
Wer den dunklen und fatalistischen Eskapismen von WOVEN HAND, 16 HORSEPOWER und Mark Lanegan zugetan ist, der wird schwer an WESTERN GRIP aus Columbia vorbeikommen. Das ist Americana und Doom Country in Reinkultur. Es steht die Vermutung im Raum, dass Jeffrey Lee Pierce diese Band geliebt hätte. Songs wie „In the dark“, das in der Tat dark ist, und „Stick and poke“ hätten aus dem frühen Werk von THE GUN CLUB stammen können und auf „The Las Vegas Story“ (1984) gepasst. Dem Album sind vergilbte und ausgerissene Buchseiten mit amerikanischer Literatur beigefügt, um die Authentizität zu erhöhen. Der Titelsong „Follow your nightmares“ ist eine epochale Nummer in Sachen Blues-beladenem Americana, wie ein Requiem für eine zerfallende Gesellschaft, so tief und schleppend, dass es einen an die Wand drückt. Die Songs besitzen eine fühlbare erzählerische Tiefe. „Back pills“ entstand aus im Wartezimmer einer Notaufnahme gesammelten Zitaten. Noch Fragen? Emotionale Traumata bekommen einen würdigen Glanz. Mit einer 40 Jahre alten analogen Drum-Maschine als Herzstück entsteht ein Sound, der atmosphärisch direkt in die Magengrube geht. WESTERN GRIP ist mit „Follow Your Nightmares“ ein Epos gelungen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #186 Juni/Juli 2026 und Markus Kolodziej