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Interviews & Artikel

HEIM

Ein Herz für Krach

Vor ziemlich genau zwei Jahren ploppte das Album „Palm Beach“ von HEIM wie aus dem Nichts auf der Bildfläche auf. Sie klangen wie eine ultracoole Indie-Band aus den Neunzigern. Nur eben nicht aus Portland oder Seattle, sondern aus Bamberg und Nürnberg. Genialer Krach mit deutschen Texten. Erschienen bei Tapete Records. Damals überzeugte vor allem der ständige Wechsel zwischen Leichtigkeit und brachialem Krach. Und jetzt gibt es mit „WS“ einen Nachfolger. Ein Album, das eine durchaus schwere Geburt war, wie Schlagzeuger Michael „Mike“ Shihrer im Interview bestätigt.

Was ist nach „Palm Beach“ passiert? Man hat in den einschlägigen Musikmagazinen nicht wirklich viel über euch gelesen.


Es gab einige Leute, die das Album cool fanden und unsere Musik auch live hören wollten. Aber passiert ist eigentlich nicht viel. Es gibt so einen kleinen Kreis in Mannheim, der uns ganz toll findet, aber überwältigend positive Resonanz kam nicht. Wir sind auch nicht so offensiv im Internet unterwegs, muss ich sagen. Und das große Interesse blieb auch irgendwie aus. Wirklich voll waren unsere Konzerte nie. Das hat uns aber auch nie gestört. Wir hatten eine sehr gute Zeit letztes Jahr. Wir haben viele Shows gespielt und den Leuten bei den Konzerten hat es auch gut gefallen. Es ist uns auch nicht wichtig, ob uns viele Leute toll finden oder nicht. Darum geht es nicht. Wir wollen einfach nur das machen, was uns Spaß macht.

Ihr habt im Sommer auch bei einigen Festivals gespielt, wie beim Orange Blossom Special, beim Maifeld Derby oder zuletzt beim Reeperbahn Festival. Wo habt ihr euch am wohlsten gefühlt?

Am wohlsten habe ich mich bei den Shows in den kleinen Clubs gefühlt. Und von den Festivals war das Orange Blossom in Beverungen der Hammer. Das so eine eingeschworene Gemeinde dort. Das gibt es seit zwanzig Jahren und es ist immer sofort ausverkauft. Dieses Jahr waren etwa 2.000 Leute da, vor so einem großen Publikum hatten wir noch nie gespielt. Das war schon beeindruckend.

Das neue Album hatte ja keinen einfachen Start. Ihr hattet eine ganze Zeit keinen Proberaum. Kannst du den Entstehungsprozess schildern?

Dadurch, dass unser Sänger Denny bis vor einem Jahr in Hamburg gelebt hat, gab es keine Möglichkeit, uns regelmäßig zum Proben zu treffen. Es war dann eben so, dass wir uns in Proberäumen von Bekannten parasitär eingenistet haben. Dort haben wir dann an neuem Material gearbeitet und gleichzeitig für die Tour zu „Palm Beach“ geprobt. Jeder Probentag war deshalb etwas Besonderes. Früher sind wir dreimal in der Woche in den Proberaum gegangen, bevor wir aufgenommen haben. Die acht Songs auf dem Album sind alle in unterschiedlichen Proberäumen entstanden. Letztes Jahr haben wir ja rund sechzig Shows gespielt und da haben wir uns meistens zwei Tage vorher irgendwo getroffen.

Welche Auswirkung hatte diese Situation auf den Sound? Für das erste Album habt ihr ja intensiv geprobt und es dann quasi live im Studio aufgenommen.

Wir wollten auf jeden Fall wieder mit Christian Bethge im RAMA-Studio in Mannheim aufnehmen, weil es menschlich gut gepasst hat. Diesmal wollten wir aber auch ganz bewusst nicht live aufnehmen, sondern alle Möglichkeiten nutzen, die so ein Studio bietet. Und aufgrund der Proberaumsituation wäre es auch schwer gewesen, die Songs live einigermaßen tight einzuspielen. Wir wollten aber auch mal was anderes ausprobieren. Wir haben jetzt viele Overdubs, Pianos, Keyboards und Orgel auf dem Album. Wir waren auch tatsächlich nie zu dritt gleichzeitig im Studio. Einer konnte immer nicht, deshalb hatte ich die anderen immer nur auf dem Kopfhörer. Das war ganz schön komisch anfangs, ging aber dann besser als gedacht.

Wie hat sich der Sound aus deiner Sicht verändert? Ich finde, das neue Album klingt ein bisschen versöhnlicher und weniger aggressiv.

Ich finde, dass es ein bisschen poppiger geworden ist. Aber der Sound gibt immer noch die HEIM-Essenz wieder. Das sind immer noch wir. Vor allem ist in dieser Platte nicht so ein krasser Bruch wie auf „Palm Beach“. Da haben viele Leute gesagt, ich mag die erste Hälfte lieber als die zweite und andersherum. Es war also sehr ambivalent. Ich denke, dass ist beim neuen Album nicht so krass. Aber Aggression steckt natürlich trotzdem noch drin.

Welche Rolle spielt Christian Bethge für eure Musik?

