
Es gibt Alben, über die man sich mehr aufgrund ihrer außergewöhnlichen Aufnahmebedingungen unterhält als wegen ihrer musikalischen Qualität. Obwohl es wirklich nicht übel ist, ist das Debüt „Tükor“ von TÖRZS so eins. Denn es ist vor sechs Jahren in einem 500 Meter tief gelegenen Höhlensystem aufgenommen worden. Ein derart authentisch klingendes, natürliches Echo bekommt man in keinem Studio der Welt hin. Nichts deutet darauf hin, dass Kanarienvögel zu Schaden gekommen sind. Das ungarische Trio hat ebenfalls genug Luft bekommen, denn auch „Menedék“ trumpft mit instrumentaler, hymnischer Musik der erhebenden Art auf. Es gelingt ihnen, keine Längen entstehen zu lassen, obwohl es viele stilistisch ähnliche Bands gibt, deren Sound dynamischer ist und die die Aufmerksamkeit explosiver auf sich ziehen. Durch die relative Langsamkeit ist die Band genötigt, noch sorgsamer zu komponieren. Folglich pendeln sich weder „Menedék“ noch „Tükör“ im trägen Niemandsland des Midtempo aus. Auf beiden Alben versammeln sich zeitlose Post-Rock-Lieder mit dem Ziel, „atemberaubenden, musikalischen Eskapismus zu erschaffen“. Und gute Lieder bleiben bei egal welchen Aufnahmebedingungen gut. Und das bedeutet für „Menedék“ nur, dass es nicht in einem UNESCO-Weltkulturerbe unter Tage aufgenommen wurde.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Henrik Beeke
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #148 Februar/März 2020 und Simon Nagy