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Interviews & Artikel

SMOKE BLOW

In unserer heutigen Konsumgesellschaft ist es schwerer denn je, gute Bands im Wust von unterbelichteten Kasperkapellen auszumachen. Es gibt zwar kein Patentrezept, doch die Erfahrung hat mich gelehrt, die Spreu vom Weizen mit Hilfe dreier simpler Fragen zu trennen. Erstens: „Wieviele Bands gibt es schon, die so klingen wie die auf dem Prüfstand stehende?“, zweitens: „Besteht die Combo aus realitätsfremden, arroganten Arschlöchern?“ und abschließend drittens: „Überzeugt die Liveperformance der Formation oder stellen sich die Instrumentalisten als Luschen heraus, die lediglich durch Manipulation im Studio ihr Nichtkönnen vertuschen konnten?“. In dieser Reihenfolge lauten die Antworten in Bezug auf die Kiel-Mettenhofer SMOKE BLOW: „Keine einzige!“, „Nicht im entferntesten, die Jungs sind einfach töffte und völlig bodenständig!“ und „Fuck! Diese Bastarde sind die mit Abstand beste Liveband Deutschlands!“.Womit Frontmann Jack Letten samt Gespann mit Leichtigkeit und Bravour die volle Punktzahl dieses kleinen Tests erreicht hätte. Neben dem großartigen neuen Album „Punkadelic - The Godfather Of Soul“ - auf das es sich glatt zu onanieren lohnt - also ein Grund mehr für ein Gespräch mit dem guten Mann. Und so rief er mich - als armer Musiker mit nur sechs Mark in der löchrigen Hosentasche - an einem Juliabend aus einer Telefonzelle nahe eines norddeutschen Bauernhofs an und betonte im weiteren Verlauf der Plauderei kontinuierlich den Verlust der „verdammten Kohle“ die zu seinem Leidwesen anscheinend rasendschnell durch das Innere des Münzsprechers rasselte.

Hummel, Hummel, Moin, Moin (Mors, Mors heiß dat, Du Spacken- d. Setzer!) ; schön, dich am Draht zu haben, Herr Letten! Erstmal: Wie war eure soeben absolvierte Headlinertour?


Die Tour war eigentlich ganz okay, aber aufgrund einiger Konkurrenzveranstaltungen teilweise leider etwas schwierig zu handlen. Am selben Tag, an dem wir z.B. in München spielten, waren auch AC/DC dort und da hatten wir natürlich als verhältnismäßig kleine Band das Nachsehen.

Wie? Die Leute gehen lieber zu alten, in Schuluniform rumhampelnden Säcken als zu euch? Warum habt ihr die Jungs denn nicht als Vorband engagiert?

Nee, das muss nun wirklich nicht unbedingt sein, da bin ich gar nicht so scharf drauf; so war´s schon ganz okay, hehe.

Mittlerweile ist euer neues Album ja auch schon ein paar Tage auf dem Markt. Wie sind die bisherigen Resonanzen?

Die sind eigentlich durchweg gut. Bei „Punkadelic“ hat sich ja auch der Aufnahmeprozess wesentlich länger hingezogen als es beim Vorgänger „777 Bloodrock“ der Fall war, und das merkst du dem Ding auch an. Die Platte wurde step by step aufgenommen, was eine wirklich neue Erfahrung für uns war. Erst Schlagzeug, dann Bass, gefolgt von Gitarren und Gesang, und zum Schluss kamen noch viele Keyboard- und Sologeschichten hinzu, so dass das gesamte Recording sich bei der Scheibe über ca. vier bis fünf Monate erstreckte.

Und das alles in eurem eigenen Proberaum?

Jawoll! Wir haben in unseren normalen Proberaum einen kleinen Aufnahmeraum eingebaut, den wir mit Teppichen abdichteten; das war echt abenteuerlich, kann ich dir sagen! Die letzte Platte hatten wir ja auch schon selbst produziert, aber das ist normal bei uns, denn wir können uns ja, verdammt nochmal, kein Studio leisten! Bei „777 Bloodrock“ ging es wesentlich schneller, die hatten wir an einem Wochenende im Kasten. In einem Rutsch alle Stücke rein und feddich, das war wirklich sehr easy. Bum, bum, zack, und feddich is´ die Scheiße!

