BENTHOS

Foto© by Amalia Cicala

Mit den regeln brechen

Der italienische Prog-Metal-Fünfer BENTHOS entfesselt auf dem frisch erschienenen Album „From Nothing“ einen komplex ausgetüftelten Sound. Über Zombiepilze und andere Einflüsse spreche ich mit Gitarrist und Songwriter Gabriele Papagni, Schlagzeuger Alessandro und Sänger Gabriele Landillo.

Eure Lyrics vermitteln eine sehr existenzielle und allumfassende Sicht auf die Welt. Inwieweit spiegelt die Musik dieses große Thema wider?

Gabriele P.: In den Texten geht es mehr darum, Fragen zu stellen, als Antworten zu geben. Jeder hat eine andere Sicht auf den Sinn des Lebens, und wir wollten den Hörer durch unsere Musik in diese Ungewissheit eintauchen lassen und ihn einladen, aus erster Hand zu erfahren, was auf unserem Planeten passiert. Einige Stücke wie „Perpetual drone monkeys“ sind fiktive Geschichten, die von der Angst vor dem Unbekannten angetrieben werden. In diesem Fall haben wir uns eine Welt vorgestellt, in der die Evolution umgekehrt ist: „From humans to monkeys“, in der es keine rationale Sprache mehr gibt und Urinstinkte die Oberhand gewinnen, getrieben von der Furcht vor einer ungewissen Zukunft. Die Musik soll vermitteln, was Worte allein nicht können.

Gabriele L.: Für mich gelingt es der Musik, die umfassende und existenzielle Vision in den Texten durch ihre Heterogenität konkret auszudrücken. Jeder Klang wurde sorgfältig ausgearbeitet und erforscht, um eine vielfältige und reichhaltige musikalische Sprache zu finden. Eine Sprache, die sowohl die innere als auch die äußere Realität widerspiegelt und die gleichermaßen komplex und heterogen ist.

Welche anderen Medien beeinflussen eure Arbeit?
Gabriele P.: Es gab so viele Inspirationsquellen, etwa Filme, Dokus, Malerei oder Fotografie. Alles, was eine reine Ausdrucksform hat, ist eine Art Schule für uns. Es gibt immer etwas Neues, und man hört nie damit auf, von anderen zu lernen. Das Hauptthema von „As a cordyceps“ wurde zum Beispiel von der Netflix-Serie „Our Planet“ inspiriert, in der das Konzept des Zombiepilzes erklärt wird, der Ameisen befällt und ihr Verhalten manipuliert.

Alessandro: Wir lassen uns sehr oft von anderen Kunstformen inspirieren. Das kann eine bestimmte Emotion oder Stimmung sein, die in einem Buch perfekt beschrieben wird, oder eine atemberaubende Szene in einem Film oder Spiel, oder ein nachdenklich stimmendes Gemälde oder ein friedliches Foto ... Das ist ein Prozess, der dem Konzept des Albums in gewisser Weise sehr nahe kommt.

Gabriele L.: Ich erinnere mich an einen Moment während der Proben, als wir „Perpetual drone monkeys“ spielten, um uns auf unseren Auftritt beim Dissonance Festival vorzubereiten. Auf einmal wurde mir klar: Dieser Teil des Stücks – die Bridge mit dem Gitarrensolo – erinnert mich an Ennio Morricones Soundtracks für die Western von Sergio Leone, vermischt mit einem Hauch von Tarantino-Atmosphäre. Ich glaube nicht, dass Gabri dies im Sinn hatte, als er den Song schrieb, aber die ganze Band stimmte meinem Eindruck zu, so wird der unbewusste oder bewusste Einfluss anderer Kunstformen in unserer Musik erkennbar.

Anzeige