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Interviews & Artikel

Punk from France

Domaine spécial

Wieder einmal habe ich mich eingeloggt, in die Zeitvernichtungsmaschine MySpace. Die hat sich toll entwickelt in der letzten Zeit. Dort sind Leute miteinander ganz dicke, die sich im Life 1.0 nicht mal anspucken würden.


Bei aller Kritik an den virtuellen sozialen Netzwerken: Es gibt für die meisten Bands mit kleinen Vertrieben keine Alternative zur internationalen Plattform MySpace. Kurz nach der Gründung, die Instrumente sind noch nicht abbezahlt, steht schon ein Song auf dem Profil, den vor einigen Jahren niemand außerhalb des eigenen Dunstkreises wahrgenommen hätte. Heute geht er um die Welt. Und gerade, als mich ausloggen will, gelangweilt von allem und allen hier, war ich plötzlich in Frankreich.

Bislang meistens mit deutschen oder englischen Profilen konfrontiert, verstand ich zwar kein Wort mehr, wusste aber: Das ist es, wonach ich gesucht habe. Was die Leute brauchen. Punk, gesungen auf Französisch, gespielt in geil, TAGADA JONES heißen die. Warum nie etwas von ihnen gehört oder gelesen, nicht mal im Netz? Weil Deutschland eben lieber seine eigene Muttersprache hört. Kryptisches Schulbuchenglisch kommt noch besser an. Dieter Bohlen weiß das und der Lidlpunk auch. Beide sollten besser mal die letzten Alben von TAGADA JONES aus Rennes hören, die heißen "6.6.6" (2007) und "Le Feu Aux Poudres" (2006, beide Enrage Production). Wer hört noch die x-te Auflage von abnormal amerikanischem Punk, hüben wie drüben, wenn er diese Franzosen haben kann? Wer noch RISE AGAINST, wer Amy Winehouse? Die ist gar kein Punk, aber das sind TAGADA JONES auch nicht. Nicht immer. Härte auf unschlagbaren Hooklines. Sie singen über Politik, glaube ich. Ihre Vielfalt ist beachtlich, wo nehmen sie die Wut her? Sie rocken, kloppen, brüllen, schwitzen, wissen, wie eine Akustikgitarre funktioniert und lassen das dann remixen, als Bonus obendrauf, zum Beispiel von einer französischen Elektropunkgruppe namens LA PHAZE. Mal draufklicken.

DJs oder Rocker, offenbar ein Trio, genaueres erfährt niemand, der sprachunkundig das MySpace-About nicht versteht, auch LA PHAZE bevorzugen den Ausdruck auf Französisch. Ich finde sofort einen Draht zu ihnen. Eine Melange aus Beats, Gitarren, Hip-Hop und Punk. Seit April ist ihr Album da, "Miracle" (Because Music), und jedem deutschen Indieclub würde dieser Sound besser zu Gesicht stehen als, nur ein Beispiel, das jüngste HIVES-Debakel, das in einem Jahr sogar unter Fans als uncool gelten wird. LA PHAZE sind zwar noch nicht so gut im Geschäft wie die Schweden, aber tanzbar und in ihrer Heimat und der Schweiz schon eine Nummer. Zu recht, deshalb auch die Empfehlung aus dem fernen New York, bei MySpace ist es nur ein Klick: die Verrückten von GOGOL BORDELLO finden LA PHAZE gut, man hat schon zusammengearbeitet. Sogar in Mexiko gibt es einen Fanclub der Elektropunks, auf dem Profil der Franzosen natürlich topgelistet.

Direkt darunter ein Link zur nächsten Wahnsinnscombo. Der gallische Hahn kräht nach RUE D'LA SOIF: die Straße des Dursts, so das Lexikon. Nicht schlecht, was einem bei Wein und Baguette für schöne Bandnamen einfallen können. "Play it loud! Loud! Loud!” steht auf dem Post-It, als das aktuelle Album "Quoi Qu'on En Dise" (Schizophrenia, 2008) wenige Tage später im Briefkasten liegt. Eine Mischung aus Johnny Cash und BAD RELIGION, vielleicht die DROPKICK MURPHYS minus Whiskey auf Französisch. Jede Menge Folk jedenfalls, Akkordeon inklusive. Wenn nur die autonomen Zentren Deutschlands Bescheid wüssten! Auf RUE D'LA SOIF lässt sich vorzüglich trinken, Springerstiefel tanzen wie von allein, Hippies auch, und das Mitsingen bereitet auch dem Frankophoben keine Probleme, sobald die eigene Muttersprache dem Rausch Tribut zollt. Was wäre das für eine Party. RUE D'LA SOIF aus Orléans haben keinen Vertrieb in Germany - es lohnt sich nicht.

