
Zum vierzigsten Release-Jubiläum des siebten ULTRAVOX-Albums kommt dieses in einer extrem aufwändigen Deluxe-Version, bestehend aus sieben CDs und einer DVD – wohl darauf setzend, dass deren Publikum mittlerweile so alt ist, dass es noch dankbar solche opulenten Paket-Releases kauft ... Die Ausstattung, Verarbeitung und drucktechnische Umsetzung taugt als Referenzobjekt, was man aktuell so produzieren kann, haptisch und optisch ist das eine echte Pracht. Wie man zum Album selbst steht, ist eine Frage der Sozialisation. Ich stieß einst Anfang der 1980er auf die britische Band, „Vienna“ (vom von Conny Plank produzierten gleichnamigen vierten Album von 1980) und „Hymn“ (vom sechsten Album „Quartet“ von 1982, produziert von George Martin) elektrisierten damals, wenn sie im Radio liefen. 1984 folgte „Lament“, und hatte man sich bis dahin als fast schon „undergroundig“ fühlen können mit seiner ULTRAVOX-Verehrung, konnte man ahnen, dass 1984 mit „Dancing with tears in my eyes“ der Weg Richtung Pop-Mainstream beschritten worden war. Das Düstere, Dunkle war noch mehr Opulenz gewichen, „White China“ verwirrte mit seltsamer Rhythmik, allein „One small day“ hielt die Verbindung zur Vergangenheit. Ich war mit „Lament“ also raus und fand in der 9,90 DM-Ramschkiste damals die zum Schnäppchenpreis rausgehauene zweite Platte „Ha!-Ha!-Ha!“ von 1977, die noch mit dem ersten Sänger John Foxx entstanden war (Midge Ure ersetzte ihn später) und eindeutig besser zur immer punkiger werdenden Plattensammlung passte. Viele Bands, die man bis dahin geschätzt hatte, wandten sich 1983/84 mehr dem Mainstream zu, oft mit Erfolg, aber ich kann mich auch vierzig Jahre später nicht mit diesem Album versöhnen, das eindeutig zu sehr auf damals beliebtes großes Produktionsbrimborium setzte.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller