Interviews & Artikel : DÄLEK :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

DÄLEK

Sag nicht das böse Wort

Ich glaube, da sind wir uns einig: HipHop ist ein heikles Thema. Sei es wegen der für Außenstehende mehr als bekloppt wirkenden Szene, die um einen ruppigen Sound in Kombination mit eher fragwürdigen Texten kreist, der bevorzugt von bösen, mit schweren Vorstrafen geadelten Jungs dargeboten wird. Aus diesem Bild natürlich nicht wegzudenken sind barbusige, stereotype Mädels, die meist in der Nähe der Kniekehlen verweilenden Hosen in Übergröße, die wuchtigen Asi-Kappen und die billig wirkenden überdimensionalen Klunker-Accessoires. Aber genug mit dem Suhlen in Klischees, darunter gibt es selbstredend auch Vertreter, die einen anderen Weg eingeschlagen haben. DÄLEK ragen aus diesem Schlammloch heraus wie ein Elefant aus einem Erdbeerfeld. Will Brooks aka MC Dälek war so freundlich und traf sich mit mir auf einem fernen Planeten - dem Jazzfestival in Moers.


Die Ansagerin des Jazzfestivals meinte bei eurer Ankündigung, dass der Umlaut in DÄLEK eine Verbindung zu Europa, insbesondere Deutschland und eine Hommage an Karlheinz Stockhausen sei ..

So ein Quatsch. Das ist Slang, also spricht es sich "dialec". Egal. Ich habe keine besondere Beziehung zu den Deutschen. Wir sind aber immer gern hier unterwegs. Ich mag Musik von FAUST eher als die von Karlheinz Stockhausen, obwohl er ein wirklich brillanter Musiker war.

Einige mag es überraschen, dass es für euch nichts Neues ist, auf einem Jazzfestival zu spielen.

Wir haben auf vielen solcher Jazzfestivals gespielt. Ich liebe Jazzfestivals, denn ich komme mir immer vor, wie ein Barbar zwischen den ganzen feinen Leuten, die ihre Augenbrauen hochziehen, wenn sie uns hinter der Bühne sehen. Es war am Anfang ziemlich einschüchternd, auf einem Festival wie diesem zu spielen. Man trifft unglaublich großartige Musiker und das Publikum ist im Vergleich zu unserem eigentlichen Publikum komplett anders. Wir waren auf einem Festival in Nickelsdorf. Peter Brötzmann, Ken Vandermark und Hamid Drake waren da, unfassbar, sie auf der Bühne zu sehen! Wir waren das ganze Wochenende auf diesem Festival und glaube mir, mehr und mehr beschlich mich damals das Gefühl, wenn wir auftreten, würden uns alle hassen. Aber nach den ersten Beats kochte der ganze Platz! Unglaublich, dass Leute, die eigentlich abertausend Kilometer von uns und unserem Sound entfernt sind, doch so auf unsere Musik abfahren können. Wenn wir nur einigen Menschen den Eindruck vermitteln könnten, dass HipHop auch anders sein kann, haben wir schon gewonnen.

Du produzierst auch selbst. Ist es eigentlich ein Problem für dich, wenn die Leute sagen, dass du "nur" HipHop machst?

Erst mal möchte ich sagen, dass HipHop mittlerweile zum neuen Pop geworden ist. Alles, was du im Radio hörst, ist gleichgeschaltet, um dem Mainstream zu genügen. Der Rest von uns kommt nicht in die Presse, wird nicht im MTV gespielt und so weiter. Wenn man sich nicht für die Szene interessiert, bekommt man doch nur einen kleinen Einblick in das Ganze. Ich bin ein Musikfanatiker, mich interessieren Schubladen nicht. Man nennt unsere Musik Noise, Experimental oder Industrial, aber es ist nicht wichtig, wie die Leute meine Musik nennen. Es reicht, wenn sie meine Musik hören! Ich habe als DJ angefangen und da musstest du alles einmal gehört haben, ob es nun Jazz, Punk oder was auch immer war. Mittlerweile habe ich auch Rock-Alben produziert, genauso wie Country-Musik oder Singer/Songwriter. Ich habe letztens ein Country-Album mit Laura Minor aufgenommen, das kilometerweit von DÄLEKs Gefühl und Sound entfernt ist. Ich habe natürlich auch HipHop-Künstler wie ODDATEEE produziert. Wie gesagt, mich interessieren Genres nicht.

Euer neues Album hat ja den Ruf, etwas eingängiger zu sein. Kannst du dir vorstellen, zum Beispiel etwas mit Ken Vandermark, Mats Gustafsson oder ZU zu machen?

Ja, sicher! Wir wären geehrt, wenn diese Künstler auf unseren Alben spielen würden. Es ist zwar noch nichts Konkretes geplant, aber das wird sicher irgendwann kommen. Im Januar werden wir erst mal ein Album herausbringen, das in Richtung BLACK SABBATH aus den 70ern geht. Vielleicht wird es auch eine Platte geben, auf der mehr Jazz- oder Dub-Einflüsse zu hören sind. Das macht es für uns einfach interessanter. Wir wollen nicht eine Platte, die wie die andere klingt. Ja, es ist auch ein Album mit ZU geplant, es ist auch schon fast fertig. Das sind großartige Jungs!

