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Interviews & Artikel

E.T. EXPLORE ME

Psychonauten

Voodoo Rhythm-Chef Beat-Man ist in Sachen Musik so eine Art Alexander von Humboldt: er reist (musizierend) durch Welt und entdeckt hier und da neue Spezies. So stieß er in den Niederlanden auf E.T. EXPLORE ME, die nach 17 Jahren Bandhistorie und etlichen 7“s nun mit ihrem bereits ohne viel Resonanz zuvor erschienenen Album „Shine“ auf Voodoo Rhythm gelandet sind. Das Album ist eine psychedelische Fuzz-Orgie mit Surf-Momenten und schwülstigem Swamp-Blues. Meine Fragen beantwortete Bassist Jeroen Blijleve, im richtigen Leben Booker im legendären Patronaat-Club in Haarlem nahe Amsterdam.

Erzähl uns zuerst mal etwas zu bisherigen Geschichte von E.T. EXPLORE ME.


Wir spielen seit unserer frühsten Jugend in Bands. Wir drei hatten nie eine musikalische Ausbildung. Wir alle begannen als Kinder, intensiv Musik zu hören und mit allem, was Lärm machte, herumzuspielen. Wir fanden Trost bei anderen Außenseitern in der Musik. Wir hatten immer Zugang zu Häusern oder Booten, wo wir den ganzen Tag spielen konnten. Es gab immer jemanden, der irgendwo spielte. Eine Schule gab es nicht. Unser Schlagzeuger und ich kennen uns seit dem Alter von fünf Jahren. Joost, den Sänger, lernten wir kennen, als wir nach Haarlem zogen. Er hatte schon in allen möglichen Bands gespielt, genau wie wir. Ich habe damals in einem Secondhand-Plattenladen gearbeitet und Joost dann eingestellt. Eines Tages saßen wir alle drei auf einer Terrasse und sprachen darüber, wie satt wir die Bands hatten, in denen wir spielten. Ich hatte ein LoFi-Plattenlabel namens Muze Records und veröffentlichte lauter intellektuelle LoFi-Post-Rock-Bands. Das war es, worum es in den Neunziger Jahren wirklich ging: LoFi, Goa-Trance und Grunge. Zumindest war es bei mir so. Live zu spielen hat uns nie Spaß gemacht, es war eine absolut ernste Angelegenheit! Auch wenn wir alle irgendwie lausige Musiker waren. Also beschlossen wir, uns in einem Proberaum einzuschließen und einfach alles rauszulassen. Das war wahrscheinlich irgendwann 2003. Und Scheiße, Mann, was für eine Erleichterung! Wir begannen mit ein oder zwei Akkorden, die Orgel war da, das Schlagzeug und es fühlte sich fantastisch an. Da war von Anfang an diese Energie. Wir haben im Proberaum gespielt, als ob es live wäre. Aber es war unser Geheimnis. Wir haben nie gedacht, dass es etwas für ein Publikum ist. Wir haben unser ganzes Leben lang Rock’n’Roll-Musik gehört, aber sie nie selbst gespielt. DEAD MOON waren unsere Vorbilder, vielleicht war das sogar eher eine Lebenseinstellung. Und dann kam einfach alles zusammen.

Und wie ging es dann weiter ...?

