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Interviews & Artikel

LACK

Situation Normal: All Fucked Up!

Für manche Bands müsste man mit jedem neuen Album eine weitere Schublade öffnen. Genau so ein Fall sind die Dänen LACK. Aber auch wenn sich die wandlungsfähigen Kopenhagener musikalisch nie genau festlegten und von Zeit zu Zeit runderneuerten, so konnte man sich bei ihnen zumindest immer auf ihren Sinn für engagierte, unpeinliche Texte verlassen. Das beweist auch ihre neue Platte "Saturate Every Atom", das dritte Album der seit 1998 existierenden Band, erschienen auf dem derzeit recht aktiven Label Play/Rec. Dass sich hinter den Texten, die sich beispielsweise mit Dänemarks Asylpolitik oder den Problemen von Pornografie beschäftigen, eben keine hohlen Phrasen verbergen, untermauerten Sänger/Gitarrist Thomas und Bassist Kasper, die meine diesbezüglichen Fragen teils ausführlich beantworteten.


Erst mal Glückwunsch zum tollen neuen Album. Ich finde, es ist eine Ecke kompakter ausgefallen als die Vorgänger. Worin seht ihr die größten Unterschiede?

Kasper: Ja, kompakter ist definitiv eine Bezeichnung, auf die man sich einigen kann. Grundsätzlich wollten wir es einfach etwas einfacher halten. Nach "Be There Pulse" fühlten wir uns danach, in eine andere Richtung zu gehen. Also statt vier- bis fünfminütigen Songs mit langen Instrumentalpassagen, fingen wir an, mit kürzeren Songs von drei bis vier Minuten zu arbeiten und versuchten, ein "Weniger ist mehr"-Gefühl einzufangen.

Eure Musik hat sich über die Jahre ja doch sehr verändert. Interessiert das die Leute in Dänemark? Ich meine, habt ihr jetzt ein anderes Publikum als vorher?

Kasper: Menschen, die sich mit alternativer Musik beschäftigen, interessiert die Veränderung in unserer Musik natürlich. Das war auch das Hauptthema, als vor drei Jahren "Be There Pulse" rauskam. Wir verbringen eine Menge Zeit damit, in Interviews darüber zu sprechen und müssen erklären, warum wir uns so entschieden haben und was wir erwarten, dass die Leute dazu sagen. So wie die Musik sich veränderte, hat sich auch das Publikum verändert. Von HC/Punk- über Indie-Kids und Studenten bis hin zu einer Mischung all dieser Gruppen. Es kommt auch darauf an, wo wir spielen und welche Art von Show es ist. Es ist ein Unterschied, ob man in einem Club oder einem Jugendzentrum spielt.

Wie geht das Songwriting bei euch vonstatten? Wer hat zuerst Ideen parat?

Kasper: Für gewöhnlich kommen Thomas und Jacob mit ein paar Ideen oder Demos an und dann verbringen wir etwas Zeit damit, diese zu verändern, bis wir ins Studio gehen, um sie zu vervollständigen. Da gibt es keine großen Geheimnisse - es braucht nur immer eine lange Zeit, bis wir jeden Song fertig haben. Das ist immer schon so gewesen, schon seit der Zeit, als wir anfingen zu spielen.

Eure Labelmates BARRA HEAD haben gerade ihr neues Album veröffentlicht, MENFOLK-Drummer Per Chnöeld produzierte eure neue Platte, Plastik Kid von THE FASHION war für das Artwork verantwortlich: es scheint, als wären Play/Rec-Bands ziemlich aktiv derzeit. Ein Engagement, das nur bei Play/Rec-Künstlern zu sehen ist? Oder gibt es noch mehrere derzeit relevante Bands in Dänemark?

