
Ob Tapes im subkulturellen Kontext seit ein paar Jahren ein Revival erleben oder ob sie als Medium nie richtig weg waren – darüber lässt sich nächtelang diskutieren. Was allerdings zu beobachten ist: Im Ox tauchen wieder vermehrt Tape-Rezensionen auf. Bands und Labels ziehen also Kassetten als Option für Veröffentlichungen wieder öfter in Betracht. Tapes haben neben dem hübschen Retro- und Gadget-Effekt einige Vorteile als Releaseformat: Du kannst kleinste Auflagen herstellen, die technische Vorbereitung ist einfacher als bei Vinyl oder CDs, du stürzt dich damit nicht in den finanziellen Ruin und sie nehmen – anders als Kisten voller LPs, die keine:r kaufen will – wenig Lagerplatz ein. Benjamin Duester war selber Teil der Berliner Tapeszene und hat dort ein Kassettenlabel namens Gravity’s Rainbow betrieben. Der Kultursoziologe kennt sich also mit der Materie aus und legt nun eine umfangreiche wissenschaftliche Arbeit zum Thema Tapes als Tonträger in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts vor. Dafür hat Duester Forschungsinterviews geführt, wobei er sich auf Nordamerika, Australien und Japan fokussierte – Teile der Welt, in denen Tapes popkulturell immer um einiges präsenter waren als hierzulande. „Tomorrow on Cassette“ ist ein unglaublich spannendes Buch, dessen Informationsfülle erst mal bewältigt werden muss. Da es sich hierbei um eine wissenschaftliche Veröffentlichung handelt, ist der Stil der englischsprachigen Ausgabe recht hochschwellig – ebenso wie der Preis. Ob sich die Anschaffung trotzdem lohnt oder der Bibliotheksausweis für dieses Buch reaktiviert werden sollte, muss jede:r Tapeliebhaber:in selbst entscheiden.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Gary Flanell