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Interviews & Artikel

VALKYRIANS

Do you really wanna know?

Die Sitte, Bands, die einen angesichts ihres Herkunftsland als unpassend empfundenen Stil spielen, einen so genannten "Exotenbonus" zuzuerkennen, sollte heutzutage eigentlich langsam ausgedient haben. Traditioneller Ska aus Finnland? Ja, sicher doch; warum auch nicht? Die VALKYRIANS freilich sind auf derlei Gönnerhaftigkeiten ohnehin nicht angewiesen, nicht nur, weil sie in ihrer Heimat Chart-Erfolge feiern können. Vielmehr ergibt sich hier aus ganz anderen Gründen dringender Gesprächsbedarf: Da wären die neue Platte "High And Mighty", voll mit einnehmenden, kleinen Pop-Melodien, diskussionswürdige Einfälle, wie ein Nebenprojekt für Dark Wave- und Horrorpunk-Cover im Offbeat-Gewand und einige hörbar durchdachte Ansichten zum Verhältnis von Tradition und Innovation. Frontmann Angster stand Rede und Antwort.





Gehen wir einmal vom Stereotyp einer finnischen Familie aus: Welche Musik würden die einzelnen Mitglieder deiner Einschätzung nach jeweils typischerweise hören?


Die Eltern würden zwar behaupten, dass sie klassische Musik oder Jazz hören, aber in Wahrheit wären es dann doch finnischer Schlager, Tango und Humppa. Der Sohn wäre Metal-Fan - und zwar Fan von Metal mit finnischen Texten, wie KOTITEOLLISUUS, STAM1NA, MOKOMA und so weiter - und die Tochter würde auf diesen gerade angesagten Teenie-Glamrock stehen, wie zum Beispiel TECHNICOLOR. Das wäre aber natürlich nur die stark überzeichnete Karikatur einer typisch finnischen Familie. Selbstverständlich existieren auch viele alternative Bands, Clubs und Musikfans für so gut wie jedes vorstellbare Genre. Die Musikliebhaber in Finnland sind sehr aktiv und aufmerksam gegenüber dem, was in der ganzen Welt vor sich geht.



Was würdest du dazu sagen, wenn ich behaupte, dass da Parallelen zwischen Ska und Humppa existieren?

Ja doch, Ska und Humppa sind eigentlich exakt das Gleiche. Na ja, oder sagen wir, fast das Gleiche. Wenn du aus Ska den Soul, den Swing und den Groove entfernst, dann hast du Humppa - so einfach ist das.



Okay, auf welche Geschichte können Ska und Reggae in Finnland denn zurückblicken?

Den Anfang machten ein paar Reggae-Bands wie TOP RANKING ERIC AND THE ASTRONAUTS IN BABYLON in den Siebzigern. Sobald Punk in Finnland Einzug hielt, begannen einige Bands Ska-Songs aufzunehmen, etwa EXTAASI und PELLE MILJOONA. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde ausschließlich auf Finnisch gesungen. Erst in den Neunzigern begannen einige Bands sich an englische Texte zu wagen. Mittlerweile gibt es allerdings eine große Vielfalt an unterschiedlichen Stilen.



Dann würdest du sagen, dass sich die finnische Ska-Szene momentan im Aufschwung befindet?

Ja, es gibt eine Menge neuer, aufstrebender Bands. Die Radiosender nehmen häufiger Ska ins Programm und letztes Jahr waren sogar einige einschlägige Bands in den Charts. Ganz generell erlebe ich die Stimmung unter den Musikern hier momentan als sehr aufgeschlossen und enthusiastisch.



Wo liegen eure ganz persönlichen musikalischen Wurzeln?

Wir blicken alle auf eine Vergangenheit in der Punk-Szene zurück. Zu Ska fanden wir über Bands, die sich zwischen diesen beiden Stilen bewegen. Als wir beschlossen, eine Ska-Band zu gründen, war somit jeder Einzelne von uns zumindest mit den Grundbegriffen vertraut und der Rest ergab sich ohne größere Schwierigkeiten von ganz alleine.



Hat das noch Einfluss auf eure heutige Musik? Wie würdet ihr sie denn ganz allgemein charakterisieren?

Die VALKYRIANS sind ganz klar eine Ska-Band, aber als weitere Einflüsse spielen neben ein wenig Punk auch Rocksteady, Reggae und Soul eine Rolle. In gewisser Weise ist unser Stil gar nicht unähnlich dem der AGGROLITES, nur in einer europäischeren Variante.



