spätwerk, ein solides, gefälliges Rock-Album, das ahnen lässt, welche Bands in der musikalischen Sozialisation von Reed in den 1970ern eine Rolle spielten: „Walking on air“ verweist auf den Prä-Punk-Glamrock, und „Chicken feed“ zitiert auf verwirrend unsubtile Weise „Born to be wild“. Wer am Spätwerk von THE CHURCH und ECHO & THE BUNNYMEN Gefallen findet, der wird auch Reeds Schaffen hier mögen. Es ist ein gelungenes, über weite Strecken melancholisches Album – nur eben keines, das einlösen will, was der altbekannte Name verspricht.
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