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MOTORPSYCHO

Yay!

In letzter Zeit hatte ich ja meine helle Freude an der vertrackten und komplexen Aneignung von Prog- und Seventies-Rock durch die altgedienten Norweger, deren hohe musikalische Virtuosität gepaart mit stilistischer Unberechenbarkeit in dieser Hinsicht nur wenige Bands erreichen. Mit „Yay!“ haben sie jetzt allerdings ein etwas irritierendes Album aufgenommen, denn die Verstärker hat man zu Hause gelassen (mit wenigen Ausnahmen wie „Hotel Daedalus“, mit dem sie sich für den nächsten James Bond-Film empfehlen) und sich stattdessen mit Akustikgitarren und Bongos auf einer Picknickdecke an einem schön sonnigen Tag auf einer Blumenwiese gesetzt, um den innern Hippie in sich rauszulassen. Mehr Flower-Power hatten die Norweger bisher noch nicht im Programm. Wenn der Titel „Yay!“ im Sinne von „Freude, Zustimmung oder Erregung ausdrücken“ zu verstehen ist, dann fällt meine Reaktion diesmal etwas reservierter aus. Ist das jetzt genial oder doch eher etwas cheesy? Wie bei allem, was MOTORPSYCHO anpacken, ist auch hier das musikalische Niveau extrem hoch, dennoch ist es gewöhnungsbedürftig, wenn sich die Norweger überwiegend als leicht verstrahlte naturverbundene Blumenkinder präsentieren. Wahrscheinlich muss man die Platte einfach noch zehnmal hören, um in dieser Hinsicht zu einem befriedigenden abschließenden Urteil zu kommen.