Im direkten Vergleich fiel mir schon beim ersten Hören auf: „Mensch, der Letten kann ja richtig singen!“

Das hat sich einfach so entwickelt. Irgendwie fand ich es langweilig, andauernd den wütenden, wilden Asi raushängen zu lassen und ständig gegen die Musik anzuschreien. Es war echt mal an der Zeit, meine feminine Seite rauszulassen. Heutzutage muss man halt ab und an auch mal ´n bisschen rumträllern, und außerdem will ich ja auch mal ´n paar Tussis abbekommen, das kann ja so nicht weitergehen! Singen konnte ich eigentlich schon immer, das Problem war nur, dass ich nicht wollte und mich ehrlich gesagt nicht getraut habe, weil ich immer dachte, das käme irgendwie lächerlich rüber.

Quatsch, dat rockt! Die Songs hast du wieder im Alleingang geschrieben, oder?

Bei uns läuft es immer so, dass ich die Grundstruktur der Songs schreibe, aber die Ausarbeitung erfolgt immer in Zusammenarbeit mit den anderen Jungs. Eigentlich wollten wir auch endlich mal in einer unserer Platten die Lyrics abdrucken, aber irgendwie hat es doch wieder nicht geklappt. Das lag zum großen Teil sicherlich daran, dass ich aufgrund des Zeitmangels in letzter Sekunde keinen Bock mehr hatte, meine ganzen Merkzettel - ich schreibe die Texte immer auf so kleine Merkzettelchen - rauszukramen. Das waren so dermaßen viele Zettel, dass es insgesamt bestimmt eine ganze Woche gedauert hätte, die Dinger auseinander zu fummeln und sinngemäß aneinander zu hängen.

Verstehe, das wär´ mir auch entschieden zu viel Stress gewesen, ähem...

Im Prinzip ist es jetzt natürlich doch ein bisschen schade, denn die Texte sind dieses Mal eigentlich gar nicht so schlecht geworden, aber beim nächsten Mal klappt´s bestimmt!

Hast du aus Bequemlichkeitsgründen beim Song „TV Show“ das Mikro eurem Gitarristen Kentucky in die Hand gedrückt oder hat er sich freiwillig zur Verfügung gestellt?

Hehe, der hat einfach diesen geilen Punkrock-Spirit in der Stimme. Weißt du, was ich meine? So richtig „Augen zu und durch“, das finde ich saugeil, kann es aber selbst leider mittlerweile gar nicht mehr. Ich nehm´ mich da als Sänger inzwischen eh viel zu wichtig, ich kann verdammt nochmal keinen richtig guten Punkrock-Song mehr singen, das gibt mir ernsthaft zu denken! In Zukunft wird Kentucky vielleicht des öfteren ein Stück zum Besten geben, denn seine Performance war echt geilo.

Mit PAYOLAs Freudenberg ist bei „Sweetwater“ auch ein musikalischer Gast an Bord. Hattet ihr vor einiger Zeit nicht ein gemeinsames Sixtiesprojekt in Planung?

Stimmt, Freudenberg hat „Sweetwater“ ja auch mitgeschrieben. Mit dem Sixtiesprojekt hatten wir vor einiger Zeit auch tatsächlich schon begonnen, kamen aber aus Zeitmangel leider nicht sonderlich weit und haben so das Stück mit auf unsere Platte übernommen, zumal es auch echt gut im Kontext zu den anderen Songs harmoniert.

Ein weiterer Gast ist Bountyhead, der für die zahlreichen elektronischen Spielereien verantwortlich zeichnet. Ist er mittlerweile festes Bandmitglied oder zumindest bei euren Liveauftritten dabei?

Yo, Bountyhead ist ein Freund von mir, so ein ganz komischer Krautrock-Althippie. Der hat aber keine Zeit, fest bei uns einzusteigen oder mit uns zu touren, da er von Beruf Windmaschinen baut. Kennst du die? Das sind die Teile, die auf den CULT-Platten zu sehen sind. Er nennt sich übrigens Ingenieur und werkelt die Dinger zusammen.

Heutzutage sind Bands mit einem eigenen Charakter ja leider eher spärlich gesäht. Was glaubst du, ist der Grund dafür, dass ihr es trotzdem geschafft habt, dass man beim Hören eurer Platten sofort sagt „Hey, das sind doch SMOKE BLOW!“?

Wenn Leute sagen, unser Sound sei durch unsere Herkunft geprägt oder ähnlichen Quatsch, dann ist das absoluter Nonsens. Das Asi-Image und überhaupt alles hat sich in den vergangenen Jahren einfach größtenteils ohne unser gewolltes Zutun (insofern man es nicht als „Zutun“ bezeichnet, sich auf der Bühne nackt eine Bierflasche über die Rübe zu ziehen! - Anm. d. Verf.) so entwickelt. Weißt du, der eine hat halt in dieser Band gespielt, der andere in der nächsten, und so haben sich dann die verschiedenen Einflüße zusammengetragen und ergeben den heutigen SMOKE BLOW-Sound, eine ganz natürliche Sache also.

