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PRISON

Upstate

PRISON – der Name klingt nach Hair Metal der Achtziger Jahre. Tatsächlich gab es schon einige PRISON, keine davon hat aber großartige musikhistorische Bedeutung erlangt, darunter auch eine amerikanische Hardcore-Band der Neunziger, die es aber auch nur auf ein Album brachte. „Upstate“ ist das Debüt eines Quintett aus Queens mit gleich drei Gitarristen/Sängern und einem bereits verstorbenen prominenten Ex-Mitglied namens Sam Jayne. Jayne starb 2020 und war Frontmann der Sub Pop-Band LOVE AS LAUGHTER aus Olympia, Washington, zuvor war er bei LYNC, die ein Album auf K Records veröffentlichten. Bassist Mike Fellows hat ebenfalls schon ein bisschen was vorzuweisen und war Mitglied der einflussreichen Post-Hardcore-Band RITES OF SPRING aus Washington, D.C. Gitarrist Paul Major spielt ansonsten bei der New Yorker Stone-Blues-Jam-Band ENDLESS BOOGIE, deren Sound nicht weit von PRISON entfernt ist. Allerdings neigen PRISON bei ihrer ausufernden Jam-Session zu einer Rock-Dekonstruktion, die einerseits an gewisse Krautrock-Bands erinnert, andererseits an den chaotischen Sound von PUSSY GALORE oder ROYAL TRUX, aber auch extrem zugedröhnte MC5 wären hier ein passender Vergleich. Über vier Plattenseiten verteilt gibt es hier fünf epische Nummern (drei über zwanzig Minuten), aber um konventionelles Songwriting geht es hier eh nicht, sondern um möglichst verdichteten, rohen Sound, der einen ab einem bestimmten Punkt mit auf die Reise nimmt oder eher etwas verstört zurücklässt. Die Konsequenz von PRISON ist auf jeden Fall bewundernswert, manchmal fehlt den Songs aber ein echtes Ziel, da ziehe ich doch die Labelmates BIRDS OF MAYA vor, deren brachialer Noiserock fokussierter und weniger hippiesk ist.