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Interviews & Artikel

THERMALS

Kill Rock Stars!

Drei Jahre sind seit „The Body, The Blood, The Machine“ vergangen, dem dritten Album der THERMALS aus Portland, und einen Labelwechsel von Sub Pop zu Kill Rock Stars später ist jetzt „Now We Can See!“ erschienen. Mal wieder haben Hutch Harris (Gesang und Gitarre) und Kathy Foster (Bass) einen neuen Schlagzeuger (namens Westin Glass), und mal wieder ist ihr Album eines, das sich wohltuend aus der Masse de Releases abhebt, auf das ich mich wirklich gefreut habe und es nicht nur zur Kenntnis nehme. Warum? Weil Hutch’ Stimme eigenartig eingängig ist, weil seine Songs mitreißen, weil Kathy eine verblüffende Bassistin (und Schlagzeugerin) ist, weil die THERMALS Charakter haben, das Maul aufreißen. Punkrock, Postpunk oder Indierock? Keine Ahnung, wie ich nennen soll, was das Trio macht, es ist einfach mitreißende, wütende Musik von einer Band mit starker Persönlichkeit, die im Sommer auf ein paar Festivals spielen wird, bevor dann im Oktober die nächste Tour ansteht. Hutch sprach mit mir am Telefon.

Death. Der Tod. Offensichtlich ein zentrales Thema eures neuen Albums.

Ja. Der Tod ist allgegenwärtig. Und wir machen mit diesem Thema da weiter, wo wir mit dem letzten Album aufgehört haben. Da starben ja alle. Klar, es war alles Fiktion, und auch diesmal sind alle Texte fiktiv, ich schreibe da nicht aus eigener Erfahrung, es sind keine eigenen Erlebnisse. Ich blicke einfach auf die Geschichte der Menschheit zurück und mache mir Gedanken über den Tod und das Leben.

Der Tod ist ein Thema, das einerseits viele Menschen verdrängen, andererseits ist es auch ein beliebtes Thema im Rock’n’Roll-Kontext.

Genau, einerseits haben wir Angst davor, wollen gar nicht darüber nachdenken, und andererseits dreht sich so viel in unserer Kultur, in Musik, Film und Literatur darum. Jeder Künstler kommt zwangsläufig irgendwann an den Punkt, an dem er sich damit beschäftigt – oder beschäftigen muss.

Gab es ein bestimmtes Ereignis, dass dich zu diesem Thema gebracht hat?

Nein, ich hatte das schon immer im Hinterkopf, schon seit meiner Kindheit. Diesmal bin ich wieder darüber gestolpert, als ich ein Thema für das neue Album suchte. Beim letzten Album hatte ich das Thema Zukunft im Sinn, und daraus wurde dann dieses Konzeptalbum, und diesmal, für „When We Were Alive“, sinnierte ich über die Geschichte der Menschheit, darüber, dass ich mich schäme, ein Mensch zu sein.

In welcher Hinsicht? Als US-Amerikaner, allgemein als Angehöriger jener Spezies, die den Planeten zerstört?

Ja, genau deswegen: Wegen der Zerstörung des Planeten und weil wir uns gegenseitig vernichten. Die Menschen sind einfach nur Wilde, die plündernd über den Planeten ziehen. Kein anderes Tier hat mehr Schaden auf der Erde angerichtet. Wir leben nicht in Harmonie mit der Natur, wir bekämpfen sie. Wir halten uns für so fortgeschritten, dabei sind wir aber so primitiv und gewalttätig.

Und was tust du dagegen, außer Texte darüber zu schreiben? Ist dein Lebensstil besser als der des durchschnittlichen Amerikaners, weil du beispielsweise Bio-Lebensmittel kaufst und weniger Auto fährst?

Nein, nichts davon trifft auf mich zu. Ich bin auch nicht besser und klüger. Deshalb schreibe ich meine Texte auch aus der Wir-Perspektive, schreibe nicht: „Ihr tut dies oder das“. Ich nehme die Schuld auf mich, habe insgesamt gesehen nicht viel Hoffnung für die Menschheit, denn Menschen sind egoistisch.

Immerhin bewegt es dich aber so sehr, dass du Texte darüber schreibst.

