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Interviews & Artikel

SKA PACK - VOL. 2

THE AMPHETAMEANIES, ANGER MANAGEMENT LEAGUE, BLUEKILLA
Und am Anfang waren THE CLASH – the only band that matters ...


So unterschiedlich ihre Biografie und Herkunft auch sein mögen, einen gemeinsamen Nenner haben sie alle: Ihre Musik wäre nicht die gleiche, hätten THE CLASH nicht Reggae und Ska auf ihre ganz eigene Weise interpretiert. Außerdem hatten alle Bands irgendwie mit Joe Strummer zu tun: ANGER MANAGEMENT LEAGUEs (AML) Album „Clashed By AML“ beinhaltet in Reggae und Ska arrangierte Songs nebst diverser Dub-Versionen des Debütalbums der britischen Punklegende. Dr. Deadlock, Kopf von AML und BLUEKILLA, hatte eine persönliche Begegnung mit Joe Strummer zu MESCALEROS-Zeiten. Die AMPHETAMEANIES spielten sogar mit JOE STRUMMER & THE MESCALEROS auf dem schottischen In The Park Festival, und Sängerin Jane fuhr Joe Strummer 2001 einen Tag lang in Schottland rum, wo er in diversen Läden Autogrammstunden hielt. Sie alle sind sie infiziert vom einzigartigen Virus, den THE CLASH – „the only band that matters“ – 1977 verbreiteten. Und dennoch haben wir es hier mit drei einzigartigen Bands zu tun ...

Die schottische Neo-2Tone-Band THE AMPHETAMEANIES aus Glasgow feierte im letzten Jahr still und heimlich ihr zehnjähriges Jubiläum. Auch wenn sie immer wieder mal in Deutschland in Wochenendshows zu sehen waren, finanziell und zeitlich ist es ihnen nach wie vor nicht möglich, länger am Stück auf dem europäischen Festland zu touren. Ende 2002, nachdem Jenny (Saxophon) und Rat (Gitarre) die Band verließen und Alex (Gitarre) zu FRANZ FERDINAND wechselte, wuchs der Zusammenhalt der AMPHETAMEANIES, so dass Bassist Gordon Davidson heute von der Band wie von einer guten Familie spricht. Mittlerweile helfen alle „Ehemaligen“ auf der Bühne aus, auch wenn es wegen eines Songs, den Alex ursprünglich für THE AMPHETAMEANIES geschrieben hatte, der dann aber auf dem Debütalbum von FRANZ FERDINAND erschienen war, kurz Unstimmigkeiten gab. Die AMPHETAMEANIES-Version von „This boy“ ist auf der zweiten Platte „Now! That's What I Call The Amphetameanies“ zu hören.

„Die schlimmste Zeit für uns war“, so Gordon, „als wir keine Ideen mehr für neue Stücke hatten und es nicht mehr aufregend war, die alten Lieder zu spielen.“ Irgendwann war auch diese Krise überwunden, so dass sie nach einigen Singles und dem zweiten Album jede Menge interessanter Konzerte, Radio- und Videoproduktionen spielten. Die sicherlich größte Überraschung für Außenstehende der Szene Glasgows war jedoch, als John Clark alias John Disco von BIS bei den AMPHETAMEANIES einstieg. „Ich wusste, dass John ein großer Ska-Fan ist. Also quatschte ich ihn bereits 1998 angetrunken in einer Kneipe an, ob er nicht irgendwann einmal bei uns Gitarre spielen möchte. Als uns Alex wegen FRANZ FERDINAND verließ, traf ich John eines Tages in einem Pub in Gourock. Als wir gemeinsam an der Pissrinne standen, fragte ich ihn, ob er denn jetzt bei uns Gitarre spielen möchte. Ohne zu zögern sagte John zu. Er ist für THE AMPHETAMEANIES wie eine neue, voll aufgeladene Batterie in einem Spielzeug. Er ist der beste Gitarrist, den wir je hatten. Auch wenn er selbst bislang kaum Songs geschrieben hat, ist er uns eine unglaublich große Hilfe, was die Umsetzung unserer Ideen betrifft.“

Solcher Art ambitioniert dürfen wir uns in diesem Jahr noch auf den einen oder anderen neuen Song der Schotten freuen. Die Stücke für die bereits angekündigte EP „Goodbye Boyfriend“ sind bereits eingespielt. Mit einer Veröffentlichung vor Mai dieses Jahres rechnet Gordon allerdings nicht, auch wenn man Downloads davon bei iTunes vielleicht schon etwas früher bekommen und das deutsche Label Rat Race Records ziemlich sicher ein 7“-Vinyl veröffentlichen wird. Seit THE AMPHETAMEANIES mit nur siebzig britischen Pfund Budget ein Video für den Singletrack „Say something special“ produziert und durch Internetportale wie YouTube so erfreuliche Resonanz erhalten haben, will man auf alle Fälle auch für den Titeltrack der neuen EP ein Video erstellen. Weitere sollen folgen. Die neuen Stücke sind abwechslungsreicher denn je, sichert mir Gordon zu.