Kasper: Nun, wir mögen es, mit engen Freunden von uns zusammenzuarbeiten. Wir haben bereits ein paar Demos und eine 7" mit Per gemacht, somit fühlten wir uns wirklich wohl dabei, mit ihm zu arbeiten. Plastik Kid war auf all unseren Veröffentlichungen für die grafischen Sachen verantwortlich und ist ein langjähriger Freund. Das bedeutet, dass wir nicht viel Zeit verschwenden, wenn wir mit ihnen arbeiten, denn sie kennen uns wirklich gut und wissen, was sie machen können und was nicht. Außer LACK und BARRA HEAD gibt es mit THE ASSASSINATORS, NO HOPE FOR THE KIDS und A KID HEREAFTER IN THE GRINDING LIGHT noch weitere Bands, die in letzter Zeit gute Platten gemacht haben.

Das Frontcover eures neuen Albums zeigt ein Paar, Hand in Hand, mit nackten Oberkörpern, deren Köpfe von Papiertüten bedeckt sind. Was war die ursprüngliche Idee dahinter? Könntet ihr mir erklären, was damit transportiert werden soll?

Thomas: Für das Cover war, wie gesagt, Plastik Kid verantwortlich. Ich weiß nicht, was sein Gedanke dahinter war, aber ich finde es absolut aufregend. Ich finde, es ist ein großartiges Foto, das genau das auszusprechen vermag, was die Texte nicht können, da sie so zynisch und hoffnungslos sind; es erzählt von Liebenswürdigkeit, von Gemeinschaft trotz Unterschiedlichkeiten, von gegenseitiger Hilfe. Es spricht von der Möglichkeit von Kommunikation, Verständnis und Mitgefühl. Es ist ein friedliches Foto. Indessen zeigt es auch zwei Körper, die aufgrund der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Bedeutung ihres Geschlechts in einer ungleichen Beziehung stecken, nicht wegen ihrer individuellen Persönlichkeiten. In diesem Sinne ist es ein brutales Foto. Mir gefällt die Zwiespältigkeit, und es fasst auf perfekte Art das zusammen, was wir mit unseren Texten bewirken wollten.

"I want you to call me Peter North" oder "O.R.A.L. (Open relationships are for losers)" scheinen klare Statements gegen männliche Vormachtstellung zu sein. Was ist das Kritischste an Pornografie? Würdet ihr der Aussage zustimmen, dass Pornografie Frauen als minderwertiger als Männer darstellt?

Thomas: "O.R.A.L. ..." ist ausschließlich ein Lovesong, aber du liegst schon richtig, wenn du "I want you to call me Peter North" als ein Statement gegen männliche Vormachtstellung interpretierst. Ich denke nicht, dass es präzise ist, zu sagen, dass heterosexuelle Mainstream-Pornografie Frauen als minderwertiger darstellt als Männer. Ich glaube, es handelt sich dabei um eine etwas komplexere Situation, in der der weibliche Körper in erster Linie als ein "Gegenstand" männlichen Verlangens gezeigt wird -und gelegentlich auch weiblichen Verlangens. Ich habe Freundinnen, für die die Verwendung von Pornografie ein Mittel gewesen ist, um zu realisieren, dass sie homosexuelle Begierden haben. Der Mann, der sich den Akt genussvoll anschaut, erhält dadurch nicht nur voyeuristische Genugtuung, sondern ihm wird darüber hinaus ein Gefühl von männlicher Überlegenheit vermittelt. In Pornos wird der weibliche Körper als ein bewundernswertes "Objekt" verehrt, dessen einziger Daseinszweck darin besteht, männlichen Sexfantasien zur Verfügung zu stehen; seine Funktion ist es, dem starrenden Mann zu versichern, dass sie tatsächlich beherrscht werden will. Es stellt die äußerste Erotisierung der Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern dar, was für meine Begriffe das größte Problem der Pornografie darstellt, denn auf lange Sicht gesehen führt es dazu, die Unveränderlichkeit unserer Geschlechter zu manifestieren, in der es Frauen zugedacht ist, kraftlose, passive und emotionale Körper zu sein, im Gegensatz zu Männern, denen es zugedacht ist, kräftige, aktive und rationale Körper zu sein. Letztendlich ist die Frage also nicht, ob Pornografie Frauen minderwertiger erscheinen lässt oder nicht. Der kritische Punkt ist vielmehr der Zweck heterosexueller Mainstream-Pornografie, nämlich die Legitimierung männlicher Vorherrschaft.

