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Interviews & Artikel

GENERATORS

Erst SCHLEPROCK, dann die GENERATORS: Doug Dagger kann auf einige Jahre Banderfahrung zurückblicken, und es ist schon eine halbe Ewigkeit her, seit mich die California-Punkrock-Scheiben seiner alten Band SCHLEPROCK begeisterten. Die erschienen seinerzeit auf Dr. Strange Records - bis auf das letzte Album, mit dem die Formation aus Los Angeles den Fehler begangen hatte, bei einem Major zu unterschreiben. Musikalisch war "(America´s) Dirty Little Secret" zwar eine grandiose Weiter- bzw. wegen mir auch Rückentwicklung, denn der Streetpunk der GENERATORS wurde hiermit bereits vorweggenommen, doch die Platte wurde ein grandioser Flop und ist heute kaum noch zu bekommen. Damit waren SCHLEPROCK dann auch erledigt ...und die GENERATORS entstanden aus ihrer Asche. "Welcome To The End", ihr ´98er Debüt auf Triple X, gehört für mich zu den besten Scheiben des letzten Jahres, und dabei ist es mir völlig egal, dass man den GENERATORS nun wirklich nicht vorwerfen kann, besonders innovativ zu sein. Vor dem Auftritt im Bochumer Zwischenfall, irgendwann im Juni ´99, sprach ich mit Sänger Doug Dagger. Die übrigen GENERATORS sind Miguel Hell (Bass), Mike Snow (Gitarre), Dirty Ernie (Drums) und The Doo (Gitarre).

Bevor wir zu den GENERATORS kommen hätte ich von dir gerne gewusst, was es mit diesem seltsamen Namen SCHLEPROCK auf sich hatte.

Ha, das ist eine Figur aus einem Cartoon! Unser damaliger Bassist hatte eine Band, das war so ´87, und die hiess THE JINX. Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich nicht bei ihnen einsteigen wollte, ich stieg ein und wir änderten den Namen zu SCHLEPROCK. Kennst du die "Flintstones"? Von da hatten wir den Namen. Das ist ein Typ, der ständig Pech hat, und alles was er anfasst geht zu Bruch.

Mit SCHLEPROCK hattet ihr dann Platten auf Dr. Strange...

...ja, wir wurden bekannter, sowohl in Kalifornien wie auch anderswo. Wir spielten damals noch eher das, was man wohl allgemein als "melodic punk" bezeichnet. Wir waren dann in Australien auf Tour, und da bekam ich meine Krise: mir ging dieses ganze Melodic-Zeug völlig auf den Geist, es war so belanglos, das bedeutet nichts. Das war ´95, glaube ich, und "melodic punk" war überall total angesagt. In Australien jedenfalls stiess ich allenthalben auf all die coolen alten Punkplatten von früher, THE BLITZ, COCK SPARRER und so weiter. Ich schlug meinen Bandkollegen vor, unseren Stil in diese Richtung zu ändern. RANCID waren damals noch gar nicht so bekannt, aber wie RANCID sollte die Band nicht klingen. Naja, wir begannen dann also "Old School"-Punkrock zu spielen und brachten "(America´s) Dirty Little Secret" raus, unsere letzte Platte.

Eine klasse Platte, aber leider machte das Label - in Deutschland Warner - keinen Finger für euch krumm. Die schickten die Platte nicht mal an ein paar Fanzines raus.
Ich weiss, ich weiss... Die gaben in den USA für die Produktion zwar richtig viel Geld aus, aber dann war die Platte auch so schnell wieder vom Markt verschwunden wie sie gekommen war. Dabei hatte das so gut angefangen: unser A&R-Mann bei Warner Brothers war ein totaler Fan von altem Punkrock, der kannte alle alten Bands, hatte sie live gesehen und so weiter. Wir dachten, wir seien bei ihm in guten Händen, und bis auf ein paar Meckerer bekamen wir gar nicht so viele negative Reaktionen. Ich sagte zu denen dann immer, dass ich mit 32 immer noch bei meiner Mutter im Haus wohne und froh wäre, endlich genug Geld zu haben um auszuziehen. Letztendlich war diese Platte dann aber der Sargnagel für SCHLEPROCK, die zu diesem Zeitpunkt bereits neun Jahre existierten. Wir waren ständig auf Tour, hingen immer zusammen rum und kamen zum Schluss einfach nicht mehr klar. Wir waren abschliessend noch mit den SPECIALS auf USA-Tour, und danach war dann Schluss: wir spielten unsere letzte Show zusammen mit den ADOLESCENTS irgendwo in Arizona.

Und wie ging´s dann weiter?

