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Interviews & Artikel

EA80

Zum Geburtstag alles Gute

Stell dir vor, du wirst eines Tages völlig unerwartet gefragt, ob du nicht zum 25. Geburtstag einer von dir geschätzten Band ein würdiges Geburtstagsständchen verfassen möchtest. In einem Anfall von maßloser Selbstüberschätzung und Euphorie sagst du selbstverständlich „Ja!“, und hast den Zuschlag. Dann wird es ruhig und ziemlich schnell sehr einsam, eine Grille meldet sich zu Wort und irgendwoher rauscht einer dieser Wüstendornbüsche durch dein Zimmer. Du sitzt vor einem weißen Blatt Papier, hältst einen Stift in der Hand, glaubst fest an dich, der Kopf ist voller Gedanken, aber du siehst nur ein einziges Wort: XXXX!

Was kannst du über diese Band schreiben, die mit ihren 25 Jahren länger existiert als ein Großteil der Leser dieses Heftes, was nicht schon längst gesagt worden wäre? Vielleicht eine kleine Bandhistory, um allwissend zu erscheinen, nur weil du dich an den Namen der Vorläuferband erinnern kannst, nicht aber an den Geburtstag deines besten Freundes? In diesem Zusammenhang kannst du geschickt die unlösbare Verbindung zur Heimatstadt fallen lassen, die seit der ersten Veröffentlichung auf jeder Platte steht und bist nach einer Viertelseite am Ende angelangt. Keine gute Idee, zu banal und nachlesbar.
Dann ein Feature, in dem du versuchen wirst, Parallelen zu anderen Bands aufzuzeigen, Referenzpunkte lieferst, und dann doch nur die Namen aufzählen wirst, die ohnehin keiner lesen will ... Ganz bestimmt nicht, die Gefahr zu scheitern wäre viel zu groß, denn die „anderen“ Bands kennen sowieso nur die wenigsten und „Jxx“ haben wir schon viel zu oft an der falschen Stelle gelesen.

Eine Diskographie, verbunden mit den „wichtigsten Songs“ wäre eine Option, obwohl sich die Band weder auf ein paar wenige Songs noch auf eine exemplarische Platte festlegen lässt, die sie wie andere Bands wieder und wieder kopiert. Eine schlechte Idee also, die du besser gleich wieder vergisst, denn die Veränderungen von Platte zu Platte sind vielleicht klein, aber sie sind vorhanden und spürbar. Die Diskographie als solche ist jederzeit im Internet vollständig nachlesbar, warum also eine bereits einwandfrei gemachte Arbeit wiederholen? Um am Ende der Aufzählung den guten Rat zu geben, dass es für jeden einfacher wäre, wenn er sich eine andere Band herauspickt, deren Komplettwerk er sammeln sollte?! Diese Band komplett? Gib es auf! Letztendlich wirst du mit einer überschaubaren Anzahl von Veröffentlichungen, die in einer eigenen Zeitrechnung erschienen ist, auch keine ganze Seite bestreiten können, schließlich ist ein musikalisches Gesamtwerk, das in 25 Jahren auf etwa neun CDs Platz findet, nicht gerade inflationär.

Eventuell könntest du in diesem Zusammenhang aber einmal erwähnen, wie hoch du es der Band anrechnest, dass sie nach all den Jahren noch immer Singles veröffentlicht, wenn auch nur in geringer Stückzahl. Aber es sind diese wenigen Singles, die ein Hier und Jetzt schaffen, das nur für den Moment, den einen Abend, den einen Ort existiert, danach nie wieder. Nur wäre diese Aussage leider falsch, denn seit es eine internationale Auktionsplattform gibt, werden solche Momente gelegentlich wiederholt, sehr zum Leidwesen derer, die den Augenblick als solchen zu schätzen wissen.

Wenigstens deine persönliche Playlist muss drin vorkommen, oder? Nun, wen interessiert deine persönliche Playlist, die sich so sehr von anderen Playlisten unterscheidet, wie die Setlisten der viel zu seltenen Konzerte?
Dann doch lieber eine Hommage, bei der du auf die Texte eingehen kannst? Die Texte, deren Bedeutung sich dir ohnehin verschließt, weil selbst der Verfasser standhaft bestreitet, sie gänzlich zu verstehen? Nein, nein, in dieses Fettnäpfchen sind schon andere vor dir gesprungen.
Auf die ausschließliche Verwendung der deutschen Sprache einzugehen, wäre eine Falle, in die du nicht hineinlaufen solltest, denn so konsequent inkonsequent zu sein, hat Methode (ohne geplant zu sein). Hier auch noch auf die zahlreichen Nebenprojekte hinzuweisen, in denen sich die Bandmitglieder musikalisch wie fremdsprachlich austoben, wäre billig und nicht angemessen, denn keine der vielen anderen Bands klingt wie ein Ventil, aus dem das herausströmt, für was das enge Korsett der Mutter zu eng geschnürt wäre. Am Ende müsstest du noch einen großen Bogen um das schlimme „D-Wort“ machen, das dich ganz gewiss eine halbe Seite Rechtfertigungen kosten würde. Bleibt die große Frage, wer so etwas lesen will!

