
Die Aufarbeitung des Punk in der DDR hat erst spät begonnen. Im Focus standen zunächst vor allem die männlichen Protagonisten. Einzelne Punks wie Otze von SCHLEIMKEIM wurden als Prototypen des klassischen DDR-Punk porträtiert und auch verklärt. Doch Punk in der DDR war nicht nur eine reine „Jungensache“. Viele Frauen waren in der Punk-Szene aktiv und damit auch allen möglichen Repressalien ausgesetzt. 36 Jahre nach dem Fall der Mauer wird mit diesem Buch begonnen, den recht einseitigen Blickwinkel auf DDR-Punk auch auf die Frauen in der Szene auszuweiten. In Interviews, Tagebuchauszügen und eigenen Beiträgen berichten 23 Frauen von ihren Erfahrungen mit dem DDR-Regime und auch von ihrem Widerstand gegen das System. Die Einblicke sind bitter, teilweise auch verstörend. Es gibt die Berichte über körperliche Gewalt, die Folter gleichkommt, geschlechtsspezifische und sexuelle Übergriffe, Erlebnisse in den sogenannten Tripperburgen und die Androhung der Staatssicherheit, den Frauen ihre Babys wegzunehmen. Auf der anderen Seite stehen der Mut und der unbedingte Freiheitswille der Interviewten, sich nicht unterzuordnen und auch nicht brechen zu lassen. Dazu gibt es noch zwei „Vorwörter“, eins von Nina Hagen, die Ende 1976 die DDR in Richtung Westen verließ, und eins von Annette Benjamin von HANS-A-PLAST, die für viele Frauen eine Art Vorbild war. Abgerundet wird das Buch von zahlreichen Fotos, die die Punk-Szene in der DDR illustrieren. Der Autor betrachtet „Tanz auf dem Vulkan. Widerständige Frauen in der DDR“ nur als Anfang und hat die Hoffnung, dass es nicht die letzte Veröffentlichung über Frauen im DDR-Punk sein wird.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Triebi Instabil