Zudem arbeitet man noch an einer Split-EP namens „This Is Scotland“. Die Idee stammt von von Gaz Mayall, angeregt durch den Skinheadfilm "This Is England". Neben den AMPHETAMEANIES sollen neue schottischen Ska-Bands wie die Ska-Punks JOE VITERBO und ROOT SYSTEM oder die Tradska-Band BOMBSKARE vorgestellt werden. Wie wir wissen, sind THE AMPHETAMEANIES für eine Überraschung und beste Stimmung gut, auch wenn es bei den sympathischen Schotten etwas länger dauert. Also gilt jetzt: Abwarten und Bier trinken.

Und das beste Bier wird ja bekanntlich in München gebraut, wo wir auch ANGER MANAGEMENT LEAGUE und BLUEKILLA finden, die weiteren beiden Bands in dieser Rubrik. ANGER MANAGEMENT LEAGUE (AML) sind über die Idee im letzten Jahr, einen einmaligen Gig gemeinsam zu spielen, zu einer mittlerweile recht viel versprechenden neuen Band geworden. Initiiert hat alles der in München stadtbekannte Musiker Dr. Deadlock alias Amedeo Tortora von BLUEKILLA, dessen Grundgedanke es war, mit jungen Leuten der Bands STEAMY DUMPLINGS, MAD OUSE, JAZZ-O-PHRENIC und einem BLUEKILLA-Kollegen eigene Songs einzuspielen. Ein geplanter Gig wurde seitens des Veranstalters kurzfristig verschoben, so dass der Tag nach nur zwei Proben genutzt wurde, um das Debüt „Why You Bad Soh?“ einzuspielen.

Nach einigen Gigs wollte Dr. Deadlock seine Vision des ersten THE CLASH-Albums im Sinne eines Konzeptalbums à la DREAD ZEPPELIN oder „Dub Side Of The Moon“, wahr machen. Da man das Studio nur für zwei Tage zur Verfügung hatte, musste sich Dr. Deadlock auf seine Lieblingsstücke beschränken. Das schmucke Vinyl „Clashed By AML“ erschien noch im Dezember 2007 und hat außerdem eine Reihe interessanter Versions zu bieten. Wie es 2008 weitergehen wird, ist zwar ungewiss, nicht zuletzt da Dr. Deadlock kein eigenes Studio mehr besitzt. Umso mehr sei euch ein Gig von AML empfohlen, sollten sie mal irgendwo live zu sehen sein.

Die faulste Ska-Band der Welt, BLUEKILLA aus München, bietet „pure Ska since 1985“ – Gesamtwerk und Konzertfrequenz proportional zur Anzahl der Jahre des Bestehens lassen auf Faulheit schließen, zumal ein Drittel der circa 350 Auftritte in München und Umgebung gespielt wurden. Wenn sie aber ausnahmsweise auf Tour waren, dann dafür richtig. Wie die Tour 1997 in Jugoslawien, die nicht zuletzt wegen all der Probleme einen ganz besonderen Stellenwert in der Biografie der Band hat.

„Angefangen bei den Visaproblemen, der unsäglichen Reise, der Verhaftung und dem Verhör, den Autopannen, der Rückreise im Zug mit kompletter Backline bis hin zu den Konzerten vor einer sich nach Frieden und Kultur sehnenden Jugend, der Freundschaft mit den Veranstaltern, die uns bis heute miteinander verbindet.“

Und neben den BAD MANNERS waren BLUEKILLA die einzige europäische Ska-Band, die bislang in Australien unterwegs war: „Elf Gigs innerhalb von achtzehn Tagen in sechs Städten auf einer Strecke von über 3.000 Kilometern. Vom Land haben wir kaum was gesehen, aber umso mehr Leuten sind wir begegnet und haben das Land auf diese Weise über die Leute kennen gelernt.“

Über all die Jahre also schöne und beschwerliche Momente, und da bisher fast jeder der Ehemaligen nach seinem Ausstieg zwar ein erfolgreiches privates Leben führt, aber nie mehr wieder eine Bühne betreten hat, wird man noch lange etwas von der faulsten Ska-Band der Welt haben, auch wenn die Frage nach einer neuen Platte und einer Tour dann fast schon provozierend klingt. Ein neues Studioalbum kommt also vielleicht 2009. Mit einer klassischen Tournee jedoch ist nicht zu rechnen. „Derweil planen wir eine DVD mit unseren besten Live- und mit allen unseren offiziellen und inoffiziellen Musikvideos. Zum 25-jährigen Jubiläum werden wir ein ‚Best Of‘- oder ein Live-Album oder eine Anthologie oder was auch immer herausbringen.“

Für eine faule Band also doch gar nicht so träge, da sich zudem für BLUEKILLA noch nie etwas geändert hat: „Die Musik ist immer dieselbe, das Publikum ist immer dasselbe, will sagen, sieht immer gleich aus und bleibt auch immer gleich jung. Das gibt einem aber durchaus ein gutes Gefühl. Mit der Zeit erhöht sich der Anteil der Altfans und das Durchschnittsalter erhöht sich damit auch. Vielleicht wird unsere nächste Studioplatte aber aus genau diesem Grund, nämlich das sich nichts ändert, etwas anders als die fünf Vorgänger. Aber auch dann gilt: BLUEKILLA – pure Ska since 1985.“

Simon Brunner

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #77 (April/Mai 2008)

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MESSED UP sind vier Grrrls aus der Stadt Grodno nahe der polnischen und litauischen Grenze. Das Quartett gründete sich 2015 mit dem Willen, der Lethargie seiner postsowjetischen Heimat zu entfliehen und den sozialen Erwartungen und Zwängen der ... mehr