Meine Lust zu feiern, wenn auch nur im Cyberspace, kommt gerade erst in Fahrt. Wer sind die wichtigsten Freunde dieser fantastischen Combo? Nein, es sind wohl nicht die beiden Mädchen aus Paris, die im Bad mit Kirschenpaar im Haar in eine VGA-Handykamera blicken, die mit Photoshop zwar ihre Pickel retuschiert haben, dafür die Toilette nicht abgezogen. Hauptsache, der Boyfriend stimmt.

Schnell zurück auf die gute Seite: Leben wie Punk in Frankreich: DIRTY FONZY heißt mein nächster Klick und Treffer. Dabei ist die RANCID-affine Band die erste Beute auf diesem Streifzug, die es den Deutschen gleichtut: Sing it in english! Die Jungs meinen es ja nicht böse. Zwar rotzen sie durch die Boxen ins Auditorium. Danach aber erklingt Reggae vom Feinsten und Trompete und Hammond sind das Traumpaar im Club, Jamaica won't wait. Dann fix das Tanzbein schwingen, sind das die frühen MILLENCOLIN? Nein, dieser astreine "Tiny Tunes"-Smasher ist Ska und immer noch von DIRTY FONZYS. "Here We Go Again" (Enrage, 2007), programmatischer kann ein Titel kaum sein, der ein Best-of-Best-Of-Punkrock-Album zusammenfasst. So ungeniert muss man erst mal klauen können, die Poilus freuen sich diebisch. Fetziger als ANTI FLAG, im Visier dabei eher das nächste Sixpack als die jüngsten Schweinereien von Bush. Selbst die schwarzrote Used-Stripes-Optik verursacht keinen Knick in der Pupille, bei H&M schließlich seit zwei Jahren nicht mehr im Programm und allein deshalb Pflicht für jeden Irokesen. Doch wir Deutschen sind außen vor, unser Akzent beim Englischsprechen bleibt das Nonplusultra, die freiwillige Selbstbeschränkung gegenüber French Punk verhindert wohl auch im Fall DIRTY FONZYS einen größeren Pogoalarm im örtlichen JUZ. Schnell mal einen Request schicken, dann bin wenigstens ich nicht mehr beschränkt.

Nach TAGADA JONES veröffentlichen also auch DIRTY FONZY auf Enrage, muss ein gutes Label sein, vielleicht stoße ich ja auf ein Quellgebiet. Eben mal schnell Kontakt aufnehmen, ich bin so frei, MySpace ist geil und der freundliche Firmenvorstand Séverine empfiehlt eine Reihe weiterer Bands. Als der Briefträger klingelt, ein Paket aus Frankreich sei da, kann ich endlich wieder landen, Signout, Rechner aus und hallo Leben, die Anlage ruft. Sie will auf zehn, für OPIUM DU PEUPLE ("Sex, Drugs & Variete", 2007), NEVROTIC EXPLOSION ("Echec Et Mat", 2008), PARABELLUM ("Si Vis Pacem", 2007) und DESTRUCTION INCORPORATED ("The Dogman's Tales", 2007, alle Enrage). Die Musik dröhnt durchs Haus, es fühlt sich gut an, eine lange virtuelle Session liegt hinter mir, nie wieder so viel MySpace wie in den letzten Tagen, aber jetzt kenne ich Bands, die keiner kennt. Das wiederum rockt nicht mehr so wie damals mit 16, als ich mich empören konnte, weil OFFSPRING und GREEN DAY mir gestohlen wurden. Heute ist das anders. Ich möchte tolle Gruppen weiterempfehlen, über gute Musik sprechen, ein bisschen missionieren. Von meinen Freunden hat aber niemand Interesse an Musik aus Frankreich, gerade jetzt, wo die ganzen Amibands mit neuen Sachen am Start seien. Das ist wirklich unerfreulich, doch bald fällt mir eine Lösung ein, maßgeschneidert für alle meine Friends: Ich schreib einfach schnell ein Bulletin.

Arne Koepke

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #78 (Juni/Juli 2008)

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