Ein weiteres Thema auf der Platte ist Dänemarks Asylpolitik - wie schätzt ihr die derzeitige Lage ein?

Thomas: "Situation Normal: All Fucked Up!" Dänemark ist ein Land, das Angst hat vor der Welt, die sie umgibt. Eines der reichsten Länder der Welt und vielleicht deshalb eines der Länder mit den strengsten Einwanderungs- und Asylgesetzen. Wir nehmen an einem illegalen Krieg im Irak teil, der große Verwüstungen anrichtet, und akzeptieren nicht einmal Flüchtlinge aus dem Irak. Es ist beschämend.

Euer früheres Schaffen wurde sehr oft mit dem von BOTCH oder REFUSED verglichen. Was waren ursprünglich die Bands, die ihr bewundert habt, und damit die größten Einflüsse für eure Musik - früher und heute?

Kasper: Wir entstammen dem Emo und Hardcore Mitte/Ende der 90er. QUICKSAND, HANDSOME und FIRESIDE waren Bands, die wir damals verehrten und auch heute noch schätzen. Aber genauso hatte eine Band wie TALKING HEADS einen enormen Einfluss auf uns. Fragen zu musikalischen Einflüssen sind für eine Band immer schwierig zu beantworten, man weiß selbst nie genau, wie man sich anhört. Aber ja, wir wurden bei unserem ersten Album oft mit REFUSED und BOTCH verglichen, bei "Be There Pulse" mit AT THE DRIVE-IN und FUGAZI, also sind wir relativ gespannt, mit welchen Bands wir beim neuen Album verglichen werden. Immer mal wieder stolpert man über eine verdammt großartige Band und man fühlt sich danach, eine neue Richtung einzuschlagen, allerdings gibt es keine bestimmten Bands, die uns zu "Saturate Every Atom" inspiriert hätten. Ich denke, es wäre möglich, ein wenig von diesen Bands, die oben aufgelistet sind, herauszuhören, gemischt mit den Bands, mit denen wir über die Jahre gespielt haben.

Ganz offensichtlich hat Literatur einen großen Einfluss auf eure Texte. Ich kann mich an Referenzen zu Levi, Nietzsche und Dostojewskij erinnern, und "Saturate Every Atom" entstammt einem Zitat von Virginia Woolf. Welche Bücher waren wichtig für die inhaltliche Entwicklung des neuen Albums?

Thomas: Viele, viele Bücher. Aber die wichtigsten drei Bücher, die die Lyrics beeinflusst haben, müssten wohl Calvin Thomas' "Male Matters", Daniel Boyarins "Unheroic Conduct" und "A Thousand Plateaus" von Gilles Deleuze und Felix Guattari sein. Das ist essentieller Lesestoff, auf den ich immer wieder zurückkomme.

Wie sieht's mit Tourplänen in naher Zukunft aus? Und was können wir dieses Jahr von euch noch erwarten?

Kasper: Wir werden im Frühjahr nach Deutschland und Frankreich kommen, danach machen wir eine kurze Pause, um ein paar Examen fertig zu schreiben, und im Sommer sind wir wieder unterwegs. Es gibt so viele Orte, an die wir wieder zurückkehren wollen, und sogar noch viel mehr Orte, an denen wir nie zuvor gewesen sind, wo wir aber liebend gerne mal auf Tour hinfahren würden.

Angeblich seid ihr ja "eine der am härtesten arbeitenden Rock-Bands Dänemarks", stimmt das?

Kasper: Haha, Nein! Play/Rec ist eines der am härtesten arbeitenden Labels Dänemarks.

Andreas Krinner

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #77 (April/Mai 2008)

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