Wir haben ein Tape auf einem 4-Spur-Rekorder mit der ersten Version von „Organ Fuzz“ in diesem Proberaum aufgenommen, ich glaube sogar beim ersten gemeinsamen Treffen. Wir haben das Joshua Baumgarten von Irrational Library hier in Haarlem vorgespielt, weil wir das ganz aufregend fanden, und bevor wir uns versahen, wurden wir zu Auftritten in Gemeindezentren oder Jugendclubs eingeladen. Und es folgte noch eine Show und noch eine ... 17 Jahre später ist für uns immer noch alles genauso. Wir tun, was wir tun, ohne über die Zukunft nachzudenken, über mögliche Strategien oder was auch immer. Wir haben unsere 7“s immer selbst veröffentlicht, haben zumindest die Kosten dafür übernommen. Es war unser langjähriges Prinzip: Keine Alben, keine CDs, nur 7“s. Wir waren überzeugt, unsere Musik sei nicht interessant genug für ein komplettes Album, und, na ja, CDs sind für uns immer noch unattraktiv. Wir wussten ja nicht einmal, dass das Album separat auf Voodoo Rhythm veröffentlicht wurde, haha. Aber vor einigen Jahren waren wir kreativ ausgelaugt. Wir spielen immer damit herum, in allen möglichen Musikrichtungen zu jammen. Aus Spaß. Wir haben eine Cumbia-Band namens TRIO GASTONES gemacht, wir haben eine psychedelische Stoner-Band namens GRIEZELBAARD, übersetzt Gruselbart, und wir haben viele Nederbiet-Songs auf Niederländisch gespielt. Irgendwann hatten wir so viele Nederbiet-Stücke, dass wir beschlossen, sie aufzunehmen, und so sind DE KLIKO’S entstanden. Wir spielten einige Konzerte als DE KLIKO’S und veröffentlichten ein Album unter diesem Namen. Es war eigentlich ein ziemlicher Erfolg in Holland. Nun, jedenfalls in der alternativen Szene, das bedeutet bei uns in Groningen, hahaha. Etwas ganz anderes zu tun, gab uns wieder genug Kreativität für E.T. EXPLORE ME. Und plötzlich waren wir wieder da und Song für Song entstand, also mussten wir das alles einfach nur aufnehmen und zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass wir tatsächlich ein komplettes Album machen konnten, das interessant genug wäre. All das Herumgestümper im Studio und das Live-Spielen war für uns als Autodidakten notwendig, um an diesen Punkt zu kommen. Wir haben lange dafür gebraucht, aber hey, wir sind immer noch hier, während viele befreundete Bands sich längst aufgelöst haben ...

Kannst du uns ein paar Brotkrumen hinstreuen, wie Gretel es getan hat, um den Weg aus dem tiefen Wald nach Hause zu finden? Das heißt, nenn mir bitte ein paar Alben, um deine musikalischen Wurzeln zu finden. Ich höre SUICIDE heraus und vieles mehr.

Wie gesagt, Joost und ich haben jahrelang in einem Secondhand-Laden gearbeitet. Das waren die glorreichen Zeiten. Die Neunziger Jahre! Jeder wollte sein Vinyl loswerden, um stattdessen CDs zu kaufen. Es war himmlisch, tat aber manchmal weh zu sehen, wie die Leute ihre Platten für quasi nichts verhökerten. Schön für uns! Wahrscheinlich 80% meiner Plattensammlung stammen aus dieser Zeit. Man hat damals praktisch alles gehört und wir tun das immer noch. Jedes Musikgenre hat seine guten Acts, glaube ich. Natürlich hatten Rock’n’Roll, Garage, Nederbiet, Punk einen großen Einfluss, WIPERS, CRAMPS, DEAD MOON, SPATIES, aber es ist viel mehr. Wir hören depressiven Scheiß, moderne Klassik, HipHop, elektronische Musik, etwa Nicolas Jaar, Jon Hopkins, SUUNS, Huoratron, ich mag es aktuell am liebsten heavy und experimentell – LIARS, SWANS, SHELLAC – und Dark Electro. SUICIDE sind eigentlich keine Band, die wir hören. Genauso wenig wie SILVER APPLES, die auch immer in den Rezensionen erwähnt werden. Es sind beides bahnbrechende elektronische Bands und wir kennen sie, haben sie aber nie wirklich gehört. Wenn wir neue Songs schreiben, haben wir überhaupt keine andere Bands im Kopf. Meist gibt Jeroen, unser Drummer, meist einen Rhythmus vor. Oder ich mit dem Bass. Oder wir beginnen mit etwas Lärm. Oder Joost spielt ein Thema auf der Orgel. Und wir setzen einfach ein und Joost schreit dazu. Unser Prinzip lautet: Wenn es sich nach drei Versuchen nicht gut anfühlt, lassen wir es. Die Songs sind im Grunde genommen sehr einfach. Hauptsache, der Sound stimmt und der Rhythmus. Fehler stören uns nicht weiter. Wenn es gut klingt, dann finden wir es gut. Wir erklären einander keine Riffs und besprechen nicht die Akkorde oder was auch immer. Die Einflüsse anderer Bands schleichen sich im Studio dann irgendwie ein. Dann heißt es: „Hey, wäre hier nicht so ein FEELIES-Rhythmus ganz toll?“ Und wir wissen alle drei sofort, was gemeint ist. Das ist es, was wir bei dem Song „Demons“ eigentlich gemacht haben. Bei DEAD MOON geht es uns eher um die Haltung, als Leitlinie dafür, wie wir die Musikindustrie und unser Leben betrachten. Ihre Unabhängigkeit. Der Song „H.Z. statue“ ist wahrscheinlich noch am meisten von einer anderen Band inspiriert. In diesem Fall von SWANS. Wir haben zwar beim Schreiben des Songs nie an SWANS gedacht, aber wahrscheinlich haben wir ihnen zu verdanken, dass wir es mochten, dass der Song so lang geworden ist. Das war eine gute Entscheidung. Wir dachten zunächst, wir würden ihn nie live spielen. Jetzt bin ich froh, dass wir unsere Meinung geändert haben. Es ist einer meiner Lieblings-Live-Songs. Wenn wir an diesen Punkt im Set angekommen sind, explodiert alles. Dann sind wir nicht mehr zu halten, haha.

