Interviews & Artikel : MUFF POTTER :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

MUFF POTTER

MUFF POTTER gehören zu der Sorte Bands, die nicht immer akut auf Freundesuche sind, sondern ihr eigenes Ding durchziehen. Das kann manchmal zu einigen Streitereien führen, aber genau das macht sie so sympathisch. Nebenbei betreibt das Bandego Nagel noch sein eigenes Label mit dem Namen Huck´s Plattenkiste und bringt das Fanzine Wasted Paper heraus. Ihr neues Album "Schrei wenn du brennst" ist dieser Tage erschienen, und das alles war Grund genug, sich mit Dennis (Gitarre) und Nagel (Gesang, Gitarre, Ego, Chef) in Mülheim/Ruhr zu treffen. Nachdem die beiden den Kult-Imbiss "Erika" besucht hatten, fand man sich zum Interview im legendären "Castor" ein, jenem Auto, das alle Plattenkäufer bestens kennen dürften. Die beiden hatten dann allerhand zu erzählen.

Wer ist wer? Wer spielt was?

Dennis: Ich bin Dennis und das hier ist meine Freundin. (Drückt auf einen Knopf an seiner Uhr und eine Frauenstimme sagt die Zeit an)

Nagel: Ich bin Nagel, ich habe keine Freundin und kann auch nichts vorführen. Ich hatte aber mal `ne Freundin. Ich bin der Chef, vorne der Gesang, vorne die Gitarre, vorne das Ego und vorne alles.

Zum Einstieg eine leichte Frage: Was heisst MUFF POTTER?

Nagel: Das heisst Mösen-Töpfer, das hab' ich aber auch erst im Nachhinein erfahren, als ich in England war. Eigentlich ist es eine Figur von Mark Twain, so ein obdachloser Alki, du kennst doch Tom Sawyer und Huckleberry Finn, dieser mit der geilen Frisur. Der ist wohl ziemlich cool, der ist so ein Aushilfs-Bukowski, deswegen heissen wir so.

Im Oberhausener Druckluft, das ja wegen seiner P.C.-Fanatiker mittlerweile traurigen Ruhm erlangt hat, gab es wohl neulich einen Zwischenfall bei eurem Konzert.

Nagel: Da gibt's mittlerweile tausend verschiedene Versionen, weswegen das war.

Dann erzähl' doch mal die richtige.

Nagel: Also Brami, unser Schlagzeuger, hat da ein Pils bestellt und dann haben die von der Theke den Kronkorken in die Biotonne geworfen. Dann hat der so rumgepöbelt, was das denn sollte mit der Biotonne, und dann hat sich das so hochgeschaukelt. Am Ende sollten wir dann damals die NSDAP gegründet haben und Frauen wollten wir grundsätzlich verbieten und Schwule natürlich erst recht. So hat es sich entwickelt, leicht überspitzt gesagt.

Jetzt habt ihr also Hausverbot wegen der Biotonne?

Nagel: Ja, diese beschissene Biotonne hat uns da quasi rausgeprügelt. Man weiss da ja nicht, ob man Hausverbot hat oder nicht. Die halten es ja nicht mal für nötig einem das mitzuteilen. Dann geht man da friedlich zu einer Fete und will ordentlich abhotten und hat sogar noch eine Perücke auf - und dann erkennen die sogar eine arme MUFF POTTER-Wurst mit Perücke. Wir müssen eigentlich ziemliche Feinde sein.

Es gibt Gerüchte, dass ihr jetzt bundesweit in allen AZs Auftrittsverbot bekommen solltet.

Nagel: Das hätten die wohl gerne, die sind aber gar nicht so korrekt, wie sie gerne wären, sondern es gibt `ne ganze Menge Leute, denen was an diesen Druckluft-Machos nicht passt. Wir haben seit es uns gibt etwa 120 Konzerte in Deutschland gespielt und wir sind einfach geil. Uns finden auch alle gut, bis auf ein paar Läden. So ein paar Druckluft-Spinner werden es nie schaffen ein Auftrittsverbot für MUFF POTTER durchzusetzten, und als die das gesagt haben, haben wir sie erstmal herzhaft ausgelacht und ich kann immer noch weiter lachen.

Ihr wart ja gerade auf Tour, gab's da Ärger wegen dem Stunk im Druckluft?

Dennis: Die Tour ist ziemlich gut gelaufen, da gab's auch keinen Stress deswegen.

Nagel: War auch nur in Süddeutschland.

