RED ROSE GIRLS

s/t CD

Ich frage mich bei Platten wie dieser ja immer, was solche Leute in Deutschland für Musik machen würden. Das Girl-Trio aus Portland nämlich nimmt sich die Folkmusik des frühen 20. Jahrhunderts vor, lässt sich von THE CARTER FAMILY und ähnlichen inspirieren und hat in diesem reduzierten, akustischen Country-Stil - besetzt nur mit zwei Gitarren und etwas Percussion, aber ohne Drums - ein feines, kleines Album eingespielt, das sie in direkter Tradition der ja etwas bekannteren DICKEL BROTHERS sehen.

Prägnantestes Merkmal ist dabei der dreistimmige Gesang, was wirklich sehr gut kommt, wobei jede der drei Damen auch mal solo singen darf. Interessant ist einmal mehr, dass viele solcher Bands ihre Wurzeln in der Punkszene haben, und das ist hier nicht anders: Vanessa Veselka war einst bei BELL aus Seattle und dann bei den PINKOS.

Um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen: Es sieht wohl so aus, dass alles, was in Richtung volkstümliche Musik geht, in Deutschland durch reaktionäre Mainstream-Künstler belegt ist, oder noch viel schlimmer, von sogenannten "Mittelalter"-Rockbands aus dem Wave-Umfeld.

Formationen wie SPARIFANKAL oder BIERMÖSL BLOSN sind da seltene Ausnahmen. Vielleicht sollten sich ja mal ein paar fähige Leute aus dem Punk-Underground der echten Volkmusik der letzten zwei, drei Jahrhunderte annehmen ...

Ach ja, faszinierende, wunderschöne Platte. (49:25) (08/10)