Die AGGROLITES nehmen ihre Platten live im Studio auf, ähnlich wie die Bands damals auf Jamaika. Habt ihr euch für "High And Mighty" einer ähnlichen Herangehensweise bedient?

Wir sind definitiv eine Band, die Konzerte in den Mittelpunkt stellt, zumal Ska eben Tanzmusik ist. Im Studio versuchen wir dann auch meist den Geist eines Live-Auftritts einzufangen, allerdings stimmen wir das auf den einzelnen Song ab. Für die ruhigeren, sanfteren Songs haben wir beispielsweise einen etwas anderen Zugang gewählt, der uns für diese angemessener erschien. Andererseits haben wir während der Aufnahmen aber auch nicht krampfhaft versucht, irgendeinen speziellen Sound zu erzielen, der entweder genau originalgetreu oder besonders neuartig wäre. Unser persönlicher Sound entstand ganz natürlich und wir haben nie versucht, ihn bewusst in eine besondere Richtung zu drängen.



Woran mangelt es denn aus eurer Sicht der heutigen Ska-Szene eher: an Bands, die versuchen etwas Eigenständiges und Neues zu erschaffen, oder an Bands, die in der Lage sind, den alten Sound in angemessener Qualität zu reproduzieren.

Ja, das unerreichte Ideal wäre eine Band, die es schafft, gleichzeitig nach traditionellen und modernen Maßstäben innovativ zu sein. Wir sind keine Puristen, aber meiner Meinung nach, sollte man sich intensiv mit der Geschichte dieser Musikrichtung befassen, bevor man sich daran macht, seinen eigenen Beitrag zu leisten.



Ihr bezieht euch sowohl auf 2Tone, als auch auf die ursprünglichen Ska-Bands. Ist 2Tone für euch noch eine Weiterentwicklung des "reinen Ska" oder eher schon eine Bastardisierung?

Ich sehe die Ska- und Reggae-Szene als einen großen Baum mit vielen Ästen und den Wurzeln in Jamaika. "2Tone" bezeichnet die Verzweigung, an der Ska und Punk zusammentreffen und es gibt weitere Abzweigungen in Richtung Punk oder auch Reggae, HipHop und so weiter. Wenn du dich nicht nur in einer einzigen verlierst, dann hast du sehr viel bessere Chancen, etwas Eigenes zu erschaffen. Du musst zurück und nach vorne schauen und gleichzeitig in jede andere Richtung. "Reiner Ska" existierte Anfang der Sechziger auf Jamaika, alles was später kam, ist anders und niemand sollte sich anmaßen zu entscheiden, welcher der nachfolgenden Stile der würdigste Nachfolger ist.



Hat die klassische Einteilung von Ska in die berühmten drei Wellen für dich dann jegliche Relevanz verloren?

Die Vielfalt der Ska-Stile ist mittlerweile so groß, dass es wirklich schwierig sein dürfte, das alles in einer neuen Phase zusammenzufassen, oder jede einzelne Band einer der alten Wellen zuzuordnen. Aber das ist gut - so entwickelt sich alles weiter. Solange du fest verwurzelt bist in der Tradition, kannst du experimentieren, ohne Angst haben zu müssen, dass dann nicht mehr Ska nennen zu dürfen.



Wenn eure Single "Do You Really Wanna Know" das alte Ska- und Rocksteady-Thema aufgreift von bösen Jungs und dem Versuch, sie auf den rechten Weg zurückzuführen, steckt da dann ein tatsächliches politisches oder soziales Anliegen dahinter oder nur besagte Liebe zur Tradition?

Das ist tatsächlich einzig und allein eine Reminiszenz an die alten, legendär gewordenen Songs unserer Vorbilder.



Ich bin im Internet auf Playlists von euch gestoßen, die Coversongs von BAUHAUS, den MISFITS und den CRAMPS enthalten. Was hat es denn bitteschön damit auf sich, und wie ernst ist das gemeint?

Das sind Songs, die wir als THE VAMPYRIANS spielen, ein Nebenprojekt mit Horror-Touch, das hauptsächlich auf Halloween-Partys stattfindet. Ein anderes Nebenprojekt von uns sind THE VALKILMERS, eine Band nur für den Valentinstag. Als VALKILMERS spielen wir ausschließlich Reggae-Songs mit schlüpfrigen Texten. Die ganze Sache beschränkt sich aber jeweils auf einen eher kleinen Rahmen. Irgendwelche Songs in ein Ska- oder Reggae-Gewand zu packen, ist etwas, das wir nebenher aus reinem Spaß an der Sache machen, ohne besondere Ambitionen damit zu verfolgen.



Ferdinand Praxl

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #71 (April/Mai 2007)

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