Wenn du deine Anfänge mit heute vergleichst, was hat sich geändert?

Ich habe mich geändert. Manchmal bin ich ein bisschen müde, wir touren wirklich sehr viel.

Hast du manchmal genug davon?

Nein, überhaupt nicht. Wir haben großartige Leute, die sich um uns kümmern. Ipecac ist ein wunderbares Label, und die Menschen, die dort arbeiten, sind sehr um uns bemüht. Ich bin jetzt zwölf Jahre unterwegs, diese Erfahrung krempelt dich einfach um. Eins steht fest, ich habe definitiv keine Lust mehr, auf anderer Leute Fußboden zu schlafen. Dafür bin ich mittlerweile zu alt. Was mich auf dieser Tour wirklich stört, ist die Lautstärkereglementierung in Österreich und der Schweiz. Wo soll das noch hinführen? Laute Musik ist schädlich, keine Frage. Aber wenn ich Musik in Zimmerlautstärke hören will, brauche ich doch nicht auf ein Konzert gehen! Das ist eine Entwicklung, gegen die die Musikszene auf jeden Fall ankämpfen sollte. Denn nicht nur unsere Musik lebt mit und von der Lautstärke. Wir werden wohl auf der nächsten Tour einen eigenen Techniker mitbringen, denn diese Einschränkung macht es uns noch schwieriger, wirklich gut zu klingen.

Warum habt ihr bei euren Live-Auftritten keinen DJ mit Plattenspielern mehr?

Nun, das größte Problem mit DJs ist, dass es meist jammernde Zicken sind. Na ja, das ist nur halb wahr. Wir haben mit großartigen DJs auf unseren Platten zusammengearbeitet, zum Beispiel Rob Swift, X-ECUTIONERS, ILL INSANITY, TOTAL ECLIPSE, und DJ Motiv, ODDATEEE. Wir haben auch viel mit DJ Rek gemacht, ich glaube er war bei "Filthy Tongue ..." und "Absence" dabei. Wir hatten von Anfang an diese Dreierkonstellation, Oktopus, mich und ein DJ. Ich mag diese Dynamik. Für uns war es einfach interessanter, unser Album live neu zu interpretieren. So ist die CD das eine und die Live-Show ein total anderes Ding, denn wir haben live noisige Gitarrensoli oder andere Instrumente eingebaut. Und seit geraumer Zeit ist noch DESTRUCTO SWARMBOTS mit dabei.

Wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit mit DESTRUCTO SWARMBOTS, insbesondere mit Mike?

Das ist eine sehr komische Geschichte. Oktopus fuhr die meiste Zeit den Van auf Tour, bis er schlussendlich wegen Alkohol am Steuer den Führerschein verlor. Also suchten wir einen Fahrer für eine anstehende US-Tour. Eine Freundin von uns empfahl ihren Freund, der ein brillanter Fahrer, Straight Edger und Veganer sein sollte. Wir dachten, das wäre die beste Lösung, und ich gab dem Mädchen meine Nummer. Ein paar Tage später bekam ich einen Anruf von einem Typen. Da wir beide zu diesem Zeitpunkt in New York waren, schlug er vor, dass wir uns dort in einer bestimmten Bar treffen sollten. Im ersten Moment sagte ich: "Ja, gute Idee", aber im zweiten Moment war ich etwas verwundert, warum er sich mit mir in einer Bar treffen wollte. Ich traf ihn auch in dieser Bar und wir stellten uns einander vor. Er sagte, sein Name wäre Mike, und fragte mich, ob ich ein Bier wolle ... und da sah ich, dass er schon ein Bier trank! Okay, dachte ich, kein Problem, er ist wohl kein Straight Edger mehr. Ach, ich vergaß zu erzählen, dass das Mädchen meinte, dass er Graffitikünstler sei. Wir verstanden uns eigentlich recht gut mit Mike und gingen mit ihm auf Tour. An einem Abend spielten wir in Chicago. Nach dem Soundcheck gingen wir essen und er bestellte sich einen Burger! Okay, dachte ich, Leute ändern sich. Keine große Sache. Nach dem Konzert übernachteten wir bei einem Freund, der Graffitisprayer ist und einen Haufen Bilder und Fotos in seiner Wohnung hängen hat. Ich versuchte mit Mike darüber ins Gespräch zu kommen. Er meinte schließlich, dass ihn Graffitis nicht wirklich interessieren würden. Das war schon echt verrückt und ich fragte ihn, wer zum Teufel er sei. Seine Freundin hätte ihn als veganen Straight-Edge-Sprayer vorgestellt und er war nichts davon! Dann rückte er damit heraus, dass dieser Veganer im letzten Moment doch einen Rückzieher machte und er mich stattdessen angerufen hatte. Am Anfang nannten wir ihn Heroin-Mike, weil er weder Staight-Edger noch Veganer noch Graffitikünstler war. Er hätte ein Mörder oder wer weiß was sein können! Das war lange ein Running Gag. Seitdem hält er uns den Rücken frei, fährt unseren Van, verkauft den Merchandise auf Tour und ist unser sexy Background-Tänzer. Am Anfang hat er den Support für DÄLEK gemacht, aber dann kristallisierte sich schnell heraus, dass seine Art, Gitarre zu spielen, perfekt zu uns passt.

Jenny Kracht

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #80 (Oktober/November 2008)

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