Ja, aber ich versuche, nicht zu predigen. Ich denke, ich erzähle ja niemandem was, was er nicht schon weiß. Ich fühle mich nicht klüger als jemand anderes. Und ich versuche auch nicht, immer genau zu analysieren, was ich mache.

Na ja, aber irgendwas treibt dich ja an. Das letzte Album war sehr politisch, und in Interviews hast du dich klar gegen die damalige Regierung geäußert. Du wirst schon recht deutlich, was deine Meinung zu bestimmten Themen ist.

Absolut. Ich versuche aber, meine Meinung etwas „eingängiger“ zu äußern.

Apropos eingängig: Sind auch die Songs auf dem neuen Album, das ihr selbst scherzhaft als „post-power-pop“ bezeichnet – das davor beschreibt ihr als „post-pop-punk“ –, wieder „catchy“?

Klar! Da sind zuerst die Melodien, und dann die Texte, an denen ich hart arbeite, damit die clever sind – wenn auch nicht zu clever. Es geht darum, Melodien zu schaffen, die sich immer wieder in deinen Kopf drängen, und die Texte hängen sich da dran. Ein gutes Beispiel dafür ist „When I die“, da bewegen sich die Worte sehr schön durch den Song – das Lied ist wie eine Mischung aus einem bekannten Musical-Song und einer HipHop-Nummer. Und natürlich hat es einen eingängigen Refrain.

Wie gehst du an das Songwriting heran?

Wenn man etwas schreibt, weiß man eigentlich schnell, was einem gefällt und was nicht, wobei das, was nicht gefällt, sicher schneller zu erkennen ist. Und dann musst du eben versuchen, an den Punkt zu kommen, wo es dir gefällt. Ich schreibe Songs und Texte, weil es mir dann gut geht, weil es mich zufrieden und glücklich macht, aber auch der Wunsch, etwas zu schreiben, das anderen gefällt, spielt mit hinein.

Wer gibt dir direktes Feedback zu dem, was du tust – deine Bandkollegin Kathy?

Ja, natürlich ist es Kathy. Ihr spiele ich die Songs als Erstes vor. Wir machen ja schon seit 13 oder 14 Jahren zusammen Musik, das fing also schon lange vor den THERMALS an. Ein gutes Beispiel für unsere Zusammenarbeit war unsere Probe vor ein paar Tagen: Ich hatte ein paar neue Ideen, spielte sie Kathy auf der Gitarre vor, und sie nickte bei den Sachen, die ihr gefielen. So läuft das bei uns schon lange. Meine Texte mache ich aber immer alleine fertig.

Drei Jahre sind seit dem letzten Album vergangen, da kann ich kaum glauben, dass seitdem nicht mehr als die elf Songs auf der neuen Platte entstanden sind. Was ist mit den anderen passiert?

Oh, es gibt so viele Songs ... 30 sind es bestimmt. Oft ist es so, dass man das Gefühl für einen Song wieder verliert, wenn man keine Chance hat, ihn aufzunehmen. Und so lasse ich manche Songs einfach in der Schublade verschwinden, auch wenn Kathy und ich die lieben. Aber das waren einfach keine echten THERMALS-Songs, und ich muss mal sehen, was mit denen passiert.

Es gibt also eigentlich Stoff für ein zweites Album, das niemand als THERMALS-Album erkennen würde?

Man würde mich sicher an meiner Stimme erkennen, aber ich lege Wert darauf, dass die Leute erkennen können, wie die THERMALS klingen. So muss ich mir eben anhören, dass unsere Songs, unsere Platten alle gleich klingen, aber das ist mir egal, ich will ja, dass man den speziellen THERMALS-Sound erkennen kann. Vor diesem Hintergrund macht es mir nichts aus, mal einen Song wegzuwerfen.

Die neue Platte ist nicht mehr auf Sub Pop, sondern auf Kill Rock Stars. Wie kam das?

Sub Pop boten uns einen neuen Vertrag für zwei weitere Platten an, wir dachten darüber nach, aber so sehr es uns auch auf Sub Pop gefallen hatte, so war der Vertrag doch der Gleiche wie der davor. Doch wir haben mittlerweile andere Vorstellungen: Wir haben das Album selbst aufgenommen, selbst dafür bezahlt, haben alles selbst in der Hand behalten. Und so wollten wir die fertige Platte einfach einem Label als Lizenz anbieten. Kill Rock Stars waren interessiert, sie hatten den besten Deal, und das ist alles.