Ich hing ein paar Monate nur rum, war ständig besoffen. Dann fingen Ernie, der Drummer, und Eric Elvis an mich zu nerven, ich sollte bloss nicht auf die Idee kommen das Musikmachen aufzugeben. Sie klopften mich weich, wir probten zusammen. Wir nahmen ein Demo auf, und zu der Zeit hatten mich Triple X gefragt, ob ich nicht für sie arbeiten wolle. Ich spielte ihnen daraufhin erstmal unser Demo vor, und am nächsten Tag kam dann der Anruf, dass sie mit uns eine Platte machen wollen. Und natürlich wollten wir, auch wenn es etwas überraschend kam.

Es kam für dich aber nicht in Frage, unter dem Namen SCHLEPROCK weiterzumachen.

No way! Es musste ein neues Projekt sein, ich brauchte das, um mit neuer, frischer, positiver Energie ranzugehen. SCHLEPROCK waren zum Schluss so negativ, da wurde nur noch gestritten, das wäre keine gute Idee gewesen mit diesem Namen weiterzumachen.

Musikalisch ist der Unterschied zwischen dem letzten SCHLEPROCK-Album und dem GENERATORS-Debüt "Welcome To The End" gar nicht so gross.

Stimmt, obwohl bei den GENERATORS der THE JAM-Einfluss sehr viel stärker ist. Und da sind auch noch THE CHORDS, Mod-Musik allgemein, THE WHO, THE KINKS, THE CLASH, THE DAMNED - ach, eben eine Mischung aus ganz vielen Komponenten, aus allem, was wir in diesem Sommer hörten. Es war ein heisser Sommer, wir spielten in der Garage und wir hatten gar keine klare Vorstellung, was wir machen wollten, sondern spielten einfach drauflos, schrieben neue Songs und nahmen sie kurze Zeit später auf.

Seltsamerweise habt ihr damit aber doch den "Zeitgeist" getroffen, denn seit ein, zwei Jahren erfreut sich ´77er-Punkrock oder wegen mir auch Streetpunk wieder sehr grosser Beliebtheit - ich nenne einfach mal Bands wie US BOMBS, OXYMORON oder DROPKICK MURPHYS.

Ja, stimmt, du hast recht, ich sehe das auch so. Das ist ein seltsamer Zufall, und ich sehe durchaus, dass wir ganz gut zu diesen Bands passen. Es ist ein Revival, aber dabei haben wir uns nie bewusst entschlossen, das so und so zu machen. Es ist einfach passiert - und es ist die Musik, die ich mag. Aber ich mag auch andere Musik, gerade alte Soul-Music auf Motown. Und ich versuche, daraus unsere Musik zu machen. Ich meine, wir sind Punks durch und durch, was immer wir an Einflüssen verarbeiten klingt irgendwie "punk", wenn es wieder aus uns rauskommt.

Hast du denn eine Erklärung, wieso anno ´99 die Leute immer noch - oder wieder? - an Musik interessiert sind, die genau so auch vor 20 Jahren schon gespielt wurde?

Ich habe keine wirkliche Erklärung, aber ich denke, es hat etwas damit zu tun, dass die Leute genug von diesem "happy punk" haben. Der ist total ausgebrannt, und die Bands selbst haben das Gefühl, dass sie mit ihrer Musik sowieso nichts bewegen. Ich habe in Los Angeles in den letzten Jahren erlebt, wie die Leute zunehmend unzufriedener wurden. Es gibt eben immer diese Phasen: Anfang der Achtziger war es LA-Hardcore, dann kam ´83 die "english invasion" mit PETER & THE TEST TUBE BABIES und DISCHARGE, bis die Leute ein paar Jahre später anfingen ihre Haare wachsen zu lassen, und so weiter. Nach einer Weile sind die Leute eben von einer Sache gelangweilt und halten Ausschau nach was neuem. Haben sie das gefunden, bewegen sie sich in eine andere Richtung. Und wer weiss, was aus dieser derzeitigen Streetpunk-Welle hervorgehen wird. Vielleicht sind OXYMORON, GENERATORS und DROPKICK MURPHYS in zwanzig Jahren ja die grossen Helden und die Kids schauen zu ihnen genauso zurück wie das heute mit BLITZ oder STIFF LITTLE FINGERS der Fall ist. Und auch dann wird es Leute geben, die sich darüber beklagen und behaupten, sie hätten diese Bands auch schon all die Jahre zuvor gehört und sie nicht wiederentdecken müssen.

Bei dieser Gelegenheit muss man aber auch erwähnen, dass die allermeisten dieser alten Bands, die jetzt noch oder wieder dabei sind, heute ohne Ende saugen.