Jeder kennt Harlem, aber du lebst in Haarlem! Was ist der Unterschied, wie ist es da so?

Das A! Haha. Haarlem ist eine relativ kleine Stadt mit 150.000 Einwohnern, direkt neben Amsterdam. Es ist die Hauptstadt der Provinz Nordholland. Seit den Achtziger Jahren gibt es dort eine sehr lebendige Musikszene mit überproportional vielen mehr oder weniger zumindest landesweit berühmten Bands. Früher dominierten HipHop und Funk die Szene, dann kam Punk und jetzt gibt es alles. Es war nie wirklich eine Rock’n’Roll-Stadt, aber wir sind irgendwie stolz darauf, dass wir, seit wir hier herumhängen, vielleicht so was wie eine Inspiration für eine neue Generation darstellen. Das wirklich Schöne an Haarlem ist, dass der Strand in unmittelbarer Nähe ist. Wir lieben den Strand. Und weil sie klein ist, kennt hier jeder jeden und das macht schon Spaß. Du kann alleine in eine Bar gehen und findest immer jemanden, mit dem du dich betrinken kannst, das ist nett. Die Musikszene ist eng verbunden. Es spielt keine Rolle, ob du in Locations mit Platz für 16.000 Leute spielst oder, wie wir die meiste Zeit, in besetzten Häusern. Die Loyalität innerhalb der Szene ist in Haarlem sehr groß. Alle kommen zu den Auftritten der anderen. Das ist schön. Und ich denke, das macht auch den Unterschied zu Harlem aus. Obwohl es innerhalb der Musikszene dort wahrscheinlich nicht so anders ist.

Mir ist aufgefallen, dass euer auf Voodoo Rhythm erschienenes aktuelles Album „Shine“ gar nicht so neu ist, die Tracklist erinnert mich doch sehr an das Album von 2018. Nur das Cover ist anders ...

