BODYSNATCHER

Foto© by Alyssa Moreau

Raus aus der Sackgasse

Im April bringt der Deathcore-Vierer aus Florida sein viertes Studiowerk an den Start. Welche große Herausforderung es im Verlauf des Entstehungsprozesses zu bewältigen galt, worum es inhaltlich geht und warum es ihm immer schwerer fällt, sich als US-Amerikaner stolz zu fühlen, erklärt uns Gitarrist Kyle Carter.

Bitte umreiße zunächst einmal den gesamten Produktionsprozess rund um „Hell Is Here, Hell Is Home“? Wann wurden die Albumpläne konkret?

Normalerweise beginne ich damit, Teile von Songs oder, wenn ich Glück habe, ganze Songs als Demo aufzunehmen, und schicke sie dann den Jungs, um ihr Feedback einzuholen. Sobald wir ein Gefühl dafür bekommen haben, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln soll, schicken Chris, unser Schlagzeuger, und Kyle, unser Bassist, ebenfalls Riffs oder Breakdowns oder manchmal auch Sprachnachrichten mit Ideen, die sie cool finden. Oder aber die Jungs sagen mir, was ich womöglich ändern sollte. Sobald wir dann genügend Material gesammelt haben, treffen wir uns im Proberaum und gehen gemeinsam alle Tracks durch. Zerlegen sie in ihre Einzelteile und setzen sie wieder zusammen. So lange, bis alle happy mit dem Ergebnis sind. Danach wiederholt sich der Prozess noch einmal im Studio. Bis die Songs in unser aller Augen so gut sind, wie sie nur sein können. Mit dem Songwriting haben wir Mitte 2024 angefangen. Die Zeit im Studio betrug ziemlich genau einen Monat.

Wer war für den Mix und das Mastering verantwortlich?
Wir haben erneut bei Will Putney in New Jersey aufgenommen. Er war auch für den Mix und das Mastering verantwortlich. Es war das zweite Mal, dass wir zusammengearbeitet haben. Der Sound, den wir gemeinsam mit Will erreichen konnten, spricht meiner Meinung nach für sich. Dieses Album und die vorangegangene EP „Vile Conduct“ waren für uns in jeder Hinsicht ein großer Schritt nach vorne, und wir könnten mit dem Endergebnis nicht zufriedener sein.

Gab es im Vergleich zur Vergangenheit wesentliche Veränderungen innerhalb des gesamten Produktionsprozesses?
Bevor wir mit Will zusammengearbeitet haben, haben wir alles in Eigenregie gemacht. Unser Schlagzeuger ist ebenfalls Produzent und arbeitet mit Bands, was für uns glücklicherweise immer ein großer Vorteil war. Ich würde sagen, die einzige echte Herausforderung, vor der wir dieses Mal standen, waren die Lyrics. Aber Will hat uns aus allen Sackgassen herausgeholt, in denen wir immer wieder steckengeblieben sind, und ich denke, das merkt man auch. Nachdem wir nun schon eine ganze Weile als Band unterwegs sind, lässt es sich manchmal wohl nicht ganz vermeiden, dass sich gewisse Dinge zwangsläufig wiederholen. Will war eine große Hilfe dabei, neu zu definieren, was wir sagen und transportieren wollen, und er hat uns neue Wege gezeigt, wie wir Dinge umsetzen können.

Gab es von Beginn an eine klare Vision, was den Sound und die generelle Ausrichtung der Platte anbelangt?
Ja, musikalisch hatten wir schon eine deutliche Vision. Wir versuchen sowieso immer, uns selbst zu übertreffen und Songs zu schreiben, die so heavy und fies wie möglich klingen. Was die Texte und die Message angeht, war es, wie gesagt, lange Zeit etwas unklarer. Das hat sich dann tatsächlich erst in den Wochen im Studio wirklich zusammengefügt.

Welche Momente im Verlauf des Produktionsprozesses der Scheibe sind dir in besonderer Erinnerung geblieben?
Für mich gab es mehrere Gelegenheiten, wo ich spätabends im Bett lag und mir die Songs noch einmal angehört habe, an denen wir den ganzen Tag gearbeitet hatten. Dabei habe ich oft ein Gefühl des Stolzes verspürt. Weil ich wusste, dass das Material genau in die richtige Richtung geht. Ich denke, das waren die schönsten Erinnerungen.

Wie oft hörst du die Platte heute eigentlich noch – und wie fühlt sich das an?
Ab und zu höre ich mir das ganze Album in Ruhe an, um sicherzugehen, dass es immer noch gut ist, haha. Aber da wir derzeit ja auch einige Singles veröffentlichen, muss ich mich sowieso permanent mit der Scheibe auseinandersetzen. Da gibt es viel zu tun. Ich höre mir ständig alles an, schaue mir die finalen Musikvideos zur Freigabe an und nehme alles genau unter die Lupe. Wenn das Album dann endlich im April raus ist, werde ich es mir wohl deutlich entspannter anhören können.

Was schätzt du persönlich am meisten an der Platte? Und, was denkst du, wird den Leuten da draußen am besten an „Hell Is Here, Hell Is Home“ gefallen?
Ich finde es cool, dass wir das genaue Gegenteil von den vielen Bands sind, die mit der Zeit immer weniger heavy klingen. Ich bin absolut überzeugt, dass dies unser bisher härtestes Material ist – und gleichzeitig auch das beste, das wir je geschrieben haben. Ich hoffe natürlich, dass die Leute diesen Aspekt genauso zu schätzen wissen.

Ihr habt im Vorfeld erklärt, dass „die heutige Welt wesentlich auf das Album abgefärbt hat“ und sprecht von „einer Welt, die sich aktuell moralisch verloren anfühlt“. Kannst du das näher erklären?
Das Album thematisiert in großen Teilen, wie schrecklich die Menschheit sein kann. Es handelt gewissermaßen vom Schlimmsten in uns allen. Derzeit gibt es beispielsweise so viel Hass in der Welt, und es wird gefühlt immer mehr. Nicht zuletzt das Internet spielt eine große Rolle dabei, diesen Hass zu verbreiten. Natürlich sollen und dürfen die Hörer die Lyrics auf ihre Weise interpretieren. Aber das war beispielsweise eine Thematik, die uns beschäftigt hat.

Auch die aktuelle Lage in der Weltpolitik sorgt bei unzähligen Menschen für Unsicherheit. Vor allem die US-Regierung und ihr Handeln steht zuletzt weltweit in der Kritik. Wie siehst du die Situation? Und findest du, dass Bands und Künstler verpflichtet sind, Stellung zu beziehen?
Ich kann natürlich nicht für die anderen Jungs sprechen. Aber ohne zu sehr ins Detail zu gehen, denke ich, dass die Kritik berechtigt ist. Es gibt zweifelsohne viele Dinge, mit denen ich in unserem Land nicht zufrieden bin. Aber ich bin trotzdem stolz darauf, US-Amerikaner zu sein. Es wird nur immer schwieriger, diesen Stolz aufrechtzuerhalten.

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