Dennis: Das ist auch eigentlich nur im Ruhrpott ein Thema, das mit der Druckluft-Sache.

Also wirkt es schon nach.

Nagel: Kein Mensch würde sich jemals trauen zu mir hinzugehen und zu mir zu sagen "Hey, du bist ja schwulenfeindlich". Wer das zu mir sagt, der würde sich erstmal lächerlich machen und zweitens würde ich ihn entweder gnadenlos auslachen oder wegboxen. Sowas liest man nur auf irgendwelchen Flyern. Da sitzt man zuhause und kann dann nachlesen, dass man eigentlich voll der Nazi ist. Du kennst doch diese Leute, diese Flugblattfraktion. Von denen würde dir das doch niemals jemand persönlich ins Gesicht sagen, weil's total abwegig ist und das wissen die selber. Wenn Leute irgendwas sagen, dann sagen die wir seien die arroganteste Band, die da je gespielt hat, aber das hat ja nichts mit Schwulenfeindlichkeit zu tun.

Auf eurer ersten Platte sprecht ihr euch im Beiheft ganz klar gegen CDs aus. Euer neues Album ist jetzt aber auch als CD erschienen. Wie kommt's?

Dennis: Da verdient keiner einen Pfennig dran. Ich finde CDs immer noch scheisse, aber wir machen die selber und da verdient keiner mit.

Nagel: Ich habe immer noch keinen CD-Player und habe auch noch nie einen gehabt, aber es gibt viel zu viele Leute, die gar nicht wissen, dass es LPs noch gibt. Ich habe in letzter Zeit in Rheine Leute kennengelernt, die gar nicht wussten das es Platten noch gibt. In Rheine gibt's in keinem einzigen Laden mehr Platten. Die interessieren sich für Punk und gehen dann in die "Musikbox" in die Punkabteilung und finden da HANNEN ALKS und das kann es ja nicht gewesen sein. Das sind teilweise coole Leute, die vielleicht, wenn sie unsere CD kaufen, durch den Spruch der da drin steht, merken, dass es die auch in wesentlich coolerer Ausführung, als Platte, gibt.

Dennis: Wir verkaufen LP und CD auch zum gleichen Preis.

Was habt ihr denn so für einen Musikbackground?

Nagel: [/b] Punkrock!

Dennis: Ja.

Nagel: Wir hören nicht den ganzen Tag EA 80.

...oder DACKELBLUT.

Nagel: Auch nicht. Schreib' STIFF LITTLE FINGERS und NOISE ANNOYS.

Dennis: Ich find' Playlists doof.

Warum ist die Punkszene soviel besser als die anderen Szenen?

Nagel: Ist mir echt egal. Wenn ich durch die Gegend lauf', dann interessiert mich wo ich jetzt was zu Saufen herkriege und wie ich aufpasse, dass mir kein Fascho auf's Maul haut oder was ich heut Abend machen kann, aber nicht, ob oder warum die Punkszene besser ist als die anderen. Ich weiss nur, dass ich besser bin als die Anderen und deswegen bin ich Punk, also das hat ja was miteinander zu tun. Ich fühle mich besser als die Leute, die ich auf der Strasse seh'. Die finde ich total scheisse und das hat auch was mit Punk zu tun. Wir sind nicht da, um die Szene zu retten, sondern um gewisse Szenesachen zu zerstören.

Dennis: Um uns zu retten.

Nagel: Es gibt so viele Deppen in der Szene und mit denen will ich nichts zu tun haben. Mir ist egal, ob die links, Antifa oder Punk sind, wenn die scheisse sind, sind sie scheisse, und das gehört ihnen ins Gesicht gesagt. Ich will meinen Mittelfinger ja nicht nur gegen meine Eltern richen und mir dafür eine neue Gesellschaft aufbauen, die genau so arm ist, sondern ich will ein einziger Mittelfinger sein. Dazu gehören eigentlich auch Leute die korrekt sind. Das schlimmste was es gibt ist Langeweile, und dann sind da Leute, mit denen man verbunden ist, Antifas oder so, und die stellen dann auch so bescheuerte Regeln auf und da muss man dann halt genau so drauf reagieren und darf nicht denken, man müsse da jetzt mitmachen, wenn ich das auch total langweilig finde. Das machen wir als Menschen und als Band und das macht MUFF POTTER so geil, weil sich das über so komische Ghettogrenzen hinwegsetzt.

Dennis: Oberhausen zum Beispiel.

