
„Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht“, die komplette umgangssprachliche Auslegung des Nietzsche/Zarathustra-Zitats hat es dann doch nicht auf den Titel dieses im Frankreich des Jahres 2000 angesiedelten Krimis geschafft. Stellt sich die Frage, warum der recht neutrale französische Titel „Assassine“ („Mörder“) gerade damit übersetzt wurde? Hat vermutlich mit dem Gendern in der deutschen Sprache zu tun. Auf jeden Fall wirft das von Beginn an ein recht negatives Licht auf einige Personen und Handlungszweige. Rein atmosphärisch und handlungstechnisch hätte der von Patrick Delperdange erdachte und von André Taymans düster koloriert in Szene gesetzte Band auch in den 1950ern spielen können, gäbe es nicht hier und da Datumsangaben. Darüber, ob das vermittelte Frauenbild auch aus dieser Zeit stammt, lässt sich streiten. Bei genauerer Betrachtung kommen aber beide Geschlechter, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, ziemlich schlecht weg. Einige überraschende Wendungen machen die Lektüre unabhängig davon zu einer kurzweiligen Angelegenheit.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Anke Kalau