25 Jahre später: MUFF POTTER

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Bordsteinkantengeschichten (LP/CD, Huck’s Plattenkiste, Teenage Rebel, 2000)

Bandnamen mit Literaturbezug sind, wenn sie funktionieren, sprich: cool oder interessant klingen, eine gute Sache. Bestes Beispiel HOT WATER MUSIC, die mit MUFF POTTER neben Einfluss auch eine Freundschaft verbindet. Ich habe „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ nicht gelesen, weiß aber aufgrund der Band aus Rheine zumindest über einen Teil der Handlung Bescheid. MUFF POTTER kennengelernt habe ich 2000 mit ihrem dritten Album „Bordsteinkantengeschichten“. Neben HWM finden sich unter anderem SAMIAM, LEATHERFACE und die LEMONHEADS auf dem Album wieder. Außerdem Zitate von DINOSAUR JR. und Charles Bukowski.
Eine stimmige Mischung von und für Schluckspechte, deren Anspruch an Deutschpunk (EA80, BOXHAMSTERS und DACKELBLUT, weil Namedropping so viel Spaß macht), darüber hinausgeht, in einer Pfütze der eigenen Pisse und Kotze zu ertrinken. Musikalisch reichen MUFF POTTER auf späteren Alben zweifelsohne näher an die eigene Vorstellung heran. Doch so einen Charme wie damals kriegen sie auf diese Art und Weise nicht noch mal hin. Die Spannung aus gegen den Strich gebürsteter Indie-Sensibilität und nabelschauigem Punkrock funktioniert. Inhaltlich brodelt es. Hängen bleiben bei den zwölf Geschichten Beobachtungen übers Wegfahren („I love Fahrtwind“), Festgefahrensein („Das Frozen Man Syndrom“) und überfahren worden sein („Take a run at the sun“). Hauptverantwortlich für die Texte, auch wenn nie nur er die Band inhaltlich definiert, ist Nagel, der unter seinem bürgerlichen Namen Thorsten Nagelschmidt 2025 sein sechstes Buch veröffentlicht hat, ja, ja, schon wieder Literatur und so ...
Ist es nett, jemandem in seinem Schaffen einen roten Faden zu unterstellen? Keine Ahnung, in diesem Fall soll es zumindest kein vergiftetes Kompliment sein, wenn ich „Glitzer-KZ“ vom selbstbetitelten Debüt 1996 kurz neben „Nottbeck City Limits“ vom letzten Album „Bei aller Liebe“ von 2022 stelle. Handwerklich ein großer Unterschied, aber vom Ansatz her ... Ich bin mir nicht sicher, und möchte nichts behaupten, was von mir vielleicht missverstanden wurde. Lieber ein paar Details aus der Diskografie. Der angesprochene Charme von „Bordsteinkantengeschichten“ findet viele Freunde. Deren Vorfreude wird auf „Heute wird gewonnen, bitte“ (2003) eingelöst. Aus meiner Sicht das beste MUFF POTTER-Album. Mit „Von Wegen“ (2005) und „Steady Fremdkörper“ (2007) folgen zwei sehr sehr gute Alben in Zusammenarbeit mit einer großen Plattenfirma. Das Publikum wird auch größer, anscheinend aber nicht groß genug. „Gute Aussicht“ (2009) erscheint im Jahr der vorläufigen Auflösung wieder über Huck’s Plattenkiste, dem bandeigenen Label.

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