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SAMIAM

Stowaway

Meine Erinnerungen an SAMIAM sind verknüpft mit der Frühzeit des Ox. Damals war die Freude groß, als Zivi mit knappem Budget plötzlich von verschiedener Seite Promos zugesteckt zu bekommen. Und so klingelte an einem Samstag irgendwann 1990 der Paketbote und brachte ein Päckchen der Firma Fire Engine aus Mülheim an der Ruhr. Die waren damals der Vertrieb von New Red Archives, einem Label aus San Francisco, betrieben von Nicky Garratt, einst UK SUBS. Im Päckchen: Das erste titellose SAMIAM-Album und „Non-Existence“ von ULTRAMAN. Die SAMIAM-Platte wurde sofort aufgelegt, und ... der Rest ist Geschichte, ich habe „Home sweet home“ nie wieder aus dem Ohr bekommen. „Beauf“ (1991), „Soar“ (1991) und „Billy“ (1992) folgten, die ersten Touren, schließlich der in die Hose gegangene Majordeal mit „Clumsy“ 1994, der die Band fast killte. Dann das Burning Heart-Comeback „You Are Freaking Me Out“ 1997, 2000 „Astray“ auf Hopeless ... und eine erste längere Pause, bis 2006 „Whatever’s Got You Down“ folgte und endlich 2011 „Trips“ ... und dann ... nichts mehr ... „nur“ alle zwei Jahre oder so dann doch eine weitere Europatour mit Deutschlandshows, wo Sergie, immer „mein“ Mann in der Band, jedesmal gequälter lächelte beim Backstage-Bier, als die unvermeidliche Fan-Journalistenfrage kam: „Und, was ist mit einem neuen Album?“ Ein suchender Blick im Raum und ein entschuldigendes „Jason ...“ als Antwort. Ein „Spiel“, das sich bis in den Herbst 2022 zog, als SAMIAM einmal mehr tourten – ohne (angekündigtes) Album. Und wo sich die Band im Interview für Ox #165 „nackig“ machte, ihre Leidensgeschichte schilderte: Als 2019 endlich Jason so weit war, Texte zu längst existierenden Songs beisteuern zu können, kam die Pandemie, Existenzangst, und doch schaffte es die über die ganzen USA verstreute Band bei verschiedenen Gelegenheiten an „Stowaway“ zu arbeiten. Ein „Stowaway“ ist ein „blinder Passagier – Sergie: „Being a stowaway means you are running from something and are so desperate and without other means that you take such a risk. Fits the themes of the album’s songs and really SAMIAM in general perfectly.“ Zwölf Songs sind letztlich auf „Stowaway“ gelandet, und mir fällt zunächst auf, dass Jasons Stimme irgendwie sanfter geworden. Früher war da mehr inbrünstiges, leidendes Brüllen, hier drückt das nur noch selten durch, was die Klangfarbe durchaus beeinflusst – SAMIAM wirken noch melodiöser, sind aber im Kern bei sich geblieben, haben etwa mit dem Opener „Lakespeed“, mit „Monterey Canyon“, mit „Something“ und dem Rausschmeißer „Stowaway“ doch eine ganze Reihe ihrer markant knarzigen Punksongs am Start, um mich als ewigen Fan rundum zufriedenzustellen. Irgendwie seltsam, dass wir diese Musik, damals in den Neunzigern, als Emo-Punk bezeichneten. Die Welt hat sich verändert, SAMIAM nicht.