BIG SNIFF

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Interview mit Sänger Marc Adams

Zur Musik von BIG SNIFF aus New York brauche ich wohl nichts zu sagen, denn ihr könnt einen Song auf der beiliegenden Ox-7" hören. Bei BIG SNIFF spielen lauter alte Bekannte aus der New Yorker HC-Szene: Bassist Mike Walter war früher bei LUDICHRIST und eben erst mit SHEER TERROR auf Tour In Deutschland, Drummer Alan war ebenfalls bei LUDICHRIST, Sänger Marc war bei IN YOUR FACE und nur Gitarrist Gary Bennett ist ein unbeschriebenes Blatt. In diesen Tagen erscheint bei DO IT Rec., dem Label von Ox-Mitherausgeber Thomas Hähnel die Debut-CD der New Yorker und deshalb unterhielt ich mich Ende Juli am Telefon mit Marc Adams über BIG SNIFF.

Zuerst das Übliche, bitte.

Mike Walter und ich lebten in der gleichen Straße, waren schon immer gute Freunde gewesen und obwohl wir in verschiedenen Bands spielten, er in LUDICHRIST, ich in IN YOUR FACE, wollten wir immer zusammen eine Band aufziehen. Als wir dann eines Tages beide ohne Band dastanden, telefonierten wir BIG SNIFF zusammen. Gary wohnte auch um die Ecke, und mit Alan war die Band komplett. In dieser Besetzung spielen wir jetzt seit einem Jahr zusammen.

Wie kam es dazu, dass ihr eure CD auf einem deutschen Label veröffentlicht?
Als Mike mit SHEER TERROR in Deutschland war, hatte er ein paar unserer Demo-Tapes dabei und verteilte sie an verschiedene Leute. Auch Thomas bekam ein Tape in die Hände, zeigte sich interessiert und wir haben den Deal klargemacht.

Erscheint das Album denn parallel auch in den USA?
Nein, aber wir werden versuchen, hier in den USA einen Vertrieb für die CD zu finden. Wir werden sehen, wie es sich weiterentwickelt. In den USA wird es von uns eine 7" auf Mint Tone Rec. geben, einem Label aus New York. Der Typ kam schon bei einer unserer ersten Shows auf uns zu und wollte eine Single mit uns machen. Insgesamt gibt es hier in New York natürlich eine ganze Reihe guter Labels, aber für BIG SNIFF ist es von der Musik her wohl besser, ein Label in Europa zu haben. Wir sind eben nicht so metalorientiert wie die Mehrzahl der Bands hier.

Das wollte Ich dich gerade fragen: Euer Musikstil Ist doch ganz anders als der übliche New York Hardcore, und auch anders als das, was SHEER TERROR oder LUDICHRIST machen bzw. machten. Ihr erinnert mich eher an DAG NASTY.
Meine alte Band IN YOUR FACE, bei der auch Leute von TOKEN ENTRY mitspielten, ging auch schon eher in die 7 SECONDS-Richtung, war beinahe noch melodischer als BIG SNIFF. Ich mag melodischere Sachen auch lieber, genau wie Gary, der Gitarrist, der total auf die Washington D.C. Emo-Sachen steht. Daraus ergab sich dann der Sound von BIG SNIFF. Ich selbst habe nichts in meiner Vergangenheit, was irgendwie mit Metal zu tun hat, stand schon immer auf die straighten, melodischen Bands. Damit hat man es in New York natürlich recht schwer, wo sich die Definition von Hardcore sowieso ständig ändert. Zur Zeit bedeutet Hardcore hier vor allem SICK OF IT ALL und BIOHAZARD, und mit dieser Szene haben wir nichts zu tun. Ich stehe auf Bands wie LEATHERFACE, SNFU, PEGBOY und so weiter. Wir sind hier in New York wohl eine der wenigen Bands, die so einen Sound spielt.

