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Interviews & Artikel

8KIDS

Die Grenzen des Gefühlezeigens

Melancholisch-düsterer Post-Hardcore ist spätestens seit FJØRT ziemlich angesagt im Land. Und 8KIDS aus Darmstadt sind die nächste Band, die sich anschickt, das Genre voranzubringen. Ihr Debütalbum „Denen die wir waren“ überzeugt mit Songs, die inmitten aller Wucht auch die Schönheit einer Musik nicht zu kurz kommen lassen, die vor allem über introvertierte, sehr persönliche Texte wirkt. Gitarrist, Sänger und Songschreiber Hans Koch sprach mit uns über Grenzen des Gefühlezeigens und das Reißleineziehen im rechten Moment.

Hans, ich erwische dich gerade im Auto. Wohin bist du unterwegs?

Ich fahre zu einem Songwriter-Seminar.

Brauchst du Nachhilfe in dieser Disziplin?

Haha, nein. Es ist ja so, dass ich bei einem Musikverlag arbeite. Ich bin dort Autor. Und heute treffe ich mich mit zwei anderen Autoren und wir schreiben gemeinsam tatsächlich Songs – Popsongs – für andere, noch unbekannte Künstler.

Pop? Also kann man sagen: Du bist in mehreren Genres unterwegs. Aber 8KIDS sind deine musikalische Heimat?

Absolut. Die Band ist das, was mir Spaß macht und wo mir das Herz aufgeht. Ich habe über die Jahre schon recht viel gemacht. Angefangen habe ich, wie fast jeder, als Jugendlicher in einer Metal-Band. Dann kam der Punkrock. Es gab eine Singer/Songwriter-Zeit. So richtig mit Akustikgitarre und so. Und jetzt sind es 8KIDS.

Warum ist es bei 8KIDS geblieben?

Ich war mit unserem zweiten Gitarristen und Sänger Jonas schon in diversen anderen Bands und wir hatten da auch mit Plattenfirmen und Managements zu tun. Irgendwann merkten wir aber, dass wir Musik nur noch für andere machten, nicht für uns. Es wurde zu poppig und lief in eine Richtung, die wir nicht wollten. Also zogen wir die Reißleine und sagten uns: Moment mal! Wir machen Musik doch eigentlich, weil wir Metal, Hardcore und Punk so lieben. Also lass uns das auch so durchziehen. So entstanden 8KIDS.

Euer Album heißt „Denen die wir waren“. Das hört sich an wie die kurze Version von „Denen gewidmet, die wir waren.“ Wie waren denn diejenigen, die ihr mal wart?

Der Titel ist ja ein wenig ungelenk und kann auf zweierlei Art als Widmung verstanden werden: Es geht um die Leute, die wir persönlich kannten und die wir im Laufe der Zeit hinter uns lassen mussten oder die uns verlassen haben. Und es geht um unseren eigenen Werdegang als Musiker und als Band – was zum Thema „Ängste“ führt. Welche Ängste von früher sind geblieben? Welche haben sich verändert?

Und, wie sieht es aus mit der Angst?

Die Ängste sind immer noch die gleichen. Es geht immer noch vor allem um die Angst davor zu scheitern. Aber heutzutage können wir uns diesen Ängsten besser entgegenstellen, weil wir eben das machen, was wir machen wollen und was uns erfüllt.

Gab es einen auslösenden Moment, in dem ihr diese Ängste erfolgreich überwunden habt?

Es gab zwei. Das war erstens der Moment, den ich eben schon erwähnte: Der, in dem wir die Reißleine gezogen haben. Jonas und ich waren damals so verzweifelt und uns ging es so schlecht, dass wir beinahe keine Lust mehr hatten, weiter zu Musik zu machen. Und der zweite Moment war der, in dem es mit 8KIDS so ein richtiges Konstrukt wurde. Als es richtig losging.

Das „Wann“ kennen wir nun. Bleibt noch die Frage: Wie ging es los?

Wir haben ganz spartanisch angefangen. Ich habe ein paar Instrumentalsachen geschrieben, auf die Jonas etwas texten sollte. Und das Texten lief zunächst auf Englisch. Bis wir merkten, dass die Musik immer düsterer und melancholischer wurden. Da ging es plötzlich um derart persönliche Dinge, dass wir die Verständlichkeit der Muttersprache brauchten. Das hat uns auch noch mal einen Schub gegeben und wir sind dabeigeblieben. Mit Englisch würden wir uns nur limitieren.

Als ich eure Platte zum ersten Mal hörte, dachte ich als Erstes: Das sind FJØRT. Findest du diesen Vergleich in Ordnung oder stört er dich?

Er stört mich überhaupt nicht. Es ist ja schon ein naheliegender Vergleich. FJØRT sind nun einmal die erste Post-Hardcore-Band aus Deutschland, die so richtig für Aufsehen gesorgt hat, und es gibt musikalische wie textliche Parallelen zwischen ihnen und uns. Das ist also nicht der schlechteste Vergleich.