Die Bedeutung wäre vielleicht ein guter Ansatz, denn schließlich wird oft genug in Reviews die Verbindung zu dieser Band hergestellt. Kann man eine Band, die sich an keinem einzelnen Song festmachen lässt, denn an ihren Nachahmern, ihren Epigonen messen? Nein, daran sollte sich keine einzige Band messen lassen müssen, ebenso wenig wie an ihren Fans, es sei denn, sie sind das erklärte Zielpublikum. Woran willst du einen für diesen Band „typischen Fan“ auch erkennen? Sie sind weitgehend unsichtbar, denn abgesehen von kleinen selbstgemachten Anstecknadeln gibt es nur wenige äußerliche Hinweise, die Rückschlüsse erlauben würden, der Rest findet im Kopf statt. Auf Lederjacken finden eher andere Namen Platz, Bands, die besser zur globalen Erderwärmung und unangemessener Kleidung passen.
Wenn nicht über die Fans, wie bekommst du dann den Bogen zum szeneübergreifenden Charakter dieser Band hin? Wahrscheinlich gar nicht, denn „szeneübergreifend“ ist das falsche Wort und ehrlich gesagt sogar komplett gelogen. Übergreifend? Sicher! Aber auf welche Szene bezogen denn?
Du könntest den Geburtstag zum Anlass nehmen, dich über eine der zahllosen Definitionen von Punk – im ursprünglichen Sinne – oder über DIY auszulassen. Darüber, wie es möglich ist, seine Platten fast ausschließlich in Eigenregie zu veröffentlichen und den kompletten Backkatalog über Jahrzehnte hinweg verfügbar zu halten, ohne auf lausige Re-Issues, remasterte Versionen mit Bonusmaterial und ähnlichen Schnickschnack zurückgreifen zu müssen. Du könntest über das Für und Wider von Werbefeldzügen, Promotion, zeitgerecht platzierten Titelstorys und marketingstrategisch günstigen Touren referieren, bzw. darüber, wie man auch ohne diesen ganzen Müll existieren kann. Das könntest du, aber willst du das, und welchem Zweck sollte es dienen? Letztendlich wäre es nicht einmal angemessen!

Was bleibt dir noch? Eine Einführungsveranstaltung für Erstsemester, in der du denen, die es noch nicht wissen, mit einfachen Worten erklärst, was nicht zu erklären ist. Ein Artikel, in dem du alles das aufzählst, was diese Band nicht hat, oder besser noch, was sie nicht praktiziert, um „neudeutsch“ nach dem Ausschlussprinzip auch den letzten Deppen davon zu überzeugen, was diese Band für dich bedeutet. Dann musst du auf dem nächsten Konzert neben genau den Leuten stehen, die es ohne deine Hilfe nicht von alleine kapiert haben. Das heißt, auf niedrigstem Niveau alles aufzählen, was es nicht gibt. Keine Poster, kein Merchandise, keine Blinddatestories, keine langweiligen Tourstorys (woher auch), keine inszenierten Skandale, kein Aufhebens um personelle Wechsel, keine Interviewmarathonstrecken zu jeder neuen Veröffentlichung und keine Fototermine. Als Zusatzaufgabe musst du das Ganze dann auch noch so verpacken, dass die gebührende Distanz gewahrt wird! Mal ehrlich, du möchtest dich doch nicht lächerlich machen, oder doch?
Was willst du dann über eine Band schreiben, die sich in einem Alter befindet, in dem andere Bands sich als „dienstälteste Was-auch-immer“ bezeichnen, obwohl sie sich zwischenzeitlich bereits vier- oder fünfmal aufgelöst haben? Wie willst du dich in Würde verneigen, ohne dich zu verbiegen oder auf die Knie zu fallen? Was kannst du einer Band hinzufügen, deren Musik für sich spricht, hinter der die Personen als Individuen bestehen, ohne dass private Details am Gesamtbild etwas verändern würden?

Als letzte Rettung bliebe dir immer noch ein Interview, von denen es nicht viel mehr als reguläre Veröffentlichungen in all den Jahren gibt. Aber welche Fragen würdest du stellen, die nicht schon längst gestellt wurden? Fragen, deren Antworten erstaunlicherweise auch nach Jahren noch immer ihre Gültigkeit haben? Wer bis 20 zählen kann, der findet unter ea80.com das Archiv, in dem fast alle bisherigen Interviews abgelegt sind und kann nachlesen, woher du deine Fragen hast, also vergiss diesen Gedanken ganz schnell wieder! An dieser inoffiziellen Fan-Seite wirst du dich letztendlich auch messen lassen müssen, denn hier ist die komplette Diskographie zu finden, alle Texte, Bilder, Interviews, alle Nebenprojekte und manchmal gibt es auch Termine. Was den Informationsgehalt angeht, kannst du also nur verlieren.
Wahrlich, keine leichte Aufgabe! Eine unkommentierte Zitatsammlung sämtlicher Konzertansagen wäre eine reizvolle Sache, nur hast du ganz sicher nicht jeden Mitschnitt. Streich es also gleich wieder aus deinem Kopf.
Hättest du ein kleines Fanzine, dann könntest du auf die gesamte Seite nur „XXX XXXXX XXXXXXXXX, XXX XXXX“ schreiben und alles wäre gesagt. Aber es ist nicht dein Heft und etwas Gehalt sollte schon sein, weil es sonst irritierte Briefe von denen geben würde, die ihr Heft für einen Fehldruck halten. Das war‘s, was Besseres fällt dir nicht ein? Nichts, womit du eine Seite angemessen füllen könntest? Absolut gar nichts? Dann lass es lieber sein!

Kalle Stille

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #56 (September/Oktober/November 2004)

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