Vielleicht noch SLEEPER von Staten Island. Habt Ihr denn Probleme, Shows zu bekommen? Akzeptieren die Leute euch?
Es läuft sehr gut, wir spielen oft live und es könnte sein, dass sich ein Wandel ankündigt, weil die Leute merken, dass es mehr Spaß macht, auf ein Konzert zu gehen, bei dem man nicht zeigen muss, wie hart man doch ist. Bei unseren Konzerten haben die Leute einfach Spaß, und das ist alles, was wir wollen. Aber selbst die Leute, die so auf hart machen, sind privat total nette Leute, wie etwa SICK OF IT ALL. Wir haben uns aber auch von den Songs auf der CD schon weiterentwickelt, sind meiner Definition von Hardcore mittlerweile noch näher gekommen: Wir werden noch melodischer, noch mehr straighter Punkrock. Und obwohl ich mit diesem Album zufrieden bin, glaube ich, dass unser zweites Album noch viel besser wird. Wir sind also nicht wirklich progressiv, sondern eher regressiv, weil wir zum Hardcore der alten Schule zurückkehren, gezielt alle Einflüsse ausschalten. Ich stehe auch auf „heavy" Musik, aber „heavy" hat für mich nichts mit Metal zu tun, sondern mit intensiver Musik wie sie MINOR THREAT spielten.

Thomas erzählte mir, dass für die CD ein Intro vorgesehen war, in dem ihr in einer nachgestellten Kneipenszene euch mit den CRO-MAGS darüber streitet, wer die härtere Band ist. Kurz vor dem Mastering kam dann ein panischer Anruf von euch, in dem Ihr verlangt habt, das Intro wegzulassen, well die CRO-MAGS euch Prügel angedroht haben.
Ah, sehr gut, dass du das fragst, haha. Das Intro war ein wirklich guter Scherz, perfekt gemacht und so. Naja, Mike spielt auch noch in SHEER TERROR und seine Bandkollegen haben ihm einen Scherz gespielt: Sie erzählten ihm, dass sie gehört hätten, die CRO-MAGS würden sich furchtbar rächen, falls wir sie mit diesem Intro lächerlich machen. Mike ließ sich davon so erschrecken, dass er Thomas anrief und ihn anflehte, das Intro wegzulassen. Zurückblickend kann ich mir auch nicht vorstellen, dass sich die CRO-MAGS darüber aufgeregt hätten. Aber vielleicht können wir das Intro später nochmal irgendwo verwenden. Die ganze Sache basierte darauf, dass die CRO-MAGS der Inbegriff des harten New York-Sounds waren und sind, während wir das genaue Gegenteil sind und nichts mit diesem Sound zu tun haben wollen. Und wir dachten uns, dass es eine ganz witzige Idee sei, sie zu einem „Kampf der Titanen" heraus zu fordern.

Wer hat denn den doch sehr depressiven Text von „Sixty-Four“ geschrieben, dem Song auf der 7“
Der Text stammt von mir. Im Text geht es darum, dass viele meiner Freunde, die früher in Bands gespielt haben, mittlerweile studieren, oder im Beruf Karriere machen, während ich immer noch in einer Hardcoreband spiele, mit 24 immer noch bei meinen Eltern wohne. Es ist nicht so, dass ich darauf warte, dass irgendwas passiert, denn ich weiß, dass ich wohl nie das große Geld machen werde. Ich halte es eben für wichtiger, in einer Band zu spielen, in einem Studio zu stehen und neue Songs aufzunehmen, live aufzutreten. Nur wird dieser Lebensstil da, wo ich herkomme, nicht gerade akzeptiert.

Wo kommst du denn her?
Wir sind von Long Island, New York. Das ist die typische weiße Mittelklasse-Wohngegend. Bis auf Alan, der in Manhattan wohnt, kommen wir alle aus den Vorstädten auf Long Island.

Ihr seid also die reichen Kids aus Suburbia!
Darüber machen wir auch immer Witze, haha. Aber reich sind unsere Eltern auch nicht, sondern diese typische Mittelklasse. Wir erfüllen das Klischee, das man von amerikanischen Hardcore-Kids hat.

Von was lebt Ihr denn?
Mike macht Gelegenheitsarbeiten, weil er mit seinen ständigen Touren keinen anderen Job bekommt. Zur Zeit liefert er Autoteile aus. Ich arbeite im Art Department einer Zeitung, bei „Newsday", und kümmere mich um Layout und Filme und so Kram. Aber ich würde denn Job sofort sausen lassen, wenn ich die Gelegenheit hätte, mit BIG SNIFF auf Tour zu gehen.

Habt ihr Pläne, nach Europa zu kommen?
Wir haben noch keine konkreten Vorstellungen dazu, aber eines Tages werden wir kommen, hoffe ich.

Ist es für Mike eigentlich ein Problem, gleichzeitig bei SHEER TERROR und SHEER TERROR zu spielen?
Nein, absolut nicht. Es gibt hier keinen Interessenkonflikt. Ich kenne auch die Leute in SHEER TERROR. Wir sind Freunde, und es gibt da kein Konkurrenzdenken.

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