Interviews & Artikel : LASTKAJ 14 :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

LASTKAJ 14

Aus Schweden

Aus Skellefteå, Uppsala und Stockholm kommen LASTKAJ 14, die dem ureigenen schwedischen Trallpunk-Genre zugeordnet werden – wie auch Schwedenpunk-Legenden wie ASTA KASK, STREBERS und RADIOAKTIVA RÄKER. Dabei lässt sich „Trallpunk“ simpel mit Melodiepunk übersetzen, und so gesehen waren also auch schwedische Helden wie MILLENCOLIN nie was anderes als Trallpunk, nur dass mit englischen Texten die Ähnlichkeit zu kalifornischem Melodypunk immer offensichtlicher erschien.

Wobei dann da eben doch noch so eine typisch schwedische Komponente ins Spiel kommt: die Sprache einerseits, aber auch eine trotz aller überschwänglicher Melodiösität bissige Härte und Harmonien, die Assoziationen zu skandinavischen Volksliedern hervorrufen. LASTKAJ 14 („Ladeplattform 14“), deren drei männliche Mitglieder eher nach klassischem Schwedencrust aussehen und von der Sängerin mit ihren grünen Haaren locker überstrahlt werden, sind seit einigen Jahren schon aktiv, haben eine beeindruckende Diskografie (inklusive Release in Japan), doch in Deutschland sind sie noch recht unbekannt. Im April 2018 absolvierte sie ihre erste Deutschlandtour, in Kürze kommen sie wieder auf Tour und werden neben Songs vom letzten Album „Becksvart“ auf Second Class Kids Records sicher auch „Sverigedemokrat“ (was uns in Deutschland die AfD, ist den Schweden die Partei Schwedendemokraten) von der im Herbst 2018 passend zu den Parlamentswahlen in Schweden erschienenen 3-Song-EP „För Sverige“ spielen. Meine Fragen beantwortete Stryparn.

Zuerst die Basics, bitte: Wer und warum und wann und wo?

LK14 wurden 2003 von mir und Dr. Dille gegründet. Wir waren der Meinung, dass es in Schweden einen Bedarf an schnellem Trallpunk gab und beschlossen, eine Band zu gründen, die sich auf die Musik konzentriert, mit der wir in den 90er Jahren aufgewachsen sind. Wir haben mit einigen Freunden eine EP aufgenommen, die 2004 veröffentlicht wurde. Damals spielten wir alle in anderen Bands, auf die wir uns mehr konzentrierten, so dass wir nie die Chance hatten, live zu spielen oder etwas mehr mit der Band zu machen ... 2007 begannen ich und Dille jedoch wieder, über LASTKAJ zu sprechen und es kam raus, dass wir beide einige neue Songs geschrieben hatten, die der Band gewidmet waren. Wir haben uns mit unseren Freunden Stukarn und Saffran getroffen und „I Brist På Annat“ aufgenommen. Nachdem die Platte veröffentlicht wurde, beschlossen wir, auf Tour zu gehen. Jahre vergingen, wir veröffentlichten mehr Platten und nach einigen Mitgliederwechseln sind wir seit 2015 derselbe Haufen: Kapten Grå, Git Bulten, Dr. Dille und ich.

Eure Musik wird als „Trallpunk“ beschrieben, ein originär schwedisches Genre. Wie relevant ist diese Einordnung?

Es ist sehr wichtig, da der Grund, warum wir LASTKAJ gegründet haben, auf den Mangel an wirklich schnellem Trallpunk in Schweden damals zurückzuführen ist. Als ich 14 Jahre alt war, fing ich an, Punkrock durch SEX PISTOLS und die britische 77er-Punk-Szene zu hören. Erst als ich STREBERS, RÄSERBAJS, ASTA KASK, Radioaktiva Räker usw. hörte, war ich wirklich begeistert. Sie öffneten mir eine ganz neue Welt und zeigten mir, dass es möglich ist, schnellen, melodischen Punk mit politischen und bedeutungsvollen Texten auf eine Art und Weise zu spielen, die ich nie für möglich gehalten hätte. Die Trallpunk-Szene in Schweden gab mir nicht nur die Chance, mich als Musiker zu entwickeln, sondern gab mir auch die Möglichkeit, so viele großartige Menschen zu treffen und einige der besten Momente meines Lebens zu erleben.

Im Jahr 2018 erhielt die rechte Partei Sverigedemokraterna bei den Wahlen mehr Stimmen als je zuvor und ihr veröffentlichtet die EP „För Sverige“. Wie wirkt sich das alles auf Schweden aus, das viele mit all den IKEA-Klischees und den schönen Bildern von bunten Holzhäusern an felsigen Küsten am blauen Meer assoziieren, die von all den in Schweden spielenden Fernsehserien in die Welt gesetzt wurden?