Wenn es um persönliche Texte geht, fällt der Song „Zeit“ auf, in dem offenbar eine Trennung verarbeitet wird. Stammt er von dir?

Ja. Der Text ist schon vor vier Jahren entstanden. Damals wurde ich plötzlich von meiner Lebensgefährtin verlassen. Wir waren zuvor lange zusammen gewesen. Entsprechend war ich zwei Jahre lang wirklich im Sack. Bis mir irgendwann die Idee kam: Schreib doch mal einen Song über diese Trennung und deine Trauer. Viele andere Künstler sagen ja auch, dass sie so etwas mit Musik verarbeiten. Ich schrieb dann einfach drauflos. Und in diesem Moment, in dem ich mich erstmals wirklich mit meiner Trauer auseinandersetzte, verschaffte mir das Ganze denn auch Linderung. Mittlerweile bedeutet mir gerade dieser Song noch so viel mehr. Er hat für mich eine Metaebene erreicht und dreht sich nicht mehr nur um eine Trennung, sondern generell darum, dass man manchmal im Leben auch loslassen muss und dass es einem dadurch sogar besser gehen kann, wenn es sich zum Beispiel um irgendwelche Laster handelt.

Kennt die Person, um die es in dem Stück geht, das Lied?

Ja. Ich habe ihr den Song vorgespielt. Ich sagte zu ihr: „Das ist etwas, was ich dir lange schon sagen wollte.“ Und das hat sie dann sehr berührt. Es war ein ziemlich krasses Erlebnis.

Gibt es für dich vor dem Hintergrund dieser tiefen Einblicke in dein Seelenleben auch eine Grenze, einen Punkt, an dem du sagst: „Das veröffentliche ich jetzt nicht. Darüber schreibe ich nicht!“?

Ja. Ich würde niemals private Details aus dem Leben von Familienmitgliedern oder überhaupt Menschen, die mir am Herzen liegen, ausplaudern. Es muss immer noch auf einer metaphorischen Ebene geschehen. Die Person darf nicht offen zu erkennen sein. Ansonsten gibt es aber keine Grenzen. Ich habe schon für unsere EP den Song „Schatten an der Wand“ geschrieben. In dem geht es um meinen Bruder, der unter einer Psychose litt. Da habe ich mich auch hier und da gefragt: Kannst du das so schreiben? Und ein wenig metaphorisch verpackt hat das funktioniert. Der Song hat ihm und allen anderen jedenfalls sehr gefallen.

Und wie ist es bei dir persönlich: Musst du dich manchmal vor dir selber schützen, wenn es darum geht, in deinen Songs Privates preiszugeben?

Nein. Davor habe ich gar nicht so große Angst. Im Gegenteil: Ich finde es besser, wenn man den Leuten erzählt, was man für Probleme hat. Und wenn man dann noch einen Song darüber schreiben kann, ist es umso schöner. Die Menschen sollten über das, was sie bewegt, sprechen und nicht alles in sich hineinfressen. Es ist gut und wichtig, wenn man als Mensch zugeben kann, dass es einem nicht so gut geht.

Ihr seid mittlerweile bei Napalm Records unter Vertrag. Das zeigt: „Uns ist es ernst!“ Also: Wie ernst ist es euch mit der Band?

Ich kann diesbezüglich zwar nur von mir sprechen, setze aber mal voraus und hoffe, dass die anderen das ähnlich sehen. Ich habe den Anspruch, dass wir richtig wachsen. Dass wir es immer weiter bringen. Noch sind wir recht unbekannt. Aber das soll sich ändern. Und es wäre schön, wenn wir irgendwann vielleicht von der Band leben könnten. Stets vorausgesetzt, dass wir uns niemals anpassen oder den Interessen anderer nachgeben.

Wie straff sind 8KIDS durchorganisiert, um sie zu erreichen?

Wir sind keine Band, die im Proberaum sitzt und stundenlang über Melodielinien diskutiert. Wir sind schon strukturiert. Ich nehme zu Hause in meinem kleinen Homestudio ein paar Instrumentalstücke auf und schreibe meist auch schon einen Teil des Textes – zumindest ein Thema, einen Refrain, eine einzelne Strophe. Und dann kommen wir zusammen und machen das Ganze quasi organisch. Die Atmosphäre dabei ist ziemlich entspannt. Das Schwierigste an der ganzen Sache ist es, die Texte fertig zu bekommen. Da sitzen am Ende Jonas und ich schon mal ein paar Stunden zusammen und müssen manchmal richtig kämpfen.

Es soll Musiker geben, die behaupten, sie könnten Songs in Minuten schreiben ...

Ja, haha. Das habe ich auch schon häufig gehört. Aber ganz ehrlich: Das ist mir noch nie passiert. Im Gegenteil: Ich bin manchmal wirklich richtig verzweifelt, haha. Aber das gehört dazu, wenn man kreativ ist.

Frank Weiffen

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #133 (August/September 2017)

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