Foto

UPRIGHT FORMS

Blurred Wires

Was macht eigentlich Nick Sakes von DAZZLING KILLMEN, der Anfang bis Mitte der 1990er von Chicago aus ihren Beitrag zum Noise- und Mathrock-Kanon leistete, dabei mit Steve Albini arbeitete und auf dem ebenfalls aus Chicago stammenden Skin Graft-Label veröffentlichte? Er machte danach mit COLOSSAMITE weiter, dann mit XADDAX, schließlich mit SICBAY, und war dabei für diverseste sperrige Genre-Experimente offen, die das Label zwischen „belligerent and/or bizarre“ verortet. Dieser Nick Sakes steckt aber auch hinter UPRIGHT FORMS, und wer nun die rostige Stacheldrahtmusik von DAZZLING KILLMEN im Hinterkopf hat, könnte falscher nicht liegen. Ist es Altersmilde, ist es eine weitere Facette im bunten Genrereigen, der aus dem Kopf von Gitarrist und Sänger Sakes sprießt? Jedenfalls offenbaren sich UPRIGHT FORMS, 2021 in Minneapolis gegründet und dort ansässig, als erstaunlich melodiöse, eingängige Indierock-Band, die man so Mitte der 1990er auch auf Touch & Go oder Dischord erwartet hätte. JAWBOX, GRAY MATTER, LUNGFISH, FUGAZI, EFFIGIES kommen mir in den Sinn, immer ist da so ein gewisser melancholischer Unterton, doch anstatt – davon gab es zu jener Zeit mehr als genug Bands – beliebig rumzuklimpern, haben Sakes und seine Mitmusiker Noah Paster (bs) und Shaun Westphal (dr) einen bissigen, dreckigen Punch, präsentieren sie ihre packenden Songs schön bissig, können, siehe „Animositine“, sogar fast schon Ballade. Ein schön unspektakuläres Album.

Anzeige