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Interviews & Artikel

AUSBRUCH

Macht was, macht Musik

AUSBRUCH wurden 1981 in Geilenkirchen bei Aachen gegründet. Erste größere Aufmerksamkeit erlangten sie durch ihre Beiträge zu zwei Samplern auf Mülleimer Records, „Hardcore Power Music Part 2“ aus dem Jahr 1984 und 1986 „We Don’t Need Nuclear Force“. Songs wie „Deutscher Eid“, „Deutschland brennt“ oder „Kämpf um dein Recht“ verbanden eigenständigen Pogo-Punk mit direkten und eindeutigen Texten, ohne parolenhaft zu wirken. 1985 erschien ihre erste LP „Harte Zeiten“ auf Roof Records. Die 1989 eingespielte zweite LP „Auf alte Zeiten“ wurde erst fünf Jahre später auf Impact veröffentlicht. Die Wiederveröffentlichung dieses Albums auf Mad Butcher und Bomb All Records nahmen wir zum Anlass, um mit Hansel Dieken, dem damaligen Bassisten und heutigem Sänger, die Achtziger Jahre Revue passieren zu lassen.

Wie bist du damals auf Punk aufmerksam geworden, und wann hat dich der Virus selbst erfasst?


Ich war schon immer und bin bis heute ein großer Freund von Musik unterschiedlichster Art. Die BEATLES, Elvis, Siebziger-Jahre-Glamrock und so weiter bestimmten meine musikalische Sozialisationsphase. Und dann kam Ende der Siebziger Punkrock und wir hatten eine neue Lieblingsmusik, die uns wegblies und geprägt hat. Er war textlich und musikalisch anders als das, was wir vorher gehört hatten. In Geilenkirchen, einer Kleinstadt bei Aachen, gab es Anfang der Achtziger Jahre keine große Punk-Szene. Also ging es an den Wochenenden ins Roxie nach Aachen oder in den Dschungel in Richterich. Dort wurde etwas Punk und Wave gespielt und man kam mit Gleichgesinnten zusammen. Punk-Konzerte fanden in Düsseldorf im Ratinger Hof statt. Der einzige Plattenladen in Geilenkirchen war Georgs Musikladen, aber Punk bekam man dort nur wenig. Besser war die Auswahl in Aachen oder Düsseldorf. Ansonsten überspielte man sich gegenseitig die Schallplatten auf Kassette. THE CLASH sah ich 1980 auf der „London Calling“-Tour in der Philipshalle in Düsseldorf, die DEAD KENNEDYS 1981 in Bonn. Etwas später spielten auch in der Rockfabrik in Übach-Palenberg Punkbands für kleines Geld. Bekannte von uns aus Geilenkirchen machten das Ausbruch-Fanzine und aus Aachen kam das Bierfront-Fanzine.

Was bedeutete Punk damals für dich – und wie ist das heute?

Damals war es erst mal eine optische und musikalische Abgrenzung zu dem, was es vorher gab. Bei uns in der Gegend gab es zu der Zeit wenig Punkrock-Bands. Die meisten Bands waren musikalisch doch mehr rock- und jazzlastig. Das gab uns die Möglichkeit, ohne große musikalische Grundkenntnisse eine Band zu gründen und Spaß zu haben bei dem, was wir machten. Scheiß drauf, was die anderen denken, aber mach was! Uns gefiel die Einstellung beim Punk, die Musik und das Outfit. Heute ist Punk etwas schwieriger. Wir sind jenseits der fünfzig, haben Kinder und einen Job. Eigentlich nicht Punk.

Gab es von deiner Seite aus von Anfang an den Wunsch, Musik zu machen?

Nein, die Idee, eine Band zu gründen, entstand erst später. Keiner von uns hatte ein Instrument gelernt. 1981 lernten wir – Gerd, Günther, Rene und ich – uns kennen und beschlossen, eine Band zu gründen. „Welches Instrument willst du spielen? Okay, du singst, du spielst Bass, du Gitarre und du Schlagzeug.“ So einfach war es damals.

Wer hatte die Idee zu eurem Namen? Und was bedeutet er für dich?