Er versteht einfach gut, wie wir als Band funktionieren, und fängt das auch gut ein. Und er hatte von Anfang an Spaß daran, mit uns zu arbeiten. Es hat sich mit ihm nie nach Stress oder Arbeit angefühlt. Wir haben ihn aber auch machen lassen. Und wenn wir ein Anliegen hatten, hat er uns ernst genommen. Die Kommunikation mit ihm lief also bestens.

Woher kommt euer Sound eigentlich? Ich höre da vor allem Helden der Neunziger raus, wie DINOSAUR JR., SONIC YOUTH oder PAVEMENT. Gibt es Bands, auf die ihr euch alle einigen könnt?

Mit diesen Bands sind wir natürlich großgeworden. Aber es gab nie den Plan, dass wir so klingen wollen. Bei uns wird auch wenig geredet, es gibt kein Konzept oder so etwas. Vielleicht klingt die nächste Platte komplett anders. Kann sein. Natürlich sind wir große Fans von DINOSAUR JR. Beim letzten Album haben uns viele mit BUILT TO SPILL verglichen, und ich kannte die Band überhaupt nicht. Ich habe dann mal reingehört und fand sie ganz cool. Wir mögen alle SWANS, JESUS LIZARD gefallen allen, aber auch poppigere Sachen wie PAVEMENT.

Was hältst du von den deutschsprachigen Indie-Acts der Stunde: DIE NERVEN, Drangsal oder ISOLATION BERLIN?

Das ist alles nicht so mein Fall. Ich mag KARIES sehr gern. Oder aktuelle Bands wie FRIENDS OF GAS oder EUTERNASE. Mit diesen Bands waren wir auch schon unterwegs. Das sind ganz coole Leute. Es gibt viele gute deutschsprachige Bands gerade.

Was steckt hinter dem Albumtitel „WS“? Euer letztes Album „Palm Beach“ habt ihr ja nach einem Spaßbad bei Fürth benannt.

Das kann jeder für sich selbst entscheiden. Ob es jetzt „Warmer Stuhlgang“ heißt oder „Wahre Schönheit“. Was auch immer. Hinter diesen beiden Buchstaben steckt keine große Bedeutung. Nenne es, wie du willst. Es hat auf jeden Fall mit dem Coverartwork zu tun. Flo hatte auf einer Autofahrt diese Idee und hat sie uns dann präsentiert. Und weil kein anderer von uns einen anderen Vorschlag hatte, war es mehr oder weniger eine Notlösung. Mir ist das sowieso egal.

Wie funktioniert momentan das Bandleben? Zwei von euch leben ja jetzt wieder in Bamberg und einer in Nürnberg, oder?

Ja, genau. Das funktioniert dadurch natürlich wieder einfacher, seit Denny aus Hamburg zurück ist. Wir treffen uns einmal die Woche. Wir arbeiten ja auch alle und Denny hat Familie. Wir sind außerdem keine zwanzig mehr und können nicht unsere ganze Zeit im Proberaum verbringen. Aber die örtliche Situation ist natürlich eine Entlastung. Ich muss gerade mal fünf Minuten laufen, dann bin ich bei Denny. Es ist ganz angenehm, dass es keine 800 Kilometer mehr sind. Wir haben jetzt auch wieder einen Proberaum in Bamberg beim Schlachthof und teilen uns den mit unseren Freunden WAYNE CAMPBELL AND THE DREAMCATCHERS.

Ist euer Debütalbum eigentlich inzwischen endgültig verschwunden? Zum Release von „Palm Beach“ habt ihr das Teil aus dem Netz genommen.

Der Status ist, dass es keine Kopien mehr gibt. Jeder von uns hat noch ein Exemplar davon zu Hause. Der Rest ist jetzt endgültig vergriffen. Wir hatten auch nur 100 Stück pressen lassen und die sind jetzt weg. Wir spielen die Songs auch nicht mehr live. Vielleicht laden wir die Songs irgendwann mal wieder hoch. Keine Ahnung. Interessiert eh keinen.

Wie geht’s weiter bei HEIM? Wie sehen eure nächsten Pläne aus? Oder gibt es vielleicht Nebenprojekte?

Flo spielt noch in einer anderen Band, die heißt SOMEWHERE UNDERWATER. Das ist so eine Shoegaze-Band mit ein paar Jungs aus Bamberg und Nürnberg. Und Denny und ich sind nebenbei als Konzertveranstalter in der Weinstube Pizzini in Bamberg aktiv. Wir organisieren das Programm und kümmern uns um Booking, Bandbetreuung, und so weiter. Wir lieben die Atmosphäre dort. Das ist auch so ziemlich der einzige Ort, an dem man es aushält in Bamberg, wenn man auf Live-Musik steht. Denny ist da jetzt sogar angestellt und ich unterstütze ihn dabei. Es ist kein lukrativer Job, aber Denny ist wie ich Heilerziehungspfleger und hat im Wohnheim gearbeitet. Weil er inzwischen Familie hat, ist es für ihn nicht mehr so einfach mit dem Schichtdienst. Deshalb versucht er jetzt was anderes.

Wolfram Hanke

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #141 (Dezember/Januar 2018)

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