KRS ist aber natürlich ein wesentlich kleineres Label.

Stimmt, aber Größe ist ja nicht alles und spielt in diesem Fall keine Rolle für uns. Was bringt es dir, wenn du auf einem großen Label bist, das aber zeitgleich mit deiner Platte noch 20 andere veröffentlicht? Von daher denke ich, dass uns der Labelwechsel auf keinen Fall schadet.

Hat der Labelwechsel auch was mit den veränderten Bedingungen im Musikgeschäft zu tun, also dass Bands heute viel selbstbewusster auftreten und sich stärker selbst um ihre Geschicke kümmern?

Wir haben schon immer darauf geachtet, uns selbst um die wichtigen Dinge zu kümmern. Kathy und ich hatten noch nie einen Manager, wir kümmern uns selbst um alles Geschäftliche. Unsere Entscheidung für KRS hatte also auch damit zu tun, selbst noch mehr Kontrolle über alle Aspekte zu haben. So haben wir als Band angefangen, und jetzt versuchen wir eben möglichst alle Bereiche unseres Tuns selbst zu kontrollieren.

Und was ist der nächste Schritt? Dass eine Band ganz auf ein Label verzichtet und direkt mit iTunes und Amazon verhandelt?

Nein, auch wenn man das schon auch selbst in die Hand nehmen könnte. Man müsste einfach Geld in die Hand nehmen, jemand für die Pressearbeit und so anheuern. Es gibt schon noch gute Gründe, ein Label zu haben, denn sie nehmen dir viel Arbeit ab, und Sub Pop hat vom reinen Veröffentlichen des Albums abgesehen eine Menge für uns getan. Wir hatten darüber nachgedacht, das Album selbst zu veröffentlichen, wir hätten das sicher hinbekommen und uns das auch leisten können, aber es hätte so viel Arbeit bedeutet, dass wir kaum noch Zeit für kreative Arbeit als Band gehabt hätten. Aber wir haben ja nicht eine Band gegründet, um ständig nur mit der Business-Seite von Musik beschäftigt zu sein. Und schon so, wie es jetzt ist, sind Kathy und ich jeden Tag vier, fünf Stunden mit Business-Sachen beschäftigt. Das ist okay, das macht Spaß, aber auch noch anzufangen, kistenweise LPs und CDs in meiner Wohnung zu lagern, das muss nicht sein. Das kann gerne jemand anderes machen – das Label.

Ihr habt mal wieder den Drummer ausgetauscht. Was ist mit Caitlin Love passiert, wo kommt Westin Glass her?

Der kommt aus Seattle, und mit Schlagzeugern ist es bei uns wie bei NIRVANA oder SPINAL TAP. Das sind zwei der besten Bands aller Zeiten, und mit denen etwas gemeinsam zu haben, stört mich überhaupt nicht. Warum das bei uns so ist? Keine Ahnung, aber da Kathy auch eine gute Schlagzeugerin ist, hat uns das bislang nie Probleme bereitet: Wenn es nötig ist, spielt sie eben. Mit Wes haben wir aber jetzt auch schon ein paar Songs geschrieben. Und einfach als Duo zu arbeiten, darauf habe ich keine Lust, ich will auf den Bass nicht verzichten.

Dein Coverartwork ist auch wieder gelungen – was will uns der Künstler mit diesem Schwan-Bild sagen?

Es ist das erste THERMALS-Cover, auf dem nicht irgendwas brennt. Es sieht beinahe friedlich aus, und es ist eine Fortsetzung der anderen Coverbilder. Es hat etwas Post-Apokalyptisches, offensichtlich hat da ein sehr zerstörerischer Krieg stattgefunden, und dann sitzt da dieser Schwan auf einem Berg eingestürzter Häuser, aus dem Himmel regnet Fallout. Aber es gibt Hoffnung: Aus dem Schutt wächst eine Blume. Das Bild steht dafür, wie wir uns gerade fühlen, wo wir gerade stehen – als Land wie als Band. Wir kommen gerade erst aus dieser dunklen Zeit heraus.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #83 (April/Mai 2009)

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