Du hast völlig recht! Das ist wirklich seltsam gelaufen. Wir haben das Album mit Jaap Ottoboy aufgenommen. Er hat ein wirklich abgefucktes Studio, eigentlich ist es ein winziges Büro von zehn Quadratmetern, und er macht nichts weiter, als einem altes beschissene Equipment hinzustellen und so lange auf Aufnahme zu drücken, bis er zu betrunken ist oder zu stoned oder meistens beides. Er fällt buchstäblich einfach um ... Wir brauchten diese Umgebung für dieses Album. Jemanden, der jedes Zeitgefühl verloren hat, und es war so billig, dass wir uns die Zeit nehmen konnten, die wir brauchten. Für dieses Album wollten wir diesen „Live-Vibe“ überwinden und ein Album machen, das man sich wirklich zu Hause anhören kann. Das Ottoboy Recording Studio befindet sich im Norden von Amsterdam, im alten Hafen. Es ist eine inspirierende Umgebung, viele alte besetzte Häuser, freie Anlegestellen, Graffiti. U-Boote ... Wir brauchen das, um in die richtige Stimmung zu kommen. In Haarlem gibt es ein Label namens Suburban Records, da sind auch PETER PAN SPEEDROCK drauf. Wir baten sie, das Album zu veröffentlichen. Wir kennen uns seit Jahren. Aber dann haben wir letztes Jahr auf dem Sleazefest gespielt und unerwartet tauchte Beat-Man auf, eigentlich wegen einer anderen Band. Und wie wir später erfuhren, sagte unser guter Freund Bone von THE ANOMALYS zu Beat-Man, er solle sich unsere Show ansehen. Das war schon echt cool für uns, denn wir haben einen Song, „Onemanband“, das ist ein direktes Loblied auf Beat-Man. Ein weiterer Song ist „Jessie“, zu hören auf der Split-7“ mit DE STEKKERS, den wir jahrelang intern „Beat-Man“ nannten. Voodoo Rhythm als Label ist unsere Bibel. Wir drei kaufen blind alles, was da erscheint. Als wir ihn im Publikum lächeln sahen, waren wir super stolz. Das schrieb ich ihm ein paar Tage später. Um mich zu bedanken, dass er da war, und ihm zu erklären, dass es für uns wirklich etwas Besonderes war, diese Lieder mit ihm im Publikum zu spielen. Eine Woche mit vier Shows und fast ohne Schlaf später waren wir nach einem langen Abend gerade auf dem Rückweg von Nimwegen, als ich eine Nachricht von Beat-Man erhielt: „Hey Leute, habt ihr irgendwelche Aufnahmen?“ Ich meinte, schon, na ja, aber sie befinden sich jetzt tatsächlich im Presswerk, sie stehen kurz vor der Veröffentlichung. Er wollte sie trotzdem hören, also schickten wir ihm die Aufnahmen und sofort sagte er, er wolle das veröffentlichen. Wir waren ganz verdattert. Wir fühlten uns wie kleine Kinder. Wir waren wie Kinder im Spielzeugland. Es war das beste Kompliment, das wir in all den Jahren bekommen haben. Es fühlte sich an wie eine Bestätigung, dass wir tatsächlich etwas Sinnvolles tun. Aber so loyal, wie wir sind, sagten wir, es ginge nicht, da wir gerade einen Vertrag mit Suburban unterzeichnet hatten. Aber ich habe trotzdem bei Suburban angerufen und die Geschichte erzählt und zum Glück waren sie wirklich cool und entspannt und gaben ihr Okay. Begeistert riefen wir Beat-Man an und er sagte nur: „Das Mastering ist scheiße. Das Cover ist scheiße.“ Dabei ist das von unserem Freund Typex, einem international renommierten Comiczeichner. Daraufhin bekamen wir alle möglichen Variationen von Covern zugeschickt und jede Menge neue Master und dann sogar ein Video für „H.Z. statue“ und an einem gewissen Punkt dachten wir einfach: Okay, dieser Beat-Man-Typ hängt sich wirklich rein. Und wir ließen ihn einfach machen. Der Release auf Voodoo Rhythm ist also in der Tat die gleiche Platte wie die Veröffentlichung 2018, aber mit einem anderen Cover und einem anderen Master. Es ist irgendwie wie in den Sechzigern mit verschiedenen Versionen von Alben, und die Fans streiten sich jetzt, welche Version zu bevorzugen ist. Das ist toll. Wir arbeiten an neuem Material für ein neues Album, also bleibt dran.

Und wie passiert als nächstes bei E.T. EXPLORE ME?