Unsere Band hieß zunächst SPARMASSNAHME. Wir hatten zwischendurch einen anderen Schlagzeuger, Robert Gallinowski, der ist inzwischen Schauspieler. Als Rene zurückkam, suchten wir einen neuen Namen für die Band. Die Idee kam mir beim Weintrinken. Es gibt eine Weinsorte, die sich „Ausbruch“ nennt. Wir fanden den Namen gut für eine Deutschpunk-Band, und seitdem heißen wir so. Der Name AUSBRUCH bedeutet für mich: Macht was, macht Musik, sagt, was ihr zu sagen habt, und versucht, Spaß zu haben, denn das Leben kann kurz sein.

Welche Einflüsse hattet ihr?

Unsere musikalischen Inspirationen waren vielfältig. Wir sind ja schon alt. Punkrockmäßig waren das die englischen Punkrock-Bands, US-Punk und Deutschpunk. Aber bei unseren Songs haben wir unser Ding gemacht und nicht versucht, Sachen zu kopieren.

Wo habt ihr geprobt und wie oft?

Wir haben die erste Zeit bei einem Freund von uns im Gartenhaus geprobt. Dann gab es bei uns in Geilenkirchen Proberäume von der Stadt, in denen wir waren. Nach unserem Umzug nach Aachen probten wir erst in einem privaten Keller und dann in einem Proberaum im Musikbunker, da sind wir jetzt auch noch. Früher haben wir circa zweimal die Woche geprobt. Heute ist es aufgrund von Familie und Beruf etwas schwieriger, das hinzukriegen. Früher entstanden die Songs meist bei der Probe, heute kommt jemand mit vorbereiteten Ideen, das spart Zeit.

Wie sah die Punk-Szene in deiner Heimatstadt aus? Gab es ein autonomes Zentrum und die Möglichkeit, selbst Konzerte zu organisieren?

In Geilenkirchen gab es 1981, als wir uns gegründet haben, noch keine große Punk-Szene oder ein Autonomes Zentrum. Es gab einen Jugendclub und sonst nix. Die Grenzen zwischen Punks, Mods, Skins – den netten – oder Rock’n’Rollern wurden aber auch nicht so eng gesehen. Es gab später die Rockfabrik, eine Diskothek in Übach-Palenberg, die damals ein großartiges Live-Programm hatte, wo wir oft gespielt haben.

Exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum, gab es den bei euch?

Nein, bei uns in der Band gab es so was nicht. Straight Edge, haha.

Welche Aktionen, Peinlichkeiten, Konzerte sind dir in besonderer Erinnerung geblieben?

Uns war nie etwas peinlich. Konzerte, an die ich mich noch gut erinnere, gibt es einige – im Flashlight in Bardenberg, in Pforzheim mit NORMAHL 1984, in einem besetzten Haus in Bochum, Eeklo in Holland und so weiter.

Habt ihr oft in anderen Städten oder im Ausland gespielt? Wie wurden die Konzerte in einer Zeit ohne Internet organisiert?

Im Ausland haben wir nur einmal in Holland auf einem Festival in den Achtzigern gespielt. In anderen Städten waren wir häufiger, obwohl wir schon immer eine faule Band waren. Konzerte liefen damals meist very oldschool telefonisch ab. Nix Facebook oder E-Mail. Hat aber auch funktioniert.

Hast du das Gefühl, dass eure Texte immer noch aktuell sind?

Bei einigen Texten finden wir schon, dass sie noch aktuell sind, obwohl sie teilweise schon über dreißig Jahre alt sind. Sehr erschreckend, dass sich in mancher Hinsicht in dieser langen Zeit nicht viel verändert hat.

Gibt es Texte beziehungsweise Songs, die du so heute nicht mehr schreiben oder auch spielen würdest?

Nee, da fällt mir keiner ein. Wir sind mit den Songs zufrieden, die wir gemacht haben. Alles ein Produkt der jeweiligen Zeit und Teil unserer musikalischen Geschichte.

Ihr seid mir zuerst durch eure Samplerbeiträge auf „We Don’t Need Nuclear Force“ und „Hardcore Power Music Part 2“ aufgefallen. Wie ist der Kontakt zu Mülleimer zustande gekommen?

Wir haben 1984 einen Bandwettbewerb gewonnen. Als Preis gab es zwei Tage Studio. Wir haben die fünf Songs aufgenommen, die dann auf den Mülleimer-Samplern vertreten waren. Wir haben unsere Aufnahmen an verschiedene Labels geschickt. Mülleimer hatte Interesse und hat uns dann zur Vertragsunterzeichnung nach Pforzheim zum Konzert mit NORMAHL eingeladen.

