
Nun ja, Verlage und ihre Kreativität beim Ausdenken von Untertiteln ... Man könnte meinen, Miland „Mille“ Petrozza, Mitgründer, Frontmann und Gitarrist der Essener Thrash-Metal-Legende KREATOR, sei einst einer jener Metal-Musiker gewesen, die das Musikmachen vor einem Leben im Elend bewahrt oder sie später vor dem Totalabsturz gerettet hat – es war aber sicher die Langeweile in einem öden Bürojob, die ihm so erspart blieb. In seiner in Zusammenarbeit mit dem Musikjournalisten Torsten Groß entstandenen und höchst lesenswerten Autobiografie erinnert Mille sich detailliert an seine Kindheit und Jugend in einer erstaunlich musikaffinen italienisch-deutschen Arbeiterfamilie, beschreibt anschaulich, wie Rock und Metal zum Erweckungserlebnis in der frühen Jugend wurden – und wie unvorbereitet ihn und seine Bandkollegen ab Mitte der 1980er der bald schon weltweite Erfolg traf. Und ja, in gewisser Weise war der eine Rettung vor der Drogenkarriere so mancher Jugendfreunde in den tristen 1980ern und frühen 1990ern, wobei Mille durchaus auch seine Erfahrung mit Hasch und LSD machte. Mille nimmt einen mit in die Metal-Szene des Ruhrgebiets jener Jahre, beschreibt detailreich die Faszination der internationalen Thrash Metal-Szene mit ihren Verästelungen in Punk und Hardcore, gibt Einblicke in das, was ihn geprägt hat, etwa Horrorfilme. Und berichtet, wie die Band zu seinem Lebensmittelpunkt wurde, was sie bis heute ist. Dass das Buch Anfang der 1990er endet, dass es noch was zu drei weiteren Jahrzehnten zu erzählen gäbe, stört nicht weiter, denn es erspart einem das Abklappern von Albumroutinen und konzentriert die über 300 kurzweiligen Seiten auf jene Jahre, die KREATOR (und ihn!) maßgeblich formten.