Die dem „Punkadelic“ beiliegende Biografie der Mettenhofer mit in Schönschrift von Letten himself verfasstem Anschreiben - das die Behausung des Meisters auf explizite Weise („Im Fahrstuhl riechts nach toten Omas...“) darstellt - entspricht, ebenso wenig wie die eigenständige Musik, nicht gerade dem Standard anderer Bands, die sich und ihr Schaffen in Infos allzu oft als das Maß aller Dinge darstellen. Wie kam es dazu?

Das war meine Idee, weil ich einfach keinen Bock mehr auf diese wichtigtuerischen Infos hatte, in denen eh immer dasselbe wie „Das ist die Platte des Jahrhunderts“ oder „Die Band verarbeitet diese und jene Einflüße“ geschrieben steht. Ich bekomme wirklich regelmäßig immer wieder das Kotzen, wenn ich mir solchen Unsinn ansehen muss. Ich wollte einfach was Lustiges beilegen, wo die Leute auch merken, dass wir uns selbst nicht ganz so ernst nehmen. Das übliche Rumgeschrei nervt doch wirklich nur.

Zumal in solchen Blättchen ja auch gerne kategorisiert wird. Das braucht ihr leider nicht selbst zu tun, denn obwohl es wirklich jedem einleuchten sollte, werdet ihr von der Presse teilweise immer noch als Stonerrockband angepriesen. Geht euch das nicht langsam auf den Sack?

Das geht mir in der Tat absolut auf die Eier, da hab´ ich überhaupt keinen Bock mehr drauf! Auch der Begriff Doom Metal fällt da sehr oft. Dabei sind wir im Prinzip viel eher eine Punkrock- bzw. Hardcoreband. Du brauchst nur unsere Einflüße zu addieren, denn das ist zum Großteil eben Punkrock.

Wobei die Schublade Doom Metal gar nicht so weit hergeholt erscheint, kursieren doch seit einigen Wochen die Gerüchte, ihr hättet im Fall eines Misserfolges von „Punkadelic“ das Vorhaben, nur noch Death Metal zu machen. Ist da etwa was Wahres dran, zumal eure aktuellen Fotos auch zweifelsfrei auf einem Knochenwerfer-Release prangern könnten?

Death Metal nicht unbedingt, aber schon in Richtung Crustcore oder ähnliches. Wir müssen einfach mal sehen, wie wir Lust und Laune haben; das ist einfach eine Frage des Zustands. Wenn ich richtig schlechte Laune habe, wütend bin, jemand mich in den Arsch gefickt hat, ich meinen Job verloren habe und gleichzeitig meine Freundin, dann nehme ich lieber ´ne krachige Crustcore-Platte anstatt irgend ´ne poppige Beachscheibe auf. Ich kann es jetzt noch nicht genau sagen, da es vom jeweiligen Zustand abhängt. Das variiert aber bei mir von Tag zu Tag; an dem einen schreibe ich einen Gothicsong, am anderen eine Metal-Nummer und am nächsten ein Punkrock- oder Garagestück. Man kann uns auf keinen Stil festlegen und behaupten, wir seien „Punk“, „Hardcore“, „Doom“ oder „Pop“. Das eine Stück klingt eben mehr nach jener, das nächste nach einer völlig anderen Richtung.

Mit Grunzvocals hätte Letten wohl keine großen Probleme, wie man ansatzweise bei einigen Songs des neuen Albums raushören kann. Stimmt es, dass du neben SMOKE BLOW an einer Soloplatte feilst?

Ich komme eigentlich auch aus der Richtung, da ich vor SMOKE BLOW in einer Crustband geträllert habe. Was die Sologeschichte angeht: Ich werde auf jeden Fall mal was ausprobieren, weiß aber noch nicht ganz genau, was. Es ist ja bei SMOKE BLOW so, dass wir generell jeden Song auf der Basis des Gesangs aufbauen. Zuerst kommt also die Gesangslinie, dann lege ich die Grundriffs darunter usw. Ähnlich machen es auch WEEZER, das wäre eine Richtung, die ich mir z.B. vorstellen könnte: Etwas poppiger als SMOKE BLOW, mit Sixties-Einflüssen, aber trotzdem unterlegt von einer kräftigen, bratigen Gitarre.

Darauf, und auf alles weitere, was diese grandiosen Burschen in Zukunft anstellen werden, freut sich jetzt schon:

Dominik Winter

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #44 (September/Oktober/November 2001)

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