
„Ich habe mich viel mit der Münchner Ausstellung ‚Entartete Kunst‘ [NS-Propagandaschau 1937] beschäftigt. Da wurden Kunstwerke buchstäblich zu Feindbildern gemacht. Darin sehe ich eine Parallele zu meinen eigenen Erfahrungen. Deshalb wollte ich die Geschichte eines der Bilder aus dieser Ausstellung erzählen, die unfreiwillig zur beeindruckendsten Zusammenstellung von Malerei des 20. Jahrhunderts geworden ist.“ Damit bringt Luz seine Motivation hinter „Zwei weibliche Halbakte“ auf den Punkt und spielt auf seine Erfahrung als Redaktionsmitglied der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo ab 1992 an, deren Interims-Chefredakteur er nach den Anschlägen 2015 kurzzeitig war. Den islamistischen Terror überlebte er nur, weil er die Redaktionssitzung an diesem Tag – seinem Geburtstag – verschlafen hatte, dass Kunst Hass und Gewalt auslösen kann, musste er also persönlich erfahren. Der deutsche Expressionist und Schöpfer des hier porträtierten Bilds, Otto Mueller, hingegen blieb von dieser extremen Form der Ablehnung verschont, er verstarb 1930, also noch vor Beginn der Naziherrschaft. Luz greift daher zu dem Kniff, ein Stück deutsche (Kunst-)Geschichte aus der Sicht des 1919 von Mueller gemalten „Zwei weibliche Halbakte“ zu erzählen. Von der Zeit seiner Entstehung bis zu seinem Rückkauf durch das Kölner Museum Ludwig 2001 begleitet der Betrachter es oft in ungewöhnlichen Perspektiven. Das immer in leicht karikaturistisch verzerrt gezeichneten Panels dargestellte Eigenleben eines Objekts, das als Sinnbild für Gerechtigkeit, Toleranz, die Freiheit des Denkens und künstlerischen Schaffens dunkle Zeiten überdauert. Ein nachdrückliches Plädoyer gegen Zensur und dogmatischer Vereinnahmung der Kunst.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Anke Kalau