
Beim Australier Russell Mulcahy hat man oft das Gefühl, dass er in seiner Karriere nur einen guten Film gedreht hat. Und zwar 1986 „Highlander“, sieht man mal von seinem ganz ordentlichen Debüt „Razorback“ von 1984 ab, ein „Der weiße Hai“-Rip-Off mit einem wildgewordenen Riesenwildschwein. Während sein Landsmann George Miller mit seiner „Mad Max“-Filmreihe zumindest ein erfolgreiches Franchise aufbauen konnte, scheiterte Mulcahy schon daran, 1991 eine vernünftige „Highlander“-Fortsetzung zu drehen, an „Highlander III“ war er dann gar nicht mehr beteiligt. Im selben Jahr wie „Highlander II“ entstand auch „Ricochet“, bei dem schon mal amüsant ist, dass Mulcahy bei einer Gefängnisszene mit John Lithgow einen Schwertkampf aus „Highlander“ kopiert – eine seltsame Form von Selbstironie. Lithgow spielt in „Ricochet“ auf seine gewohnt weirde Art (siehe auch „Dexter“ oder „Cliffhanger“) den psychopathischen Drogendealer Earl Talbott Blake, der sich an einem Polizisten rächen will, der ihn damals in den Knast gebracht hatte und anschließend als Staatsanwalt die Karriereleiter hochgeklettert war. Der rachsüchtige Blake kann dann aus dem Gefängnis flüchten und setzt in Folge alles daran, das Leben des von Denzel Washington gespielten Nick Styles zu vernichten. Es ist schon erstaunlich, dass ein Film mit einem Oscarpreisträger so lange Probleme mit dem deutschen Jugendschutz hatte, aber erst jetzt erschien der lange indizierte „Ricochet“ das erste Mal ungeschnitten und vor allem in guter Qualität. Natürlich wieder nur im Mediabook mit dem Film auf Blu-ray und DVD. Letztendlich handelt es sich hier nur um eine wenig subtile, um plakative Brutalität bemühte, aber gerade deswegen ziemlich unterhaltsame Kopie von J. Lee Thompsons „Ein Köder für die Bestie“ von 1962, den Martin Scorsese ebenfalls 1991 als „Kap der Angst“ neuverfilmte.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Thomas Kerpen