
„The Cat And The Cobra“ ist das zweite Album von LES SAVY FAV und es war die erste CD, die von Frenchkiss Records, dem Label des Bassisten Syd Butler, veröffentlicht wurde. Die LP erschien bei Self-Starter Foundation, einem kleinen DIY-Label mit Sitz in New York, das von Chris Newmyer geleitet wurde. Ich vermute, dass Syd und Chris befreundet sind. In Europa gab es eine LP/CD-Version bei Southern Records aus UK. Das Album wurde in folgender Besetzung eingespielt: Syd Butler (bs), Harrison Haynes (dr), Gibb Slife und Seth Jabour (gt) sowie Tim Harrington (voc). Das Mastering übernahm Alan Douches, produziert hat Nicolas Vernhes. Der erste Track, „The orchard“, enthält Gastgesang von Toko Yasuda, der später bei ENON mitwirkte. Der letzte Song „Titan“ verbirgt auf der CD-Version noch den Hidden Track „Our coastal hymn (Live)“, der später auch auf einer 7“ veröffentlicht wurde. Das Album erschien am 19. Oktober 1999, eingespielt wurde es im Sommer davor.
Der damals fast totgesagte Post-Punk wurde für mich hier eindeutig neu belebt, eine Ausnahmeband begab sich auf ihren Weg. Im Gegensatz zum rauhen, noch ungestümen Debüt „3/5“, in bestimmten Kreisen die „Badehauben-Platte“ genannt und ebenfalls bei Self-Starter Foundation erschienen, zeigt sich das Quintett nun ausgereifter und stilistisch gefestigt. Sie schienen sich als Band gefunden zu haben. Es wurden zusätzliche Instrumente eingebaut, Cello und Posaune, die die Songs weit abwechslungsreicher gestalten. Im Zentrum der Band steht natürlich Sänger Tim Harrington, brillant verrückt, möchte ich meinen, besonders live, wo er sich regelmäßig unter die Zuschauer mischt und „interagiert“. Im Freiburger KTS wurde unser Freund Ritchie unsanft von den Beinen geholt, als er einen Moment unaufmerksam war. Sänger Harrington hatte sich durch den Saal kriechend angeschlichen und ihn an den Beinen gepackt und zu Boden gebracht.
Harringtons Stimme verbleibt oft im Sprechgesang, fast wie ein Erzähler. Seine Texte wie der für „Who rocks the party“ sind ein Hochgenuss: „They can let loose the dogs on us / Because the dogs like us more than the dogs like them!“ Das Schlagzeugspiel von Haynes bleibt durchgehend minimalistisch, kaum Fills, manchmal schleppend und trotzdem irgendwie treibend und kraftvoll. Die beiden Gitarren von Slife und Jabour harmonieren wunderbar, schon fast funkensprühend, auf der einen Seite schön schräg, aber ebenso melodisch und catchy. Der Bass von Butler wummert und knarzt, gar nicht auf Maximumlevel getrimmt, aber perfekt eingewoben in die Dynamik der Songs, die hier noch nicht ganz an die Qualität der späteren Platten heranreichen, aber schon erahnen lassen, wohin die Reise gehen wird. Ich wäre froh, ich könnte die Band noch einmal live sehen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Jürgen Schattner