Oh ja. Ich war bei diesem ersten "Holidays In The Sun"-Festival und es war fast durchweg schrecklich. Und wenn heute STIFF LITTLE FINGERS unterwegs sind, dann begeistert mich das wirklich nicht, im Gegenteil, es ist eine Enttäuschung und es tut mir leid um diese Bands. Ich finde es besser, wenn die Kids sich "lebende" Bands wie die DROPKICK MURPHYS anschauen.

Seid ihr eigentlich die erste Band, die sich den Namen THE GENERATORS ausgesucht hat?

Haha, nein. Anfang der Achtziger gab es wohl in San Francisco eine Band mit diesem Namen, die aber nur ein paar Konzerte spielte und angeblich auch eine Single rausbrachte. Und Bill von Dr. Strange hat erzählt, dass es in England auch eine Band mit diesem Namen gab. Als wir die Band gründeten, machten wir uns natürlich keine Gedanken darüber. Neulich hat jedenfalls so ein Bikertyp aus Nordkalifornien bei Triple X angerufen und was davon gefaselt, dass er eine Bar-Bluesrock-Band mit dem Namen THE GENERATORS habe. Triple X fragten, was er denn wolle, ihre Band habe schon eine Platte raus, was mit seiner sei. Er verneinte das, meinte auch, dass er weiter nichts wolle, und damit war die Sache erledigt. Ausserdem gab es wohl unlängst für kurze Zeit eine kanadische Band, die so hiess.

Du hast eben erwähnt, dass deiner Meinung nach eine Punkband auch was zu sagen haben sollte.

Wenn du dir die Texte der letzten SCHLEPROCK-Platte durchliest, wirst du feststellen, dass ein Teil der Texte sehr politisch ist. Ich war zu dieser Zeit so angepisst, ich hatte einfach das Bedürfnis, meine Meinung zu sagen. Auf "Welcome To The End" sind etwa mit "Freedom" oder "Yankee Boy" durchaus politische Songs, "K.G.B." ist eher ein satirischer Song. Auf unser ganz neuen Platte, der 10" und CD-EP "Ninety-Nine" auf Outcast bzw. Gate To Hell sind die Songs nicht so politisch, das hängt eben immer davon ab, wie ich mich fühle, wenn ich die Texte schreibe. Und Mann, bei dieser Platte habe ich mich nicht besonders gut gefühlt: ich kam von der Tour zurück und alles war fürn Arsch. Ich hatte die letzten Jahre als Stahlarbeiter gearbeitet, war in der Gewerkschaft, und plötzlich war ich den Job los und aus der Gewerkschaft haben sie mich auch rausgeschmissen. Nach acht Jahren war mit meiner Freundin Schluss, und zu allem Überfluss zog dann auch noch ein alter Freund bei mir ein, den ich lange nicht gesehen hatte - und der erwies sich als Junkie... Ich hatte also nicht gerade die besten Gefühle, als ich die Texte für diese Platte schrieb. Aber wer weiss, vielleicht wird die nächste Platte wieder politischer. Und das ist es auch, worum es bei dieser Band geht: wir sind wie wir sind. Und wir kommen untereinander sehr gut klar, gerade auch auf Tour. Darauf kommt´s doch an, denn wenn ich schon Urlaub nehmen muss für eine Tour, dann will ich auch Spass haben.

Wie läuft´s denn für euch so generell?

Ich finde ziemlich gut! Die Shows hier in Deutschland ziehen jedesmal mehr Leute, teilweise sind die Konzerte ausverkauft, die Leute singen die Songs mit, und was will ich mehr? Wir machen was wir wollen, bleiben uns selbst treu und kommen damit bei den Leuten an. Und mal sehen, wo uns das noch hinführt - und wenn wir keinen "Erfolg" haben, haben wir immer noch genug Spass einfach zusammen Musik zu machen. Und vor allem wissen wir, dass die Fans, die wir jetzt haben, uns treu bleiben und nicht bloss Typen sind, die auf einen Trend aufspringen und eine Band gut finden, solange sie bekannt ist. Von daher legen wir gar keinen Wert darauf bei einer "Warped"-Tour oder ähnlichem auf der Nebenbühne verheizt zu werden.

Wann können wir mit einer neuen Platte rechnen? Die Songs des aktuellen Albums sind ja schon zwei Jahre alt.

Wenn wir wieder zuhause sind, werden wir ins Studio gehen, und wenn alles glatt läuft, müsste das neue Album bis Ende des Jahres rauskommen.

Joachim Hiller

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #36 (III 1999)

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