Schweden, wie so viele andere Länder der Welt, spürt seit einigen Jahren den rechten Wind, aber erst bei dieser Wahl haben wir verstanden, wie groß und gefährlich es wird. Als sich selbst Arbeiter, die sich früher Arbeiterbewegung verschrieben haben, und die Gewerkschaft für eine konservative nationalistische Partei einsetzten, waren wir der Meinung, dass es an der Zeit ist, unseren Teil dazu beizutragen. Die meisten Punkbands neigen jedoch dazu, Songs über die Dummheit und Engstirnigkeit aller Leute zu schreiben, die für diese Parteien stimmen, und wir hatten das Gefühl, dass solche Songs schon genug geschrieben wurden. Wir wollten einen Song schreiben, der tatsächlich all jene „in der Mitte“ zum Zuhören bringen kann, und der tatsächlich Fragen aufwirft, anstatt einfach jede Person als Trottel darzustellen, die mit dem Gedanken spielt, Rechts zu wählen. Haben wir es geschafft? Ich weiß nicht, aber wir haben es versucht, und wenn wir eine Person dazu gebracht haben, ihre Meinung zu ändern, denke ich, dass wir erfolgreich waren. Dennoch denke ich immer noch, dass es ein Misserfolg ist, wenn eine Partei, die für Intoleranz, Dummheit, Sexismus und Rassismus steht, 18% der schwedischen Bevölkerung dazu bringen kann, für sie zu stimmen ... und wer ist schuld? Ich weiß es nicht ...

Was kann Musik, können Bands in einer solchen Situation tun? Ja, wir können alle immer wieder „ Nazis raus“ schreien, aber abgesehen davon?

Ich denke, das Wichtigste ist, zu versuchen, aufzuklären, zu erklären und jede Gelegenheit zu nutzen, das Thema bei jeder Gelegenheit zu diskutieren. Empathie und Bildung sind der Weg, um den Menschen klarzumachen, dass wir alle gleich sind. Fick die Fahnen, fick den Nationalismus, fick den Imperialismus und fick die Grenzen. Lasst uns alle danach streben, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Euer erstes Album „I Brist På Annat“ wurde in Japan veröffentlicht – ganz schön seltsam für eine Band mit schwedischen Texten. Wie kam es dazu und hast du dort noch Verbindungen, habt ihr jemals dort gespielt?

Ich spiele/spielte in einer Band namens SKUMDUM und wir kamen bei einem japanischen Plattenlabel namens Bells unter Vertrag. Als LK14 das erste Album aufnahm, fragte ich das Label, ob sie die CD in Japan veröffentlichen und den schwedischen Trallpunk im Ausland promoten wolle. Sie stimmten zu und so bekamen wir die ersten CDs auf den Markt. Wir tourten mit SKUMDUM durch Japan und sie wollten eigentlich, dass wir einige Shows mit schwedischen Songs machen, also schätze ich, dass es sogar dort eine Szene für schwedischen Trallpunk gibt. Wir hatten noch keine Gelegenheit, dort mit LASTKAJ 14 zu spielen, aber hoffentlich werden wir eines Tages in Tokio stehen und „Håll höjd“ schreien.

Im April werdet ihr wieder in Deutschland unterwegs sein. Irgendwelche Erwartungen, Erfahrungen, Erinnerungen, Bands, die du erwähnen möchtest?

Wir hoffen, dass die Leute kommen, um sich die Shows anzusehen, sie zu genießen und die Botschaft von Trallpunk in Deutschland zu verbreiten. Die große Herausforderung, die wir jetzt bei unseren Platten haben, ist, dass wir nur einen schwedischen Vertrieb haben, was es wirklich teuer macht, unsere Sachen in Deutschland zu bekommen. Hoffentlich wird dieser Besuch das ändern und uns Kontakte schaffen, die es ermöglichen, LK14 auch in Deutschland in den Plattenläden zu kaufen. Für diese Tour werden wir auch versuchen, die Texte vor der Tour ins Deutsche zu übersetzen, damit die Leute wirklich verstehen, worüber wir singen, auch wenn es nur schriftlich ist, wir werden jedoch nicht auf Deutsch singen. Was wir an Deutschland lieben, ist, dass es so viele Facetten hat. Du kannst in einer Absteige in einer Nachbarschaft spielen und eine wirkliche Nobelgegend nur 500 Meter entfernt haben. In Deutschland ist es mehr „underground“ als in Schweden. Was wir feststellen, ist, dass deutsche Fans direkter sind ... Mal auf gute, mal auf andere Weise, haha. Wir hoffen, mit Bands wie AWESOME GREY und JAMES FIRST wieder auf Tour zu gehen, da sie großartige Leute sind. Vor allem wünschen wir uns aber, dass wir eine schöne Zeit haben und tolle Leute treffen!

Benja Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #143 (April/Mai 2019)

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