Nagel: Da kann man wieder auf's Druckluft zurückkommen. Diese Leute denken, die Szene sei vielleicht besser als der Rest der Welt und schnallen dabei gar nichts. Wenn ich zu Hause rumsitze merke ich nichts von der Szene und deswegen ist es mir egal. Das hat nichts mit meinem Leben zu tun. Das ist total abwegig sich darüber Gedanken zu machen.

Dennis: Ja, stimmt.

Nagel: Sag' das jetzt mal immer.

Nagel, du machst ja auch das Wasted Paper, ihr eckt ja auch mit dem Heft bei manchen Leuten an, da ihr angeblich zu stark Gewalt propagieren würdet.

Nagel: Wir propagieren wahrscheinlich zu stark alles, was nicht in Ordnung ist.

Dennis: Das hat die Mutter von unserem Schlagzeuger auch gesagt.

Nagel: Das sagt ja schon einiges über den Zustand dieser Deppen aus. Dass manche Leute ein Problem damit haben, haben wir uns schon gedacht, weil wir Realisten sind und wissen, wie es um solche Kreise der Szene bestellt ist, aber ich kann denen nur sagen, die sollen mal ein bisschen mehr die Realität ins Gesicht sehen, wir spiegeln nur Realität wieder. Vielleicht sollten die alle mal ein paar Stunden Simpsons gucken. Guck dir mal die Szene an, über dieses politische Hintertürchen schleichen sich soviele beknackten Möchtegern-Stalins in die Punkszene ein, die dann meinen, aus ihrem linksradikalen Blickwinkel irgendwie die Szene zu beurteilen zu können. Von solchen Leuten müssen wir uns nichts sagen lassen. Ich habe schon ein paar Generationen von P.C.-Leuten überlebt, die mir erzählt haben, was ich machen muss und was nicht. Ich bin trotzdem politisch und mache immer noch mein Ding. Ich habe kein Problem, von diesen Leuten als Proll bezeichnet zu werden.

Also sind Antifas die besseren Mütter?

Nagel: Guck dir doch mal die Antifas an. Da steht Widerstand in einem Atemzug für irgendwelche Bürgerinitiativendeppen und Punk steht für einheitsgekleidete Phrasendrescher. Ich finde die irgendwie scheisse. Das heisst aber noch lange lange nicht, dass Antifa oder Punk scheisse ist, weil ich nämlich im Gegensatz zu denen weiss, was das bedeutet. Man sollte sich das nicht von irgendwelchen Antifawaschlappen kaputtmachen lassen.

Dennis: Ja, stimmt.

Habt ihr die Fingerfarbe vom Castor eigentlich wieder abgekriegt? (Anm.: Für's Backcover vom neuen Album wurde das Auto von allen Seiten mit den Songtiteln usw bemalt, um mal ein originelles Backcover zu fabrizieren.)

Dennis: Vorne nicht, an der Seite zum Glück doch.

Nagel: Da war ja auch was falsch geschrieben. Vor zwei Wochen haben wir ein Interview mit dem Blurr gemacht und da hat man uns darauf hingewiesen, dass die Adresse falsch ist, und dann haben wir nachgeguckt und das stimmte sogar, das hat aber, glaube ich, noch keiner gemerkt. Ich meine, da kann man als Ausrede gut sagen"Das sind Analpahbeten, das ist Punk!", denn mit Punk kann man alles entschuldigen. Eigentlich ist das ganz schön peinlich.

Die Erkenntnis ist also, dass die Simpsons besser als die Punkszene sind.

Nagel: Ja, die sind realitätsbewußter. Die machen sich über Atomkraftwerke lustig, aber auch über Leute, die gegen Atomkraftwerke sind. Ausserdem sind da immer in einer Sekunde Simpsons ungefähr zehn Witze, die man erst nach dem zweiten oder dritten Gucken endeckt. Letztens habe ich eine Folge gesehen, da haben die die Duff-Brauerei besucht und da war ein Typ am Fliessband, der die Flaschen aussortierern musste, da wo Mäuse und so drin waren. Da hat der mal `ne Sekunde weggeguckt und dann fuhr der Kopf von Adolf Hitler vorbei. Erst hab' ich's nicht gesehen, dann habe ich's mir noch mal angeguckt und bin fast vom Sessel gefallen. Nach der Folge musste ich ausmachen, weil ich sonst überhaupt nicht mehr klargekommen wäre.

Torsten Felter

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #31 (II 1998)

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