Kurz nach dem Kinostart der Neuverfilmung von „The Crow“ wurde auch der Originalfilm neu aufgelegt und bekam ein 4K UHD-Release spendiert. Der Kultfilm-Status von Alex Proyas’ Comic-Verfilmung von 1994 basiert vor allem auf ihrem düsteren, Gothic-Kultur aufgreifenden Look, was sich auch im Soundtrack niederschlägt, mit Songs von THE CURE oder NINE INCH NAILS, die JOY DIVISION covern. Hinzu kam der Umstand, dass Hauptdarsteller Brandon Lee, Sohn der Kampfkunst-Ikone Bruce Lee, kurz vor Ende der Dreharbeiten mit nur 28 Jahren durch einen tragischen Unfall sein Leben verlor – sein berühmter Vater wurde nur vier Jahre älter. Letztendlich ist „The Crow“ nur eine banale Rachegeschichte mit übersinnlichem Touch, in der der ermordete Rockmusiker Eric Draven mit Hilfe einer geheimnisvollen Krähe wiederaufersteht, um sich an seinen Mördern und denen seiner Freundin zu rächen, basierend auf der brutalen, aber dilettantisch gezeichneten Comic-Vorlage von James O’Barr. Die Neuverfilmung von Rupert Sanders, der 2017 eine unbefriedigende Realfilmumsetzung des Mangas „Ghost In The Shell“ drehte, war wohl der meistgehasste Film des letzten Jahres. Zugegeben, der von irgendwelchem Cloud Rap oder ähnlichem grausamen Mist unterlegte Trailer ließ nichts Gutes erwarten. Dieses Bashing entbehrte jedoch jeder Grundlage. Sanders erlaubte sich dabei einige Änderungen und machte aus Eric und seiner Freundin ein kriminelles Junkie-Pärchen, das Opfer eines mit dem Satan im Bunde stehenden Geschäftsmanns wird, was zum blutigen Rachefeldzug des wiederbelebten Eric führt. Interessant an der Neuverfilmung ist, dass Sanders die Fantasy-Elemente der düsteren und mythischen Liebesgeschichte stärker ausschmückt und zu erklären versucht, was den von Bill Skarsgård („Es“) überzeugend gespielten untoten Rächer überhaupt ins Leben zurückgebracht hat.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Thomas Kerpen