30 Jahre später: NO USE FOR A NAME

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¡Leche Con Carne! (LP, Fat Wreck Chords, 1995)

NO USE FOR A NAME gründeten sich 1986 in San Jose in Kalifornien. Die Band spielte schnellen Hardcore und veröffentlichte nach einem Demo zwei Singles. 1990 übernahm der 1987 ursprünglich als Gitarrist dazu gestoßene Tony Sly den Gesang. Die Band wurde melodischer und veröffentlichte 1991 mit „Incognito“ das erste Album auf New Red Archives. Der endgültige Richtungswechsel, weg vom Hardcore, folgte 1992 mit der LP „Don’t Miss The Train“. Folgerichtig landeten sie 1993 auf Fat Wreck, wo sie im selben Jahr mit „The Daily Grind“ eine 8-Track-LP (sie wird fälschlicherweise öfters als EP bezeichnet) veröffentlichten.

1995 erschien dann „¡Leche Con Carne!“. Sie verhalf NO USE FOR A NAME zum endgültigen Durchbruch. Das Album war deutlich besser produziert als seine Vorgänger, wofür vor allem Ryan Greene verantwortlich war. Der Sound war deutlich druckvoller – ohne geschliffen zu wirken. Sänger Tony Sly schrie sich einerseits die Seele aus dem Leib („Couch boy“), andererseits schaffte er es auch bei ruhigeren Tracks, das treffende Feeling rüberzubringen („Soulmate“). Was NO USE FOR A NAME von Bands wie PENNYWISE oder NOFX unterschied, war die starke und tiefe Emotionalität, die sie in den „Skatepunk“ brachte, wie keine zweite aus in ihrem Umfeld. Textlich gab es damals auch kaum jemanden, der solche Geschichten erzählen konnte, wie Tony Sly es tat. Er beleuchtete vor allem die Schattenseiten des Zusammenlebens, oft in der Familie oder unter Freunden. Tony sang viel von Opfern. Das „Justified black eye“ gehörte einer Frau, die zu Hause geschlagen wurde. „51 days“ befasst sich mit der „Waco-Sache“, der so lange dauernden, tödlich endenden Belagerung des Hauptquartiers der Davidianer-Sekte von David Koresh durch das ATF und das FBI. Eine Bekanntschaft zwischen Koresh und der Band liegt nahe, auf „Daily Grind“ wird er in der Thankslist aufgeführt. „51 days“ huldigt ihm allerdings zum Glück überhaupt nicht. Den letzten Song „Exit“ kann man wiederum als Beschreibung des hoffnungslosen Alkoholismus eines nahestehenden Menschen interpretieren.

„¡Leche Con Carne!“ war für einige zu der Zeit ein Soundtrack ihres Lebens, schließlich war nicht alles Fun außerhalb des Skateparks. Tony Sly gab nach dieser LP leider sein Geschrei auf, die Band wurde wie andere bei Fat Wreck zunehmend ruhiger und geschliffener. Ihre folgenden Platten waren alle nicht schlecht, aber „¡Leche Con Carne!“ wurde nicht mehr erreicht. 2012 war Schluss: Tony Sly verstarb an einem Cocktail aus Schmerzmitteln und Benzodiazepinen, wohl im Zusammenwirken mit Alkohol.

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