BANE

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Dokumentarische Maßnahmen

„Holding These Moment“ war der Name der ersten 7‘‘ der 2016 aufgelösten Hardcore-Band BANE aus Worcester, Massachusetts auf Equal Vision. Mehr als zwei Jahrzehnte nach diesem Release erscheint nun mit „Holding These Moments“ eine Doku über das Schaffen von BANE. Aus der Idee heraus, die Band auf ihrer Abschiedstournee mit der Kamera zu begleiten, ist sehr viel mehr entstanden. Die Bandmitglieder stellen ihr rund zwanzigjähriges Bestehen in Form von Rückblicken dar und unzählige Wegbegleiter:innen, Freund:innen und Fans kommen zu Wort. Es wird mehr als einmal deutlich, welche Bedeutung BANE durch ihre Musik und vor allem die Message für Fans auf der ganzen Welt hatten – und nach wie vor haben. An der Entstehung waren viele Kreative aus der Hardcore-Szene beteiligt, einer davon ist Produzent Charles Chaussinand, mit dem ich mich via Skype unterhielt.

Charles, stell dich bitte vor.

Ich bin 36 Jahre alt und produziere viel Musik, speziell im Hardcore-Bereich. Ich habe Tontechnik an der Full Sail studiert und arbeite am MIT, dem Massachusetts Institute of Technology. Dazu war ich als Produzent an der Doku „Holding These Moments“ beteiligt, in der es um die Band BANE geht und deren Abschiedstour, über die wir ja heute reden werden.

Wo bist du gerade und wie ist die Situation bei euch in Bezug auf Corona?
Ich bin von Boston nach Kalifornien gezogen. Dazwischen bin ich 18 Monate lang mit einem Wohnmobil durch das Land gereist. In Los Angeles gibt es momentan ziemlich strikte Beschränkungen. Man muss zu Hause bleiben und darf draußen nur das Nötigste erledigen, etwa einkaufen gehen.

Hattest du zuvor eine besondere Beziehung zu BANE? Ich glaube, du kommst wie sie auch aus der Bostoner Gegend?
Ich habe sieben Jahre in Boston gelebt. Mit BANE hatte ich nicht viel zu tun. Ich habe sie nicht wirklich gehört. Sie waren da, ich war da. Es gibt Situationen oder Zeiten im Leben, in denen dich eine Band, der du begegnest, einfach nicht packt. So war es bei mir mit BANE oder auch mit AMERICAN NIGHTMARE. Sie sind beziehungsweise waren gut, es war aber einfach nicht meine Zeit. Nichtsdestotrotz sah ich den Erfolg von BANE und auch wie beliebt sie waren.

Machst du selbst auch Musik?
Ja, schon sehr lange. In Boston hatte ich als Gitarrist mit TEST OF TIME beispielsweise eine Band, von der ein paar Platten auf Bridge 9 erschienen sind. Dann war ich in der Band SPIRITS, mit der wir Platten auf State of Mind Recordings veröffentlicht haben. Aktuell habe ich mit BYSTANDER eine Hardcore-Band am Start, in der unter anderem Greg Bennick spielt, der frühere Sänger von TRIAL, der übrigens ebenfalls an der Produktion von „Holding These Moments“ beteiligt war. Neben meinen eigenen bin ich auch an der Produktion und dem Mixing von anderen Bands beteiligt. Kürzlich habe ich außerdem die Drums für die deutsche Hardcore-Band ANOTHER WAY eingespielt, die gerade ihr Demo veröffentlicht haben.

Kommen wir nun zum Film. Wie kam er zustande?
Es begann damit, dass Dan Elswick BANE auf ihrer Abschiedstournee begleitete und alles dokumentierte. Dan ist Kameramann, etwa bei der TV-Show„America’s Got Talent“. „Holding These Moments“ ist jetzt sein Debüt als Filmregisseur.

Du hast dich als Produzent an dem Film beteiligt. Was kann ich mir darunter vorstellen? Im Abspann vieler Filme werden oft etliche Produzenten genannt, ähnlich wie bei Platten manchmal zig Labels draufstehen.
Vereinfacht gesagt ist ein Produzent für alles verantwortlich, damit ein Film zustande kommt und läuft. Ich habe als Produzent angefangen und bin bei einem Interview gelandet, ich war für einen guten Teil der Tonnachbearbeitung verantwortlich, habe einen Teil des Sounddesigns gemacht und etwas von der künstlerischen Leitung übernommen. Es gab auch eine Menge organisatorischer und administrativer Arbeit. Es hat allein etwa vier Jahre gedauert, bis wir alle dokumentierten Erinnerungen zusammenhatten, die vielen Fotos oder die Konzertausschnitte aus rund zwanzig Jahren Bandgeschichte. Man ist hier auf viele Privatpersonen angewiesen, von denen man Material erhalten möchte, was oft nicht auf Anhieb klappt. Das kann einen schon in den Wahnsinn treiben, haha. Der ganze Film ist mit Hilfe von Crowdfunding entstanden, was natürlich auch gemanaget werden musste. Ich denke, zusammenfassend war ich so etwas wie der Schirm über dem Ganzen und habe das Geschäftliche mit dem Label Equal Vision geregelt – schließlich ging es auch um die Rechte an der Musik, die wir im Film verwenden. Die schwierigste Aufgabe war allerdings, dass wir, als ich dazukam, einen Film von fünf Stunden hatten, den wir auf zwei herunterschneiden mussten. Aber letztlich zeigt „Holding These Moments“ auf ziemlich emotionale Weise, wie wichtig BANE für sehr viele Menschen auf der ganzen Welt sind.