Für den Herbst ist eine kleine Tour durch Spanien, Frankreich, Deutschland und Belgien geplant. Wir wurden diesen Sommer auf ein wirklich cooles Festival in Frankreich eingeladen, dann werden wir sehen, wie es läuft. Im Moment hat das Aufnehmen für uns Priorität. Live zu spielen ist cool und wenn wir spielen, machen wir es immer zu etwas Besonderen. Aber wir sind keine Zirkusartisten. Wir könnten nicht mehr die nötige Integrität und Energie aufbringen, wenn wir zu viel spielen würden. Wir sind unter anderem auch deshalb immer noch dabei, weil wir ein Leben neben der Band haben. Ich arbeite etwa in einem Club in Haarlem namens Patronaat. Wir sind keine 18 mehr. Und wir drei sind immer noch Freunde, aber wir sind sehr individuelle Typen, das ergibt auf Tour eine sehr spezifische Dynamik, wenn du weißt, was ich meine. Für uns sind Live-Auftritte nichts anderes, als in eine Bar zu gehen oder eine Show in einer unbekannten Stadt zu spielen, neue Freunde zu finden und mit ihnen zu feiern. Für uns ist das kein Job, wir nehmen es ernst, aber es darf sich nie wie Arbeit anfühlen.

Als ich die Liste der Shows in eurem Facebook-Profil durchging, wurde mir klar, dass ich im Grunde genommen nie die Chance hatte, euch zu verpassen – fast alle Shows waren in den Niederlanden! Habt ihr Angst, euer Land zu verlassen?

Unser Sänger hat Flugangst. Außerdem ist unsere Backline unmöglich zu mieten, also müssen wir sie immer selbst mitbringen. Auch durch unser Privatleben ist die Zeit für Live-Auftritte begrenzt. Also ja, wir wollen spielen, aber wir können nur kurze Reisen machen und nicht zu viele in einem Jahr. Doch das sorgt auch dafür, dass es immer noch Spaß macht. Das ändert sich wahrscheinlich jetzt mit der internationalen Veröffentlichung, aber wir tun, was wir können. Wir haben noch nicht darüber gesprochen und nehmen es derzeit so, wie es kommt. Wir sind begeistert von der Aufmerksamkeit und den Reviews und wollen unbedingt den nächsten Schritt machen, aber wir sind auch realistisch. Es ist keine radiofreundliche Musik, wir werden immer eine obskure Band bleiben. Hoffentlich sind wir für ein paar wenige Glückliche in einigen Jahrzehnten etwas Besonderes. Aber an wie viele Künstler aus den Fünfzigern erinnert man sich heute noch?

In eurem Facebook-Info steht bei Interessen: „Alles, was interessant ist, also hauptsächlich Kunst, Frauen und alles andere, das einen ablenkt“. Also Kunst und Mädchen, darum geht es euch?

Ups, wir sind so schlecht in diesen Internet-Dingen. Ich weiß nicht, wie alt unsere Facebook-Seite ist, aber schon ziemlich alt, haha. Es ist aber auch nicht ganz falsch. Ich möchte jedoch hoffen, dass wir mehr zu bieten haben, haha. Außerdem degradiert das Frauen zu einer Art Objekt. Ich muss das auf Facebook schnellsten löschen. Alle Informationen im Internet sind sehr alt. Wir sind nicht sicher, ob wir besser alles löschen oder es aktualisieren sollen. Die beiden anderen Jungs in der Band geben wirklich einen Scheiß auf das Internet. Der Schlagzeuger hat nicht mal ein Smartphone. Sie sind auch nicht bei Facebook und ich glaube nicht, dass sie überhaupt wissen, was Instagram ist. Das bedeutet also, dass ich das auf die Facebook-Seite geschrieben habe, verdammt! Ich bin froh, dass da auch was von Kunst steht. Da sollte wahrscheinlich besser nur stehen: „Alles, das einen ablenkt“ Oder etwas Intelligenteres. Nächstes Mal gebe ich dir darauf eine echt intellektuelle Antwort, oder du behältst einfach unsere Facebook-Seite im Blick.

Joachim Hiller

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #145 (August/September 2019)

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