APOSTATES

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Zwischen HC-Punk und Goth-Rock

Es liegt wohl an der in HC-Kreisen nicht sonderlich geschätzten Verbindung von Goth-Rock und Punk, dass die New Yorker APOSTATES sowohl hier zu Lande wie auch in ihrer Heimatstadt ein Schattendasein führen. Ich stieß 1990 auf sie, als einer ihrer Songs auf der „Squat Or Rot“-Compilation enthalten war. Kurz darauf erschien die erste und bislang einzige 7“, gefolgt von einem Beitrag auf der von mir veröffentlichten ,,FreeYourself“-CD-Compilation sowie einem neuen Titel auf der letzten Ox-CD. Vor kurzem erschien nun mit „In Vain“ die erste CD. und das neue Album wird derzeit aufgenommen. Jahrelang hatte ich nur brieflichen Kontakt zur Band, aber dann bekam ich doch noch eine Telefonnummer in die Hände, so dass endlich ein Interview möglich war. Ich unterhielt mich mit Sänger und Bassist Mark.

Vor vier Jahren stieß ich mit der „Squat Or Rot“-7" auf euch. Habt ihr vorher denn schon was gemacht?

1989 hatten wir ein Demo aufgenommen, und der Sampler-Beitrag war somit unsere erste richtige Veröffentlichung. Auch die Band selbst hatten wir erst 89 gegründet.

Habt ihr denn vorher schon in anderen Bands gespielt?
Nein, die APOSTATES sind unsere erste Band. Wir sind zwar alle schon Mitte bis Ende zwanzig, aber bandmäßig gesehen sind wir Spätstarter.

Musikalisch steht ihr in New York ja ziemlich alleine da. Was sind denn eure Einflüsse?
Als wir anfingen, standen wir auf Punk, Hardcore und Gothic-Rock. Im Laufe der Zeit waren wir dann immer hin- und hergerissen, welche dieser drei Richtungen wir schließlich einschlagen sollten, entschieden uns dann aber eher unbewusst für Punk. Anfangs hatten wir so gute wie keine Ahnung vom Musikmachen, konnten kaum unsere Instrumente spielen. Meinen Bass kaufte ich mir erst, nachdem wir beschlossen hatten, die Band zu gründen. Wir wussten also weder was wir wollten, noch was wir taten. Punk war somit die logische Konsequenz.

Welche Bands haben euch denn damals beeinflusst?
Ich muss sagen, dass die Band damals aus anderen Leuten bestand als heute. Unser alter Gitarrist stand auf englische Oi!-und Punkbands wie CLASH, BUSINESS, PARTISANS oder U.K.SUBS so wie die ganzen alten Goth-Bands, besonders die CHAMALEONS. Ich stand mehr auf Polit-Bands wie CRASS oder SUBHUMANS. Unser erstes Demo klang deshalb auch viel punkiger als unsere späteren Sachen.„Grow up in a puff of smoke“, der auf der 7“ sowie deiner Compilation enthalten war, war dann unser erster Song, der dieses düstere Element enthielt. Nach unserer 7“ und nach Konzerten bekamen wir dann immer wieder zu hören, wir klängen wie die SUBHUMANS,worüber wir aber gar nicht glücklich waren. Also entschieden wir uns, eine andere Richtung einzuschlagen, die schließlich zu „In Vain“ führte. Ich möchte uns zwar musikalisch nicht unbedingt mit THE DAMNED vergleichen, aber die haben in ihrer späteren Phase auch Goth und Punk ziemlich gut kombiniert.

Dieser Weg ist aber nicht gerade ein einfacher, denke ich: Ihr habt zwar diesen Punk-Background, aber ich habe das Gefühl, dass euer düsterer Sound eher im Wave-Bereich Hörer findet.
Das sehe ich eigentlich auch so,ja. Ich kann mit vielen der Goth-Bands allein schon wegen der Texte nichts anfangen. Und darin unterscheiden wir uns ganz deutlich, denn von zwei, drei Songs abgesehen, haben unsere Texte eine ganz deutliche Message. Ich hoffe, die Leute machen sich die Mühe, auch hinter die Musik zu schauen und so einen Gesamteindruck von uns zu bekommen. Die Leute sind aber leider sehr vorschnell mit ihrem Urteil. Sie hören kurz in die Platte rein und meinen, sofort eine Schublade für uns gefunden zu haben. Das finde ich völlig bescheuert und diese Engstirnigkeit stört mich auch am meisten an der Punkszene. Ich finde so viele verschiedene Bands gut, dass ich Leute einfach nicht ertrage, die sich nur auf 77 - Punkrock oder Crustcore festlegen und außerhalb davon nichts gelten lassen.

Ihr setzt euch aber auch musikalisch zwischen alle Stühle: Den Punks seid ihr zu düster, den Grufties zu punkig. Es dürfte ziemlich schwer sein, sowas zu verkaufen.
Ja, auf jeden Fall. Wir haben das, was du eben beschrieben hast, deutlich zu spüren bekommen. Das war auch der Grund, weshalb wir die CD auf unserem eigenen Label veröffentlicht haben. Neil von Tribal War hat uns dabei sehr geholfen. Jetzt müssen wir sehen, wie es weiter geht. Außerdem können wir es nicht allen recht machen, und so ist es das Wichtigste, dass wir mit unserer Musik zu Frieden sind.

Wann kommt eure nächste Platte?
Wir sind gerade im Studio, und die Hälfte der Songs ist schon im Kasten. Das neue Album wird, denke ich, etwas punkiger werden als unser erstes. Wir werden es auch wieder selbst rausbringen, falls wir bis dahin kein Label finden. Das wäre wirklich wichtig für uns, denn finanziell können wir es uns eigentlich überhaupt nicht leisten. Für „In Vain“ haben wir alle Schulden gemacht und sind immer noch dabei, uns davon zu erholen, denn von den 500 CDs sind wir bisher kaum welche losgeworden. Es ist vor allem eine Frage des Vertriebs, denn wir haben zum Beispiel aus Deutschland Briefe von Leuten bekommen, die interessiert sind, aber die CD nirgends bekommen können.

Wieso hat es eigentlich bis Ende letzten Jahres gebraucht, bis endlich das Album erschien? Was habt ihr in den drei Jahren davor gemacht?
Wir hatten von Anfang an Probleme, einen passenden Gitarristen zu finden. Als wir mit „In Vain“ im Studio waren, hatte unser Gitarrist sich innerlich schon von der Band getrennt, während wir anderen völlig euphorisch waren. Er stieg dann mitten in den Aufnahmen aus, und so sind auf dem Album zwei verschiedene Gitarristen zu hören. Ein Freund, der bei einer Thrashband namens KRONEN spielt, half uns aus. Der Kern der Band besteht aus mir und meinem Bruder Francis.

Spielt ihr denn auch mal außerhalb von NewYork?
Naja, wir versuchen zumindest, aber bisher mit wenig Erfolg.

Von der Band leben könnt ihr dann wohl kaum.
Nein, wirklich nicht. Ich arbeite als freier Fotograf und versuche, mich irgendwie durch zu schlagen. Todd, unser Gitarrist, ist zur Zeit mal wieder arbeitslos, und Francis arbeitet in einem Postamt.

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