Wie hast du die Aufnahmen zu eurer LP „Harte Zeiten“ in Erinnerung? Ich finde den Sound im Gegensatz zu den Samplerbeiträgen nicht so druckvoll.

Die Aufnahmen zur „Harte Zeiten“-LP haben wir in Bochum im Studio von FRANZ K. gemacht. Wir hatten wenig Zeit und wenig Geld und deswegen musste der Mix relativ schnell über die Bühne gehen. Weil wir damals auch noch nicht viel Ahnung von Studiotechnik hatten, waren wir auf den Mischer und dessen Soundvorstellungen angewiesen. Die Samplerbeiträge hatten wir in Düsseldorf im ehemaligen Schallmauer Studio aufgenommen. Der Mann hatte definitiv mehr Ahnung von Punkrock und wie es klingen soll. Alles in allem sind wir aber auch mit dem Sound von „Harte Zeiten“ zufrieden.

Die Chaostage 1984 in Hannover waren für viele ein einschneidendes Erlebnis. Warst du selbst da und wie sind deine Erinnerungen?

Nein, wir waren nie da. Wir hatten mal eine Einladung, da zu spielen, das hat aber leider nicht funktioniert. Die Chaostage waren ja jedes Jahr ein großes mediales Ereignis. Die Bild-Zeitung war immer mit dabei.

Im Rückblick: Wie war es für dich, in den Achtzigern in einer Punkband gespielt zu haben? Und was ist der Unterschied zu heute?

Wir sind froh, damals schon dabei gewesen zu sein. Wahrscheinlich hätten wir zu einer anderen Zeit nie eine Band gegründet. Schön, dass sich nach der langen Zeit noch Menschen an uns erinnern. Ich sehe keinen großartigen Unterschied zu damals. Es macht noch immer genau so viel Spaß aufzutreten wie damals. Es ist durch die sozialen Medien natürlich einfacher, Kontakte herzustellen, als in den Achtzigern.

Welche Rereleases gibt es von AUSBRUCH? Und wie sind die zustande gekommen?

Das Album „Harte Zeiten“ wurde von Twisted Chords auf Vinyl wiederveröffentlicht. Die fünf Songs, die auf den Mülleimer-Samplern vertreten waren, wurden 2015 ebenfalls von Twisted Chords schön zusammen auf einer Single zusammengefasst, unter dem Titel „Träume von gestern“. Tobi hatte mich über Facebook angeschrieben, dass er Interesse daran hätte. So einfach war das. Im April 2019 erscheint ein Rerelease unseres zweiten Albums „Auf alte Zeiten“ auf Vinyl bei Mad Butcher Records. Die Zusammenarbeit mit Mike von Mad Butcher ergab sich über eine gemeinsame Bekannte. Wir freuen uns sehr, dass er es möglich gemacht hat. Das Album gab es bisher nur auf CD.

Wie sieht es mit deinen früheren Bandkolleg*innen aus? Sind noch alle bei AUSBRUCH aktiv? Machen die anderen noch Musik, habt ihr noch Kontakt?

Von der Originalbesetzung sind noch drei Leute dabei. Außer mir sind das Günther und Rene Fussen. Unser Sänger Gerd Müller ist leider aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dabei. Neue Bandmitglieder sind Hape Dizl an der zweiten Gitarre und Claas Nüsse am Bass. Ich war eigentlich Bassist und wechselte nach dem Ausstieg von Gerd zum Gesang. Ja, wir haben noch Kontakt und machen alle noch Musik, sonst würden AUSBRUCH nicht mehr existieren.

Wie sind die Reaktionen auf eure neuen Songs?

Durchweg gut. Einen großen Teil unseres aktuellen Live-Sets machen die neuen Stücke aus, die auch gut bei den Leuten ankommen.

Heute wird der Status von Musikerinnen stark diskutiert. Wie männlich/machistisch oder emanzipatorisch hast du die damalige Szene wahrgenommen?

Punk war damals offen für alles. Ich glaube, es machte sich niemand Gedanken darum, ob Männer oder Frauen in einer Band waren. Alles war entspannt, auch ohne Awareness-Teams und dergleichen. Ich finde die Sexismus-Debatte in manchen Kreisen der autonomen Bewegung manchmal ein bisschen überzogen. Im Prinzip gut, aber in ihren Auswüchsen geht es manchmal am Ziel vorbei.

Triebi Instabil

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #144 (Juni/Juli 2019)

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